bedeckt München 12°

Dreifachmord im Vogtland:"Heimtückisch, berechnend und eiskalt"

Ein Kilometer vor der tschechischen Grenze endete die Flucht in einem verschneiten Wald: Nach elf Stunden überwältigte die Polizei am Freitagabend einen Mann, der in Sachsen drei Menschen umgebracht hat.

Der 35 Jahre alte Arbeitslose aus Werda ließ sich widerstandslos festnehmen. Die noch geladene Tatwaffe, eine Luger-Pistole, hatte er bei sich. Bei seiner Vernehmung wird nach und nach klar, dass die Frau und die beiden Männer keine Zufallsopfer waren. "Alles war geplant. Er hat heimtückisch, berechnend und eiskalt gehandelt", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Zwickau, Bernd Hohmann, über die Tat. Gegen den Mann wurde am Samstag Haftbefehl erlassen.

Dieter Kroll, Polizeipräsident von Südwestsachsen, zeigt ein Foto von der Tatwaffe

(Foto: Foto: dpa)

Der Täter hat weitgehend gestanden, nur sein Motiv liegt noch im Dunkeln. "Wir gehen von einem Racheakt aus", sagen die Ermittler. Dass es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt, ahnten sie bereits kurz nach dem letzten Mord. Zeugen hatten sich das Kennzeichen des roten Fluchtautos gemerkt, das dem ersten Opfer gehörte. Mit der 25-Jährigen hatte der verheiratete Mann und Vater dreier 7, 10 und 14 Jahre alten Kinder zeitweise ein außereheliches Verhältnis. "Am Donnerstagabend verabredete er sich mit ihr für 18.00 Uhr", sagt der Chef der Polizeidirektion Südwestsachsen, Dieter Kroll.

Am Treffpunkt habe er die junge Frau und Mutter einer 5-jährigen Tochter mit einem Kopfschuss nach seinen Angaben "zeitnah" getötet. Anschließend flüchtete er mit ihrem Wagen. Bereits um Mitternacht hatte ihr Lebensgefährte die Verkäuferin vermisst gemeldet. Gefunden wurde ihre Leiche erst am nächsten Morgen um 6.31 Uhr von einem Lastwagenfahrer an einem Parkplatz. Da war der Täter bereits auf dem Weg ins wenige Kilometer entfernte Werda. Eine Dreiviertelstunde später gab er auf dem Gelände einer Fensterbaufirma "aus dem Auto heraus" drei Schüsse auf seinen früheren Chef ab.

Der gleichaltrige Familienvater war sofort tot und wurde von seiner Ehefrau gefunden, die auch die Polizei alarmierte. Bei ihm hatte der mutmaßliche Täter, der ohne Beruf war, sieben Jahre gearbeitet. Im Januar war er entlassen worden. "Die Gründe dafür waren nicht wirtschaftlicher Art, sondern lagen in der Person des Mannes", sagte Polizeichef Kroll.

Das letzte Opfer des 35-Jährigen wurde um 8.33 Uhr der Bruder seiner Ehefrau, der in einem Heim für betreutes Wohnen in Plauen lebte. Eine Mitarbeiterin hatte im Hausflur einen Knall gehört und den 40-Jährigen in seinem Blut gefunden. Auch ihn hatte der Täter mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Der Schwager, mit dem es laut Polizei Streitigkeiten gab, hatte ihm zuvor die Tür geöffnet.

Von da an war der Familienvater auf der Flucht. Den ganzen Tag über fahndeten 250 Ermittler, Spezialisten, Beamte unter anderem mit zwei Hubschraubern nach ihm. "Wäre er über die Grenze gegangen, hätten wir ihn dank der Kooperation mit den Kollegen in Tschechien ohne Probleme weiterverfolgen können", sagt Kroll.

Der Zugriff sei jedoch nicht ungefährlich gewesen. "Da waren Skifahrer unterwegs, und wir mussten eine Wandergruppe umleiten", erzählt er. Der Gesuchte wurde schließlich "mit körperlicher Kraft" überwältigt.

"Er wirkte bei der Festnahme erschreckend normal." Kein Alkohol, keine Drogen. Stundenlang wurde er bis in die Nacht befragt, wobei er kooperativ gewesen sei. Nach seinem Geständnis brach er knapp eine Stunde nach Mitternacht schließlich mit den Worten ab: "Ich bin jetzt müde, es geht nicht mehr." Oberstaatsanwalt Hohmann geht davon aus, dass es schnell zur Anklageerhebung kommt.

© dpa/Peter Dietrich und Simona Block
Zur SZ-Startseite