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Diren-Prozess:Anwalt des Todesschützen will neues Verfahren

  • Einen Monat nach dem Schuldspruch im Fall Diren verlangen die Anwälte des Verurteilten einen neuen Prozess.
  • Markus Kaarma habe keine Chance gehabt. Die Berichterstattung habe die Geschworenen beeinflusst.
  • Kaarma hatte den Austauschschüler im April erschossen, als dieser in seine Garage eingedrungen war. Das Strafmaß soll im Februar verkündet werden.

Neue Wendung im Prozess gegen den Todesschützen des Hamburger Austauschschülers Diren im US-Staat Montana: Einen Monat nach dem Schuldspruch verlangen die Anwälte des Verurteilten einen neuen Prozess. Sie betonten, ihr Mandant habe keine echte Chance auf einen fairen Prozess gehabt. Eine massive Berichterstattung der Medien habe die Geschworenen beeinflusst.

Ähnliche Vorwürfe hatten die Anwälte allerdings bereits vor dem Prozess erhoben und deshalb eine Verlegung in eine andere Stadt verlangt - was der Richter ablehnte. Der 30-jährige Angeklagte Markus Kaarma war kurz vor Weihnachten wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen worden.

Strafmaß soll im Februar verkündet werden

Markus Kaarma hatte Diren im April erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Das Strafmaß soll am 11. Februar verkündet werden. Die Mindeststrafe beträgt zehn, die Höchststrafe 100 Jahre.

Die zwölf Geschworenen waren der Anklage gefolgt, die Kaarma vorwarf, Diren in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet zu haben. Die Staatsanwältin hatte vor Gericht geschildert, wie der Angeklagte in einem Friseursalon angekündigt hatte, er werde die Jugendlichen, die Gegenstände aus seiner Garage gestohlen hatten, umbringen. "Er sagte, er habe seit drei Nächten auf der Lauer gelegen. Er sagte, er wolle die verdammten Kids töten."

Dagegen hatte die Verteidigung auf Notwehr plädiert. Kaarma habe nach zwei vorherigen Einbrüchen Angst gehabt. Der Fall machte in Deutschland Schlagzeilen, in den USA fand er landesweit kaum Beachtung.

© SZ.de/dpa/afis
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