GroßbritannienDen deutschen Döner essen die Briten längst. Jetzt lernen sie auch „der Gerät“ kennen

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Eine Maschine schneidet Fleisch einheitlicher vom Spieß als der Mensch.
Eine Maschine schneidet Fleisch einheitlicher vom Spieß als der Mensch. (Foto: Hartmut Pöstges)

Den Roboter, der Fleisch so einheitlich wie kein Mensch heruntersäbelt, kennen die Fernsehzuschauer dank Stefan Raab seit 2010. Jetzt setzt auch ein britischer Imbissbetreiber die Maschine ein – aus Protest gegen die Steuerpolitik.

Von Martin Wittmann

Der geschlechtslose bestimmte Artikel des Englischen ist ob seiner Einfachheit beliebt bei den deutschen Sprachschülern, und in den Ohren der Briten sind das ja alle. Das simple„the“ verhindert aber manchmal, dass unlustige Germans, und in den Augen der Briten sind das ja alle, ihren eigenwilligen Humor vermitteln können. Jedenfalls dürfte es Engländern kaum verständlich zu machen sein, warum der Ausdruck „der Gerät“ einst zu einem Kalauer avancierte.

„Der Gerät“ wurde als Begriff 2010 durch Stefan Raab populär. Immer wieder zeigte der Fernsehmoderator in seiner Sendung einen Videoschnipsel, der auf einer Döner-Messe in Berlin aufgenommen worden war. Der deutsch-türkische Unternehmer Duran Kabakyer präsentierte da seine Erfindung: einen Automaten, der Fleisch vom Dönerspieß schneidet. Dabei verwendete der gelernte Koch den falschen Artikel, und so was galt damals als ausgesprochen lustig. Das Produkt immerhin kannte man danach. Kabakyer bewies Humor und Geschäftssinn und vermarktete das Gerät als „Der Gerät“.

Mit fünfzehn Jahren Verspätung haben nun auch die Briten das Konzept entdeckt. Genauer gesagt das Unternehmen „German Doner Kebab“, das laut eigener Beschreibung 1989 einen ersten Laden in Berlin eröffnet hat, wo türkische Gastarbeiter die Speise bekanntermaßen längst etabliert hatten. Heute sitzt die internationale Firma im schottischen Glasgow. Im Vereinigten Königreich hat die Kette schon mehr als 140 Filialen, in fünf Jahren sollen es doppelt so viele sein.

Das florierende Unternehmen will jedoch Personalkosten einsparen, mit Verweis auf die britische Labour-Regierung, die den Mindestlohn und Steuern für Arbeitgeber erhöht hat. Deshalb will man die Schneideautomaten zunächst in drei Läden testen. Die Liste der Vorzüge, über die dereinst schon das deutsche Publikum informiert wurde – „der Gerät wird nie müde, der Gerät schläft nie ein“ et cetera –, erweiterte Unternehmenschef Simon Wallis in den vergangenen Tagen in der Sun: Die Maschinen schnitten das Fleisch einheitlicher als die menschlichen Mitarbeiter. Eine Anfrage der SZ, ob es sich bei dem Test-Modell um „Der Gerät“ handelt, beantwortete die Firma nicht.

Sicher ist, dass die Kebabs etwa bei Pub-Besuchern beliebt sind, die spätabends nach ein paar Getränken ein wenig hungrig geworden sind. Zu den Fans zählt auch Spitzenathlet Luke Littler, der seine Darts-Siege gerne mit „Beef and chicken doner wrap“ feiert.

An kritischen Stimmen fehlt es indes nicht, sie sprechen von „einem zweifelhaften Vergnügen“ (Telegraph) oder vom „schlechtesten Restaurant der Welt, und, was eine Überraschung, es ist deutsch“. (Times). Tatsächlich ist es bemerkenswert, dass den Briten das türkische Mahl ausgerechnet als „German Doner Kebab“ begegnet. Schließlich schätzen die Engländer die Küche der Deutschen ebenso wenig wie andersherum. Selbst Wallis sagte dem Branchenblatt Restaurant: „Seien wir ehrlich, Deutschland ist keine Nation, die für ihr Essen bekannt wäre.“ Deswegen bemühe die Firma nun verstärkt die Abkürzung des Namens: GDK. Das klinge ein bisschen cooler.

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