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Drogen-Krieg in Mexiko:Mexikanische Dorfbewohner nehmen Mutter eines Drogenbosses als Geisel

  • In einer mexikanischen Gemeinde haben die Bewohner in einem Akt der Selbstjustiz eine Geiselnahme begangen.
  • Sie halten Unterstützer einer Drogenbande gefangen - darunter auch die Mutter des Bandenanführers.

Mexikos Drogenkartelle terrorisieren das ganze Land. Immer wieder werden Menschen verschleppt und tauchen nicht mehr auf. In einer Provinz im Süden des Landes haben Landbewohner den Spieß jetzt einfach umgedreht und selbst Unterstützer einer der Banden als Geiseln genommen - darunter auch die Mutter eines Drogenbarons.

Wie lokale Medien berichten, sollen die Bewohner von San Miguel Totoloapan im Bundestaat Guerrero insgesamt 24 Menschen in ihrer Gewalt haben. Sie sollen so versuchen, einen von der Bande "Los Tequileros" angeblich entführten Ingenieur wieder freizubekommen.

Übers Fernsehen bot dessen Ehefrau dem Drogenboss "El Tequilero" einen Handel an. "Ich fordere einen Austausch. Für das Leben meines Mannes fordere ich das Ihrer Mutter", sagte sie. Die Regierung hat Vermittler zu Verhandlungen geschickt und hofft, dass sich die Drogenhändler auf den Gefangenenaustausch einlassen. Sicherheitshalber sind etwa 220 Soldaten und Polizisten im Einsatz, um eine Eskalation zu verhindern.

Sinaloa steht an der Spitze der Kartelle

Nicht nur in Guerrero leidet die Bevölkerung seit Jahren unter der Brutalität und Gewalt, die häufig von rivalisierenden Drogenkartellen ausgeht. Seit die mexikanische Regierung den Kriminellen vor zehn Jahren den Krieg erklärte, starben Zehntausende Menschen.

Während die Opfer der Drogendealer oft in Massengräbern verscharrt werden, protzen die mächtigen Bosse der Kartelle oft noch über ihren Tod hinaus. Sie leisten sich Gruften mit Wohnzimmern, Klimaanlagen und kugelsicheren Scheiben - Annehmlichkeiten, von denen die Hinterbliebenen an ihrem Trauerort profitieren.

Das größte Drogennetzwerk Mexikos ist das Sinaloa-Kartell, das lange Zeit von Joaquín Guzmán alias "El Chapo" (Der Kleine) geleitet wurde. Er galt als der reichste und mächtigste Drogenbaron der Welt, seit Pablo Escobar in den achtziger und neunziger Jahren in Kolumbien mit Kokain Milliarden verdiente.

Drogenkrieg in Mexiko

Der unberechenbare große Bruder von "El Chapo"

Kurz sah es so aus, als habe die Familie Guzmán den Machtpoker im mexikanischen Drogenkrieg verloren. Doch jetzt signalisiert der Bruder des inhaftierten "El Chapo" mit einer Reihe von Hinrichtungen: Die Firma lebt.   Von Boris Herrmann

"El Chapo", schon zwei Mal aus einem Gefängnis ausgebrochen, sitzt inzwischen wieder in Isolationshaft. Er wird wohl, wenn er nicht doch noch einen Tunnel aus seiner Zelle buddelt, in Kürze an die USA ausgeliefert. Die Festnahme des von seinen Anhängern als Ikone verehrten Gangsterbosses scheint die Geschäfte des Kartelles allerdings nicht zu behindern, sie laufen unbeirrt weiter.

In jüngster Zeit, so sagen Beobachter der Szene, soll sich sein Bruder mit einigen brutalen Anschlägen seinen Platz in der Führungsriege des Netzwerks gesichert haben.