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Die Museen des Reinhold Messner:Erkundungsreise durch sechs Museen

Also auf zu all seinen sechs Museen, zu einer Erkundungsreise des Messnerismus. Es ist eine Tour de Force, die durch ganz Südtirol führt und bis ins Veneto reicht. Unzählige Serpentinen, viele, viele Höhenmeter und einige Gipfel liegen dazwischen.

Zuerst das Schloss Juval. Es fußt auf Messners Expeditionskeller. Der Schlitten, mit dem er das Eis durchquert hat, seine Steigeisen und Eispickel: alles hier, im Felsenkeller. Von der Decke hängen Seile wie bunte Lianen im Urwald. Seine Abenteuer füllen den Raum randvoll aus, da braucht es gar keine Sockel und Vitrinen. Hier manifestiert sich ein Titan der Bergwelt.

Leben im vertikalen Dauermarathon

200 Kilometer von Messners Sommersitz entfernt, auf dem Gipfel des Monte Rite auf 2181 Metern Höhe, wo es selbst im August empfindlich kühl ist, hat er ein altes Fort in ein karges, schönes Museum umgebaut. Wer hier hoch will, muss zwei Stunden stramm gehen oder sich in Minibussen scharf am Abgrund hochchauffieren lassen. Durch den 80 Meter langen weißen Gang der historischen Kriegsfestung dröhnt Mozarts Requiem. Der Mittelraum zeigt "Die großen Wände des Reinhold Messners". Ein DIN-A4-Blatt listet alle Touren, Expeditionen und Museen von "R.M." auf. Nur weil die Schriftgröße so winzig ist, passt das alles aufs Papier. Ein Leben im Dauermarathon, vertikal die Wand hoch.

Extrembergsteiger

Die sechs Museen des Reinhold Messner

In Sulden dann, diesmal nur auf 1900 Metern, dafür am Fuße des Ortlers, wo die Berggipfel mythisch durch die Wolken brechen, imitiert Messners kleiner Museumsbau eine eisige Gletscherspalte. Das Herzstück hier: ein Vorführungsraum, der aktuell einen Film zu seiner Grönlandexpedition zeigt. Gleich daneben dreht sich, hinter Betonstäben wie in einem Käfig, ein ausgestopfter Bär, der Yeti. Das Tier hat Messner viel Spott eingebracht. "Exklusivinterview mit dem Yeti über den sagenhaften Messner" schrieb die FAZ 1987. Nun haben Genetiker Messners Vermutung, dass es sich bei dem Yeti um ein Hybrid aus Braunbär und Eisbär handelt, recht gegeben. Er war der Erste, der sie hatte. Es muss ihm wichtig sein, so oft, wie er Sätze mit "Ich war der Erste" beginnt.

In Schloss Sigmundskron, dem mit Abstand größten Museum in Sichtweite von Bozen, hängen im zentralen Ausstellungsraum all seine Achttausender in Öl. Es sind mächtige Gemälde von gigantischen Bergen, gerne zwei Meter breit. Spätestens hier fragt man sich: Was macht das mit einem, wenn einen die eigenen Heldentaten ständig umgeben? In Farbe, gedruckt auf Papier, unter Glas oder in Form einer dieser unzähligen Pseudoreliquien, die überall in leuchtenden Signaltönen aufgebaut sind: das Zelt, in dem er schlief; den Schlitten, den er zog; den Schneeanzug, den er auf dem Mount Everest trug.

Die Besucher lieben es

Was soll von Ihnen bleiben, Herr Messner? "Nichts", kontert er souverän. Und dann, ein paar Sätze später, doch: "Das Ganze soll überleben, das ist ja klar." Seine Museen sind sein Vermächtnis. Stärker noch als seine Bücher erzählen sie seine Geschichten, in 3D. Da passt es, dass er sich in Zukunft mit Film beschäftigen will.

Die Ausstellungen machen aber auch ein Koordinatensystem sichtbar, das sich Messner in all den Jahren zugelegt hat. Mit Milarepa, einem tibetischen Yogi und Asketen, "der mit der Besteigung des heiligen Berges Kailash ohne Hilfsmittel die Überlegenheit seiner Lebenshaltung bewies", ein Art tibetischer Vorgänger also. Dem Bergsteiger Paul Preuß, dem "Philosophen des Freikletterns". Und dann natürlich ihm selbst. Wie in seinen Büchern und Bildbänden liest man auf den Museumswänden fortwährend Messner Zitate. "Ich wollte einmal hoch hinaufsteigen, um tief in mich hinab zu blicken."

Die Besucher scheinen die Museen zu lieben, hymnisch verewigen sie sich in den Besucherbüchern. Die Einheimischen sehen die Sache oft deutlich kritischer.

Die fünf Häuser zeigen aber auch, wie sehr Messner Südtiroler ist, wie stark er geprägt ist von diesem Flecken Erde. Ausgerechnet er, der so oft mit Donnergottmentalität seine Heimat kritisiert hat. Selbst auswandern wollte er mal. Doch egal wie viel Heiligenfiguren er in die Nischen stellt und Gebetsfahnen um die Zinnen wehen lässt: Burgen gehören zu Südtirol wie die Dolomiten. Deren harte Struktur greift Messner in der Architektur seiner Häuser wieder auf. Da gibt es kein Zuviel, in Monte Rite nicht mal eine Heizung. Schroffe Bergsachlichkeit könnte man das nennen. Oder Konzentration auf das Nötigste.

Im Skizirkus fehl am Platz?

Ist es Zufall, dass das Museum in Bruneck sein schönstes ist? Hier erzählt er die Geschichte der Bergvölker, die er auf all seinen Reisen traf. Zeigt ihr Wesen, ihre Traditionen, ihre große Naturverbundenheit.

Doch auch seine Touren, die er in Dutzenden Büchern und auf Vorträgen vermarktet hat, haben den Run auf die Berge befeuert. Das, was er am meisten kritisiert, den Ausverkauf der Bergwelt, in gewisser Weise hat auch er ihn betrieben. "Ich lass' mir von niemanden vorwerfen, dass ich etwas erfunden habe. Ich hab immer genau das Gegenteil gemacht, auf dem Berg, in meinen Büchern, jetzt in meinen Museen. Ich bin der Einzige, der allein auf den Everest gestiegen ist." Da ist sie wieder, seine Verteidigungshaltung, die mehr ein Angriff ist. Sie ist für ihn Motor und Kompass in einem. Sein ganzes Leben lang hat er sie trainiert. Jetzt ist sie so ausgeprägt, dass er damit augenblicklich Kritik parieren kann.

Auf dem Kronplatz will er den "großen Unterschied zwischen Skifahren und Alpinismus" erzählen. Aber will man das dort oben wirklich hören? Mitten im Herzen des Skizirkus, in einem Gebäude, das überall stehen könnte, so wie dort am glatten Beton jede Ortsfärbung abperlt.

Sogar einer wie Messner könnte daran abrutschen.