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Grünes Gewölbe:"Natürlich ein Leichtes für Trittbrettfahrer"

Grünes Gewölbe Dresden

Ein Absperrband hängt am Zaun vor den Gitterfenstern des Grünen Gewölbes.

(Foto: Sebastian Kahnert/pa)

Angeblich tauchten einige der in Dresden gestohlenen Juwelen wieder auf - als Angebot über neun Millionen Euro an eine israelische Spionagefirma. Was steckt dahinter?

Vor ein paar Tagen sind einige der gestohlenen Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden aufgetaucht - angeblich. Aber das Angebot über neun Millionen Euro für zwei der Schmuckstücke, das eine israelische Spionagefirma erhalten haben will und das die Firma der Süddeutschen Zeitung am Montag per E-Mail bestätigte, wirft einige Fragen auf - zumal inzwischen auch die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt MDR ein Angebot erhalten haben soll. Der Versuch zu verstehen, was nun passiert sein könnte, führt einen zu Thorsten Hofmann. Der ehemalige Ermittler des Bundeskriminalamts aus dem Bereich Organisierte Kriminalität geht davon aus, dass gleich zwei der beteiligten Akteure lügen.

SZ: Herr Hofmann, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bestreiten, die israelische Firma beauftragt zu haben - die Firma in Israel dagegen behauptet allerdings genau das Gegenteil. Wie erklären Sie sich das?

Thorsten Hofmann: Dass man einen externen Dienstleister mit Ermittlungen beauftragt, macht man in der Regel nur vonseiten einer Versicherung. In diesem Fall waren die Kunstgegenstände aber gar nicht versichert.

Thorsten Hofmann

Thorsten Hofmann arbeitete für das Bundeskriminalamt bei Erpressungsfällen und Geiselnahmen im In- und Ausland. Heute leitet er das Center for Negotiation an der Hochschule Quadriga in Berlin.

(Foto: Die Hoffotografen Berlin)

Das israelische Unternehmen behauptet, der Auftrag sei über eine Anwaltsfirma von Vorstandsmitgliedern des Museums gekommen - was dessen Generaldirektorin allerdings dementiert. Wäre es denkbar, dass der Auftrag inoffiziell erteilt wurde, um gegenüber den Dieben größere Verhandlungsspielräume zu haben als eine staatliche Institution sie hätte?

Das wäre dann schon kritisch. Herrin des Verfahrens ist die Staatsanwaltschaft. Wenn man privat jemanden loslaufen lässt, kann das dazu führen, dass Ermittlungsergebnisse verwässert werden oder zu Schaden kommen. Das wäre den Staatlichen Kunstsammlungen und ihren Vorständen nicht zu empfehlen.

Hat die israelische Firma also auf eigene Faust ermittelt?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Normalerweise arbeitet man, wenn man so einen Auftrag erhält, bei seinen Ermittlungen auch eher im Ruhigen. Und wendet sich damit nicht an die Presse oder an sonstige Medien.

Warum sollte man das dann tun?

Das Einzige, was mir dazu einfällt: Man macht es aus PR-Gründen. Der Fall sorgt natürlich für Aufmerksamkeit, weil es so ein spektakulärer Raub war.

Die Bild hat schon im Dezember berichtet, die Firma sei an dem Fall dran.

Wenn man in den Medien einmal genannt wurde als Unternehmen, das in dem Fall ermittelt, ist es natürlich ein Leichtes für Trittbrettfahrer, die einfach mal anzuschreiben und ein Angebot zu unterbreiten. Auch wenn man die Beute gar nicht besitzt.

Der MDR hat selbst eine E-Mail an die Adresse geschrieben, über die das israelische Unternehmen mit den angeblichen Dieben kommuniziert hat - und dasselbe Angebot unterbreitet bekommen, es sogar noch um ein drittes Schmuckstück erweitert. Sie haben sich diesen E-Mail-Verkehr angeschaut. Was ist Ihr Eindruck?

Der oder die Täter sind in Hochgeschwindigkeit von der Forderung nach neun Millionen Euro deutlich runtergegangen. Das hat knapp eine Stunde gedauert. Außerdem wurde damit gedroht, die Schmuckstücke zu zerstören. Da hatte es jemand sehr eilig. Wenn man sich vor Augen führt, wie hochprofessionell der Einbruch durchgeführt wurde, dann wäre dieses Verhalten das Gegenteil davon.

Wie würden die Täter in einem solchen Fall üblicherweise vorgehen?

Diese Kunstgegenstände sind sehr schwierig auf dem Hehlermarkt unterzubringen. Man müsste sie einschmelzen oder den Schliff ändern, das würde den Wert deutlich reduzieren.

Und wenn man die Schmuckstücke im Originalzustand verkaufen will?

Dann hat man es - und das ist durchaus ein realistisches Szenario - von vornherein als Artnapping aufgezogen. Das heißt, man meldet sich irgendwann bei den Behörden, um den Rückkauf zu besprechen. Vielleicht ist das auch schon passiert. Aber die Behörden würden so etwas nicht in die Öffentlichkeit tragen.

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