Drachenfliegen:"Ideal ist es, wenn man liegen kann und der Drache über einem fliegt"

Anna Rubin

Leichter Wind, kein Regen, perfekte Bedingungen: Anna Rubin mit einem ihrer Modelle.

(Foto: Ramlal Tien)

Mit dem Herbst beginnt auch die Drachensaison. Anna Rubin ist freischaffende Drachenbauerin und erklärt, was es beim Fliegen zu beachten gilt.

Interview von Fabian Thomas

Als Kind träumte Anna Rubin vom Fliegen. Seit einigen Jahren erfüllt sich die Kärntnerin ihren Traum als freischaffende Drachenbauerin. Sie empfiehlt leichten Wind, keinen Regen und erklärt: Wer Wünsche hat, sollte Drachen fliegen.

SZ: Frau Rubin, wann lässt man am besten einen Drachen fliegen?

Anna Rubin: An einem regenfreien Tag bei leichtem Wind. Leichten Wind erkennt man daran, dass sich die Bäume nicht neigen, aber die Äste sich leicht bewegen. Man sucht sich ein Feld oder eine große Wiese, das ist jetzt im Herbst ideal, weil alles geschnitten und geerntet ist.

Gibt es eine spezielle Technik?

Man stellt sich mit dem Rücken zum Wind und hält den Drachen an der Waageschnur, schön hoch über dem Kopf. Der Körper erzeugt Verwirbelungen, die den Drachen beim Abheben stören können. Sobald der Wind am Drachen zieht, lässt man die Flugleine durch die Finger gleiten. Dann steigt der Drachen höher und höher. Wenn kein Wind ist, muss man laufen. Ideal ist es, wenn man in der Wiese liegen kann und der Drache über einem fliegt.

Welche Drachen eignen sich am besten für Einsteiger?

Das sind die, die man überall kaufen kann, Plastikfoliendrachen in Diamantform. Natürlich kann man auch Drachen selber bauen. Dabei ist wichtig, dass der Drache nicht so schwer wird, man sollte zarter bauen, als man denkt. Man kann Papier und Bambusstäbchen benutzen. Die Stäbchen bekommt man in Deutschland und Österreich kaum einzeln, deshalb empfehle ich, in ein Einrichtungsgeschäft zu gehen und ein Bambusrollo zu kaufen, dann hat man ganz viele.

Gefährte

Manchmal, sagt Rubin, wundern sich Menschen, wie ihre Modelle eigentlich fliegen können.

(Foto: Ramlal Tien)

Woher kommen Drachen eigentlich?

Eine Theorie ist, dass sich Drachen in vielen asiatischen Ländern unabhängig voneinander entwickelt haben. Es gibt etwa 2000 Jahre alte Aufzeichnungen von Drachen in Japan. In China gibt es die Geschichte, dass der Wind einem Bauern immer den Hut vom Kopf geweht hat und er irgendwann eine Schnur dran montiert hat. Die Erfindung des Papiers hat die Drachenkultur in Asien gepusht. In China gab es dann sogar ein Verbot, dass man nicht in der Nähe des kaiserlichen Palasts fliegen darf, weil überall in den Bäumen Papierdrachen hingen.

Welche Bedeutung haben Drachen in Asien?

In Europa denkt man bei Drachen vor allem an die Standardform, in China gibt es alles Mögliche: Löwen, Gemüse, Blumenvasen, Goldfische, Fledermäuse. In vielen Ländern gilt der Drache als religiöses Symbol, in Japan und in arabischen Ländern sieht man ihn als Vermittler zwischen Himmel und Erde. Die Leute schreiben Wünsche auf den Drachen, lassen ihn steigen und schneiden dann die Fluglinie ab, damit der Wind den Wunsch zu den Göttern trägt.

Haben Sie das auch schon mal gemacht?

Manchmal, wenn ich Kurse mit Jugendlichen leite, schreiben wir Wünsche drauf. Aber ich habe ihn noch nie losgeschnitten. Wenn ich einen Drachen baue, bin ich stark mit ihm verbunden, dann will ich ihn nicht abschneiden.

Wie kamen Sie zum Drachenfliegen?

Ich habe als Kind irrsinnig viel vom Fliegen geträumt. Als Jugendliche habe ich mir Flügel aus Haselnusszweigen und Papier gebaut, richtig groß, um selbst zu fliegen, aber der Flug war eher kurz. Dann habe ich auf der Akademie für Bildende Kunst in Wien Textiles Gestalten studiert. Dort habe ich mich mit Landschaft und Wind beschäftigt und bin so auf das Thema Drachen gestoßen.

Was für Drachen bauen Sie?

Am Anfang habe ich runde Drachen gebaut, Kreise mit einer wilden Struktur aus Bambusstäbchen, die oft über diese Kreise hinausragen, und diese Kreise sind bespannt mit Papier. Eigentlich ist mehr Loch da als Drachen, Löcher fliegen gut. Jetzt sehen meine Drachen aus, als würde ich Mikado-Stäbchen hinschmeißen, und dann die Stäbchen mit Papierstreifen bekleben und miteinander verbinden. Leute, die meine Drachen sehen, verstehen manchmal nicht, wieso die Drachen fliegen können. Wobei nicht alle meine Drachen gleich gut fliegen. Aber ich gebe nicht auf, sondern probiere so lange rum, bis sie fliegen.

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