Die Museen des Reinhold Messner Über allen Gipfeln ist Ruhm

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner steht auf dem Zugspitzplatt in Bayern (Archivfoto vom 6. September 2005).

(Foto: dpa)

Der Einzelgänger Reinhold Messner arbeitet schon lange an seiner Legende. Fünf Museen hat er bereits, nun eröffnet er in Südtirol sein bisher spektakulärstes Haus: Zu Besuch bei einem monumentalen Bergmenschen.

Von Laura Weißmüller, Südtirol

Die Kassen an der Talstation Reischach, vor denen sich sonst Skifahrer und Snowboarder mit ihrer bunten Ausrüstung drängen: geschlossen. Die Lokale, auch die Pizzeria, in deren Fenster große Fotos von einer kräftig schwitzenden Menge beim Après-Ski hängen: verriegelt. Wer nach oben blickt, sieht nur Pisten. Leuchtend grün heben sie sich vom Dunkel der Baumkronen ab; wie Autobahnen fräsen sie sich ihren Weg zum Gipfel. Im Sommer sieht ein Winterzirkus ziemlich traurig aus.

"Wer die Natur sucht, der geht nicht hierher", sagt Andrea del Frari, Direktor des Verbunds Skirama Kronplatz, eines der größten Skigebiete der Dolomiten. Auf knapp 2300 Metern ist zu sehen, was die Wintertouristen zurückgelassen haben - drei Seilbahnstationen, die statt 5000 Skifahrern in der Stunde nun ein paar Familien mit kleinen Kindern und Senioren in Wanderstiefeln transportieren. Für die Sommergäste gibt es ein spezielles Angebot. Bisher sind das eine Big-Ben-große Eisenglocke und ein Indianerdorf, das aus exakt drei Tipis und drei Zwergziegen besteht.

"Genau nicht meine Welt"

Die neueste Attraktion dürfte das spielend übertreffen. Mit federndem Schritt steuert del Frari auf die Baustelle zu, die gleich hinter dem Indianerdorf liegt und gerade von zwei gelben Baggern umkreist wird. Hier entsteht das Messner Mountain Corones, ein Museum für Reinhold Messner, den bekanntesten Bergsteiger der Welt, entworfen von Zaha Hadid, der bekanntesten Architektin der Welt. Mehr Superlativ geht nicht.

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"Der Kronplatz ist genau nicht meine Welt", sagt Reinhold Messner einen Tag später. Wie auch? Er hat sich stets als Solokämpfer inszeniert. Ob bei seinen Extremtouren, in seinen Büchern oder Vorträgen, seit einigen Jahren nun auch in seinen eigenen Museen. Genau das hat ihn zu einem Bergsteigerhelden gemacht, den es so nicht mehr gibt. Typ Abenteurer unterwegs zu den weißen Flecken der Erde. Auf Postern und Autogrammkarten lässt Messner sich gerne wie ein Dolomitenbergmassiv aufnehmen. Von unten fotografiert, kantig schroff, fest mit dem Boden verwurzelt. Nix irrlichternder Globalismus. Reinste Südtiroler Erdverbundenheit. Hat er jetzt die Haftung verloren? Der Kronplatz ist so etwas wie das Paradebeispiel für die Eventisierung der Berge.

Unnötige Rundungen

Auf dem Gipfelplateau selbst ist von dem Museum erst einmal kaum etwas zu sehen. Der Bau gräbt sich tief in den Berg hinein, nur der Eingang bleibt sichtbar. Trotzdem ist hier nichts zurückhaltend. Was auf der Computerzeichnung noch so ausgesehen hatte, als würde ein gezackter Bumerang die Bergspitze skalpieren, wirkt jetzt im Inneren wie eine unterirdische Rodelbahn, die mit rasend schneller Geschwindigkeit durch den Stein kurvt. Keine Wand ist hier gerade, jeder Treppenlauf zieht eine Schlaufe. Die Architektur beschleunigt den Blick, sodass der im dritten Untergeschoss über drei Stollen in jeweils eine andere Richtung nach draußen katapultiert wird. Ein Museum wie eine Sprungschanze fürs Auge - mitten hinein in Reinhold Messners Leben: Hinter dem Peitlerkofel ist er geboren. Am Heiligkreuzkofel hat er seine schwierigste Dolomitentour geklettert. Der Ortler ist der höchste Berg Südtirols, auch dort steht eines von seinen Museen. "Ich hätte all die Rundungen nicht gebraucht", sagt der Initiator zu den schwungvollen Kurven.

Ein Besuch in seinem Anwesen, dem Schloss Juval, gut 120 Kilometer von Reischach entfernt. Das Schloss trohnt wie eine Räuberburg hoch überm Tal, auf rot zerklüfteten Felsen. Tibetische Gebetsfahnen flattern im Wind. Wer zu ihm will, muss mit dem Auto absurd steile Serpentinen zurücklegen und zwei Burg-Innenhöfe durchqueren, bis der ehemalige Extrembergsteiger einen freundlich an der Holztür empfängt. Drahtig klein, mit festem Händedruck, schwarzer Hose, schwarzem Hemd, nur seine Filzpantoffeln sind grau.

Der Hausherr bittet in die Bibliothek, gemeinsam steigt man stumm das weiße Treppenhaus empor, durchquert einen großen Speisesaal und betritt einen holzvertäfelten Raum. Alpinliteratur bis zur Decke, mehrere Regalmeter hat Reinhold Messner davon selbst verfasst. Er sieht, während er auf einem durchsichtigen Plexiglassessel südtirolgebräunt und mehr schwarz als grau gelockt Platz nimmt, deutlich jünger aus als die 70 Jahre, die er am 17. September wird. Genau an diesem Tag sollte auch sein Museum auf dem Kronplatz eröffnen. Die neue Hauptattraktion im Zirkus.