Einbruch in das Grüne Gewölbe:Erstes Geständnis im Prozess um Juwelendiebstahl

Lesezeit: 2 min

Einbruch in das Grüne Gewölbe: Beim Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden am 25. November 2019 wurden 21 historische Schmuckstücke gestohlen, besetzt mit Juwelen und Brillianten. Der Versicherungswert: 113,8 Millionen Euro.

Beim Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden am 25. November 2019 wurden 21 historische Schmuckstücke gestohlen, besetzt mit Juwelen und Brillianten. Der Versicherungswert: 113,8 Millionen Euro.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden entscheidet sich einer der Angeklagten überraschend zu einer Aussage. Mit dem Diebstahl will er nur ganz am Rande zu tun gehabt haben.

Von Antonie Rietzschel, Dresden

Als sein Anwalt im Hochsicherheitssaal das Wort ergreift, schaut Rabieh R. vor sich auf den Tisch, reibt sich die Schläfen. Er wirkt angespannt. R. hat überraschend beschlossen, auszusagen über den Diebstahl, der aufgrund akribischer Ermittlungsarbeit sehr gut dokumentiert ist, zu dem aber seine mutmaßlichen Komplizen bisher eisern schweigen.

Am frühen Morgen des 25. November 2019 brachen mehrere Personen in Dresden in das historische Grüne Gewölbe ein, stahlen 21 historische Schmuckstücke, besetzt mit Tausenden Diamanten und Brillanten. Versicherungswert: 113,8 Millionen Euro. Politiker sprachen von einem "Anschlag auf die kulturelle Identität der Sachsen", die Nachricht von der Tat verbreitete sich bis ins Ausland. Seit Ende Januar verhandelt das Landgericht gegen sechs Männer wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung. Unter ihnen ist auch Rabieh R.

Einbruch in das Grüne Gewölbe: Rabieh R. auf dem Weg ins Gericht. Seine fünf Mitangeklagten schweigen bisher eisern.

Rabieh R. auf dem Weg ins Gericht. Seine fünf Mitangeklagten schweigen bisher eisern.

(Foto: Sebastian Kahnert/AFP)

In der Erklärung, die sein Anwalt verliest, heißt es, er hätte erst wenige Tage vor dem geplanten Einbruch von der Aktion erfahren. Man habe ihn gefragt, ob er sich beteiligen wolle. Der Plan sei "genial", es winke "große Beute". Bei der Person, die Rabieh R. angeworben hat, soll es sich um den "Tatplaner" gehandelt haben. Mehr möchte der 28-Jährige dazu nicht sagen. Er gehört zu einer bekannten Berliner Großfamilie, die aufgrund spektakulärer Straftaten einige Bekanntheit erlangt hat. Wissam und Ahmed R., gegen die nun ebenfalls verhandelt wird, waren auch am Raub der Goldmünze aus dem Bode-Museum beteiligt.

Am 20. November 2019 , so stellt es Rabieh R. dar, fuhr er mit anderen mutmaßlichen Tätern von Berlin nach Dresden. Am Stadtschloss stiegen sie über eine kleine Mauer, begutachteten das Fenster, durch das sie in die Räume des Grünen Gewölbes gelangen wollten, spähten Fluchtwege aus. "Nach der Besichtigung der Einstiegsstelle wurde mir gesagt, ich solle Schmiere stehen", heißt es in der Erklärung von Rabieh R. Auch beim Tragen der Schmuckstücke sollte er helfen. Doch im letzten Moment sei er ausgestiegen.

Der Schmuck gilt als schwer verkäuflich, von ihm fehlt jede Spur

Am Abend des 24. November machte sich die Gruppe mit dem Auto auf den Weg zum Treffpunkt. Unweit der Wohnung von Rabieh R. gerieten sie in eine Polizeikontrolle. Im Kofferraum fanden die Beamten das Werkzeug für den Einbruch, sie nahmen die Personalien auf. R. wurde die Sache zu heikel, das Auto fuhr ohne ihn weiter. "Die Tat wurde unabhängig von mir begangen", lässt er nun erklären. Als am nächsten Tag die Meldungen über den Diebstahl die Runde machten, saß Rabieh R. angeblich in der Schule.

Zum Verbleib des Schmucks verliert der 18-Jährige in seiner Erklärung kein Wort. Es handelt sich um einzigartige Stücke, die August der Starke gesammelt hat. Die Brustschleife von Königin Amalie Auguste oder der Degen, dessen Griff mit mehr als Tausend Brillanten besetzt ist, lassen sich nicht so einfach verkaufen. Experten vermuten, dass die Diebe die einzelnen Juwelen verhehlen wollen. Aber auch dies dürfte nicht so einfach sein.

Am Dienstag sagte vor Gericht auch eine Restauratorin des Grünen Gewölbes aus. Sie berichtete, dass die Steine nicht mit der heutigen Qualität von Diamanten und Brillanten zu vergleichen seien. Es gebe Einschlüsse, Verfärbungen und leichte Schäden. Außerdem dürfte der historische Schliff Juwelieren auffallen. Bisher hat die Polizei keine Anhaltspunkte dafür, dass die Schmuckstücke verkauft wurden. Mehrere Privatpersonen haben Belohnungen für deren Rückgabe ausgelobt, bisher ohne Erfolg.

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