Die Bruno-Affäre:Nur ein toter Bär ist ein deutscher Bär

Erst wurde JJ1 begrüßt, dann als Problembär verwünscht, schließlich als Risikobär erschossen. Und als toter Bär darf ... nein, muss er in Bayern bleiben. Auch wenn Italien die Herausgabe des Kadavers fordert. Wer in Bayern erschossen wird, ist ein Bayer. Zumindest als Bär.

Markus C. Schulte v. Drach

Landes-Umweltminister Werner Schnappauf hat sich im Münchner Landtag doch sehr über das Ansinnen seines italienischen Amtskollegen Alfonso Pecoraro gewundert. Der will das tote Tier in die Heimat zurückholen.

Bruno - kurz vor seinem Tod

Bruno - kurz vor seinem Tod. Noch als Italiener?

(Foto: Foto: ddp)

Absurd. Schließlich hatten die Italiener die Rückkehr des lebendigen Bruno nicht gewünscht. Die Arbeit haben schließlich auch die Deutschen erledigt (Abschuss). Deshalb wollen wir auch die Trophäe behalten.

Die Heimat des via Österreich nach Deutschland eingewanderten Tieres ist allerdings das italienische Trient. Bruno alias JJ1 ist also eindeutig gebürtiger Italiener.

Anders als im Falle ihrer humanen Mit-Italiener reicht es für Bären demnach, die Grenze zu überschreiten und sich gegebenenfalls erschießen zu lassen, um eingebürgert zu werden.

Der Ort des Todes ist entscheidend

Einen feinen Unterschied machen die Bayern bezüglich Tod, Geburt und Nationen-Zugehörigkeit. Wer, so heißt es im Umweltministerium, in freier Wildbahn geboren wird, gehört niemanden.

Wer aber in freier Wildbahn erschossen wird, gehört durchaus jemandem. Im Falle Brunos ist das nach Einschätzung der Bayern der Freistaat, da der tödliche Schuss auf bayerischem Boden gefallen ist.

Und wenn der Bär in eine Falle des österreichischen WWF gegangen wäre? Wäre er dann Österreicher geworden? Wenn die Finnen ihn gestellt hätten, hätten sie Bruno zum Skandinavier erklärt?

Was mit dem Kadaver von JJ1 nun geschieht, ist noch nicht ganz klar. Sein Fell wird präpariert - doch ob und wo es zu sehen sein wird, ist noch nicht entschieden.

Weitere Bären unerwünscht

Trotz der Sympathie übrigens, die viele Deutsche Bruno entgegen gebracht haben - weitere Bären sind einer Umfrage des Emnid-Instituts für die Deutsche Wildtier Stiftung bei den meisten Deutschen nicht erwünscht.

Und nach der Bruno-Affäre sogar noch weniger als vor zwei Jahren. Nur 41 Prozent gestehen den großen Raubtieren das Recht zu, sich in den Alpen wieder dauerhaft niederzulassen. 2004 waren es immerhin noch 49 Prozent.

Gerade die Bayern, die vom toten Bruno nicht mehr lassen wollen, ist die Bereitschaft, Braunbären in der Nachbarschaft zu dulden von 52 auf 27 Prozent gesunken.

Dabei ist der am häufigsten angegebene Grund für die Skepsis Angst vor den Tieren. Aber getötet, so meinen immerhin 45 Prozent, sollten die Tiere auf keinen Fall - selbst wenn von ihnen eine Gefahr für Menschen ausgeht!

Bei der Stiftung wird dies als Hinweis auf eine "Vermenschlichung" von Bruno durch die Medien zurück. Überhaupt herrsche insbesondere in den Städten offenbar eine verzerrte, naturromantische Sichtweise.

Trotz des Widerstands der Bevölkerung gegen eine Integration der Wildtiere sollte sich Deutschland nach Einschätzung der Stiftung auf eine Wiederholung der Bruno-Affäre einstellen.

Und eigentlich dürfte das auch kein Problem sein. Denn warum sollte in Deutschland nicht gelingen, was in Österreich seit Jahren gut funktioniert?

Auf jeden Fall bleibt zu hoffen, dass es für Bären in Zukunft einen leichteren Weg geben wird, die bayerische Freistaat-Zugehörigkeit zu erlangen, als durch eine Kugel.

© sueddeutsche.de
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