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Diskussion um Winnie Puuh:Die Hosen-Affäre eines Bären

BOYS POOH

Winnie Puuh in einem Geschäft in Tokio. Hier scheint die fehlende Hose nicht zu stören.

(Foto: AP)

Im polnischen Tuszyn soll Winnie Puuh nicht Maskottchen eines Spielplatzes werden. Der Stadtrat findet es offenbar unanständig, dass der halbnackte Bär kein eindeutiges Geschlecht hat. Oder haben die Ressentiments noch einen anderen Grund?

Winnie Puuh singt gerne lustige Lieder und liebt Honig. Gut, er ist ein wenig vergesslich und langsam. Und er trägt, wie viele andere Zeichentrickfiguren auch, keine Hose. Gestört hat das bislang kaum jemanden: Pu der Bär kann sogar einige Denkmäler vorweisen - etwa einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood.

Im polnischen Tuszyn darf Winnie Puuh trotzdem nicht Maskottchen werden. Im dortigen Stadtrat fanden es einige Mitglieder offenbar ziemlich unanständig, dass der gelbe Bär zwar ein rotes Shirt, aber sonst nichts trägt. Zumal ihm nicht nur angemessene Kleidung, sondern auch ein eindeutiges Geschlecht fehle.

Das zumindest sollen die Politiker bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen gesagt haben, berichten zahlreiche Medien. Es ging um den Vorschlag, einen Spielplatz nach dem Bären zu benennen. Das Treffen fand bereits vor einigen Wochen statt, doch erst jetzt sind Auszüge daraus bekannt geworden. Nun berichten Medien in Australien, Kroatien und den USA über die Anti-Puh-Ressentiments in Tuszyn.

Einer der Politiker soll Winnie Puuh bei dem Treffen sogar als "Zwitter" bezeichnet haben. Eine Stadträtin attackierte einem Bericht zufolge in der Sitzung nicht nur den Bären selbst, sondern auch seinen Erfinder, den englischen Schriftsteller Alan Alexander Milne - der sei "verstörend".

Vorbild für Winnie Puuh und seine Freunde sollen die Lieblingskuscheltiere seines Sohns gewesen sein. Dennoch redet sich noch ein weiterer Stadtrat in Rage: Der halbnackte Bär sei absolut unangemessen für Kinder. Der komplett angezogene Zeichentrick-Bär Uszatek sei sicherlich der bessere Namensgeber. Die Vermutung liegt nahe, dass dessen Hose nicht der wahre Grund für den Zuspruch ist - sondern schlicht der Fakt, dass er aus Polen kommt.

Eben dieser Politiker erklärte inzwischen, er habe am Ende der ziemlich langen Diskussion über den Spielplatznamen nur einen Witz machen wollen. Vielleicht sollte man einfach froh sein, dass nur über Winnie Puuh diskutiert wurde und nicht auch noch über seine Zeichentrickfreunde Esel "I-Aah" oder Tiger "Tigger". Denen fehlen nämlich nicht nur die Hosen, sondern auch die Shirts.

© SZ.de/afis/olkl

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