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Italien:Heiliges Schnäppchen

Marienstatuen in einem Münchner Devotionalien-Geschäft.Inhaber Michael Brunner. Foto:Catherina Hess

(Foto: Catherina Hess)
  • Stilblüten der Globalisierung: Viele der in Italien verkauften Devotionalien wie Kruzifixe und Marienbilder werden nicht mehr vor Ort, sondern in Fernost produziert.
  • Zum Teil haben die überwiegend in China produzierten Waren Makel.
  • Allmählich teilt sich der Markt auf. Die italienischen Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf das Hochpreis-Segment.

Um die fromme Andacht, und das hört sich nun gleich sehr ungewohnt an, tobt ein kleiner Krieg. Ein Krämerkrieg. Es stehen sich Hersteller aus Italien und China gegenüber. Bald kommen indische und pakistanische Wettbewerber dazu. Manche haben sich schon mal für die "Devotio" angemeldet, die Fachmesse für Devotionalien, die im kommenden Februar wieder in Bologna stattfindet. Und da es sich hier um Objekte der katholischen Frömmigkeitsförderung handelt, um Rosenkränze also, um Kruzifixe, Marienbilder, Statuen, Figürchen und Medaillen von Heiligen, ist das Mittun dieser großen Länder mit ihren kleinen, nicht überall gleich gern gelittenen Kirchengemeinden doch einigermaßen speziell.

Die Globalisierung - sie treibt eben auch viele merkwürdige Blüten. Manchmal fehlt es den Fabrikanten etwas an der nötigen Kultur. Die Zeitung La Repubblica schreibt, ein italienischer Großhändler, der seine Ware aus China importiert, habe jüngst Weihnachtskrippen mit erstaunlicher Besetzung erhalten: Anstelle des Esels lagen Hündchen in den Packungen. Ein törichtes Versehen natürlich, doch wer mag den ersten Stein werfen?

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Früher herrschten kleine italienische Familienbetriebe über das Geschäft mit der Andacht in Rom, in Assisi, in San Giovanni Rotondo, an allen Pilger- und Wallfahrtsstätten. Sie belieferten die Boutiquen und die urtisti. So nannte man Verkäufer, die mit ihren hölzernen Bauchläden voller Päpste und seliger Souvenirs die Kundschaft auch körperlich bedrängten - das Wort kommt vom Verb "urtare": aufprallen, etwas stoßen. Rund um den Petersplatz waren fast alle dieser Straßenhändler bis vor Kurzem Juden, was nur Nichtrömer überraschte: Der Vatikan, der die römischen Juden weiß Gott nicht immer gut behandelte, reservierte die meisten Verkaufslizenzen für sie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Italiener rühmten sich immer, dass sie die schönsten, wertvollsten Devotionalien herstellen. In Südtirol gibt es Fabriken, in den Marken, in der Toskana. Sie waren lange Zeit konkurrenzlos. Doch dann kam das Jubiläumsjahr 2000, der runde Geburtstag der Kirche, und der wirkte wie ein phänomenaler Geschäftstreiber. Nicht dass die Menschen seitdem öfter in die Kirche gehen würden, eher im Gegenteil. Doch die Andacht und ihr Sortiment an Accessoires hob regelrecht ab und flaute nie mehr ab. China flutete den Markt bald mit billigster Ware. Es gab nun Rosenkränze für einen und Kruzifixe für zwei oder drei Euro.

Doch auch der italienische Sektor wuchs, und zwar im oberen Preissegment, man könnte sagen: in der Luxusabteilung, wo die Andacht ja eigentlich nicht hingehört. Rosenkränze mit Glitzersteinen können hundert Euro kosten, solche aus Gold mehrere Tausend. Statuen werden schnell sehr teuer, wenn sie mit Marmor aus Carrara gefertigt sind. An Neapels Via San Gregorio Armeno, der Gasse der Krippenbauer, stellen sie in diesen Tagen die neuen Figürchen vor. Wie jedes Jahr sind da welche dabei, die nicht wirklich in eine Krippe gehören: Fußballer, Schauspieler, Politiker. Am besten läuft offenbar die Figur von Matteo Salvini, dem rechten Innenminister des Landes. Da wünscht man sich die Hündchen der Chinesen zurück.

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