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Prozess in Missoula:Freund nennt "Garage Hopping" Mutprobe

  • Nach Aussage seines Freundes Robby P. ist der erschossene deutsche Austauschschüler Diren D. schon früher in eine fremde Garage eingedrungen.
  • Das Betreten einer fremden Garage sei eine Mutprobe gewesen.
  • Die Verteidigung des Angeklagten, Markus Kaarma, bewertet Direns Aktion als Einbruch.

Freund Robby P.: Diren wollte beweisen, wie mutig er ist

Der in Montana erschossene deutsche Austauschschüler Diren D. ist nach Angaben seines besten Freundes schon früher in eine fremde Garage gegangen. Es sei eine Mutprobe gewesen, sagte Robby P. aus Ecuador im Prozess gegen den Todesschützen Markus Kaarma vor dem Bezirksgericht in Missoula. Er hatte den 17-jährigen Diren mit einem Schuss aus einer Schrotflinte getötet, als dieser sich am 27. April 2014 kurz nach Mitternacht unberechtigt in Kaarmas Garage aufhielt.

Das letzte, worüber Diren D. sprach, bevor er erschossen wurde, waren Berglöwen, berichtete Robby P. In der Nacht zum 27. April, kurz bevor Diren D. von Kaarma mit einer Schrotflinte erschossen wurde, gingen die beiden Jugendlichen nach Angaben von P. spazieren und rauchten Mini-Zigarren mit Fruchtgeschmack.

Robby und Diren waren im August 2013 nach Missoula gekommen; ein Jahr lang sollten sie dort die Highschool besuchen. "Wir haben viel Zeit miteinander verbracht", sagte Robby, fast jedes Wochenende habe er im Haus von Direns Gasteltern übernachtet. "Er war mein bester Freund."

An jenem Samstag hätten sie lange geschlafen, sagte Robby. "Am Abend sollte irgendwo ein Lagerfeuer gemacht werden, aber das wurde dann abgesagt wegen des Wetters." Kurz vor Mitternacht habe Diren noch einen Spaziergang machen wollen. Unterwegs habe er eine Katze auf den Arm genommen und sie gestreichelt. "Dann hat er mir erzählt, dass es in der Gegend Berglöwen gibt. Ich sagte, ich würde mir in die Hosen machen vor Angst, wenn ich einem begegne."

"Es war so eine Art Spiel"

Dann seien sie an dem Haus vorbeigekommen, in dem Markus Kaarma wohnte. "Die Garagentür war offen", sagte Robby. Diren sei auf die Garage zugegangen. "Ich sagte: 'Wo gehst du hin', aber er gab keine Antwort." Er sei ein paar Meter weiter gegangen. Dann habe er jemanden rufen hören, eine wütende männliche Stimme. Dann fiel der erste Schuss. "Ich bin davongelaufen. Ich hatte schreckliche Angst", sagte Robby. Er sei bis zum Ende der Sackgasse und dann querfeldein zurück zum Haus der Gasteltern gelaufen.

Er habe gewusst, dass Mitschüler manchmal nachts in offenen Garagen nach alkoholischen Getränken gesucht hätten, sagte Robby. Man habe nicht darüber geredet. Diren habe ein paar Mal mitgemacht. "Er wollte nichts Schlechtes tun", sagte Robby. "Es war so eine Art Spiel, um den anderen zu zeigen, dass er keine Angst hat. Wir waren doch keine Kriminellen." Niemand hätte ihnen gesagt, dass man dafür erschossen werden könne. "In anderen Ländern würde so etwas nicht passieren."

Zwei Nachbarinnen Kaarmas berichteten, dass Janelle P., die Lebensgefährtin Kaarmas, angekündigt habe, sie wolle die Leute, die zehn Tage vor den tödlichen Schüssen Gegenstände aus Kaarmas Garage gestohlen hatten, "ködern", um sie zu erwischen. "Sie erzählte, dass sie Bewegungsmelder aufstellen würde, die automatisch eine Videokamera in Betrieb setzen", sagte eine Frau, die auf der anderen Straßenseite wohnt. "Ich fragte, ob sie wirklich glaube, dass die Diebe zurückkämen, und sie sagte: 'Ja, die kommen zurück, weil ich sie anlocken werde'." Das habe sie für eine ziemlich beängstigende Aussage gehalten, sagte die Nachbarin.

Die Verteidigung versucht, Diren als Einbrecher darzustellen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Hausbesitzer vor, den 17-jährigen Diren vorsätzlich erschossen zu haben, nach Angaben der Gerichtsmediziner starb Diren D. durch einen Kopfschuss. Die Verteidigung argumentiert dagegen, der Angeklagte Kaarma habe seine Familie vor einem Einbrecherring schützen wollen. Diren sei ein Krimineller, der in die Garage eingebrochen sei.

In Montana und vielen anderen US-Bundesstaaten dürfen Hausbesitzer tödliche Gewalt anwenden, sofern nachvollziehbar ist, dass sie um ihr Leben fürchteten. In Montana war über das Notwehrrecht zuletzt heftig debattiert worden.

© SZ.de/AFP/fie
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