Süddeutsche Zeitung

Dortmunder Zoo:Albino-Seebär "Rubio" überraschend gestorben

Lesezeit: 2 min

Er war der weltweit einzige Albino seiner Gattung in einem Zoo - jetzt ist Seebär "Rubio" tot in seinem Gehege aufgefunden worden. Schuld an dem plötzlichen Ableben könnten zwei Erdkröten sein.

Von Jana Stegemann

In die Sonne ging "Rubio" nicht gerne. Das Licht tat seinen Augen weh. Aber neugierig auf seine Umwelt war der kleine Seebär trotzdem, weshalb er das Gehege im Dortmunder Zoo stets sehr genau erkundete. Diese Neugier könnte die Ohrenrobbe jetzt das Leben gekostet haben. Tierpfleger fanden "Rubio" am vergangenen Samstagmorgen tot auf, kurz vor seinem ersten Geburtstag am 26. Mai.

Die Tierärztin entdeckte bei der Obduktion im Magen des Tieres angedaute Reste zweier Erdkröten, deren Hautdrüsensekrete als giftig gelten. "Die Vermutung liegt nahe, dass der akute Tod in unmittelbarem Zusammenhang mit der Aufnahme der Kröten steht", heißt es auf der offiziellen Webseite des Dortmunder Zoos. Und auch Biologin Stephanie Zech, die als wissenschaftliche Assistentin die Seebären in Dortmund betreut und für das Europäische Zuchtbuch beobachtet, bestätigt diesen Verdacht: "Erdkröten laufen bei uns im Zoo ja frei herum. Vielleicht hat er mit denen gespielt, sie aus Neugierde probiert und dabei heruntergeschluckt."

Und so muss der Zoo auf seinen Publikumsliebling verzichten, den einzigen in Gefangenschaft lebenden Albino-Seebären der Welt. Als der vor mehr als einem Jahr das Licht der Welt erblickte, war die Überraschung bei Pflegern und Tierärzten groß. "Es war eine schwierige Geburt", erinnert sich Zech. Die ersten zwei Monate verliefen gut für den jungen Seebären, doch dann starb seine Mutter an einer Infektion - "Rubio" blieb allein zurück.

Fischbrei und besondere Zuwendung

"Wir haben ihn mit der Flasche aufgezogen, er hat Fischbrei bekommen", erzählt Zech. Und dank der besonderen Zuwendung wuchs die Halbwaise zu einem Jungtier von 27 Kilogramm heran. Den Besuchern des Zoos fiel das Tier mit dem hellen Fell meist direkt auf. Seine Mitbewohner - acht Seebären und sechs kalifornische Seelöwen - waren da nicht so genau. "Seine Artgenossen akzeptierten ihn anstandslos", sagt Biologin Zech.

In Europa gibt es nicht mehr viele Zoos, die südamerikanische Seebären halten. In Halle und im englischen Bristol können Artgenossen von "Rubio" angeschaut werden.

Südamerikanische Seebären stehen mittlerweile auf der roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN. "Mehr als die Überfischung des Meeres macht den Tieren die Verschmutzung ihres Lebensraumes zu schaffen", sagt Wissenschaftlerin Zech. In freier Wildbahn gibt es noch etwa 400.000 südamerikanische Seebären - mehr als die Hälfte dieser Tiere leben vor der Küste von Uruguay, die anderen vor den Küsten von Peru, Chile und Argentinien.

Seit Samstag fehlt einer im Artenbestand. Rubios Körper wird nun im staatlichen Veterinäramt weiter untersucht, um die Todesursache eindeutig festzustellen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1651270
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/jst/feko
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.