Sattgrün, trittfest, dicht und stoppelkurz geschoren: Der englische Rasen gilt als Idealvorstellung einer gepflegten Wiese. Um so einen pflanzlichen Teppichboden perfekt hinzubekommen, braucht es sehr viel Pflege. Wer eine golfplatzartige Grünfläche haben will, muss regelmäßig bewässern, düngen, vertikutieren, Unkraut rupfen, Rasenkanten abstechen und oft mähen – „mindestens zwei- bis dreimal pro Woche“, wie die Website rasendoktor.de empfiehlt. Das Ziel: „Nach 2000 Jahren Pflege wird der Rasen recht annehmbar sein“, wie schon ein englischer Hobbygärtner in „Asterix bei den Briten“ hoffte.
„Der englische Rasen gehört endlich abgeschafft“, fordert dagegen die Umweltschutzorganisation Nabu. Sie schließt sich einer Initiative an, die überraschenderweise aus England stammt, wo der akkurat gestutzte Rasen kultisch verehrt wird. Die dortige Naturschutzorganisation Plantlife hat vor einigen Jahren die Kampagne „No Mow May“ initiiert: Durch einen einmonatigen Verzicht auf Rasenmähen soll die Biodiversität gefördert werden, außerdem sollen Insekten ausreichend Nektar finden. Die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft und Naturschutzorganisationen wie der Nabu machen auch in Deutschland Werbung für den Nichtmähmonat – eine Graswurzelbewegung mit wachsendem Erfolg.
Der erste mechanische Rasenmäher wurde 1830 in England von dem Ingenieur Edwin Beard Budding erfunden, als ideal für den englischen Rasen gelten Spindelmäher. Heutzutage sind in Privatgärten immer mehr Rasenroboter unterwegs. Das ist bequem, aber für die Natur sind die selbstfahrenden Rasierer kein Fortschritt. Insekten brauchen gerade im Frühjahr blühende Beikräuter wie Gundermann, Löwenzahn und Wiesenschaumkraut. Wer den Rasenmäher im Schuppen lässt und den Roboter beurlaubt, leistet einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz. Je mehr Insekten es im Garten gibt, desto mehr Pflanzen können bestäubt werden und desto mehr Nahrung finden Gartenvögel.
Kompromiss: Einen Teil des Rasens mähen und „Inseln“ stehen lassen
Für die Pflege eines englischen Rasens braucht es auch Unmengen Wasser. In Zeiten lang anhaltender Trockenheit sei dies nicht mehr zu verantworten, argumentiert der Nabu. Ein dichterer Bewuchs schafft ein kühleres Mikroklima im Boden und schützt diesen vor dem Austrocknen. Dennoch verpassen nach wie vor viele Hobbygärtner ihrem Rasen eine Stoppelfrisur. Das Ergebnis: eine gelbe Steppe statt eines grünen Teppichs. Wer sich dem Prinzip „Lazy Gardening“ verschreibt und der Natur ihren Lauf lässt, hat weniger Stress. Um Kindern Platz zum Spielen zu lassen, kann man auch einen Teil mähen und Inseln stehen lassen, auf denen sich Gänseblümchen, Hahnenfuß und Klee ausbreiten dürfen.
Selbst Gartengeräte-Hersteller wie Stihl werben für den mähfreien Mai, natürlich ohne Roboter und Spindelmäher zu verteufeln. „Richtungsweisend für mehr Biodiversität in Ihrem Garten ist nicht nur die Mähmethode, sondern vor allem die Gartenplanung und -gestaltung“, teilt Stihl mit und verweist auf eine Studie der Universität Hohenheim, bei der getestet wurde, ob Mähroboter die Artenvielfalt reduzieren. Ergebnis: Wenn Blühstreifen und Inseln mit Kräutern, Wildblumen und langen Gräsern eingeplant werden, schränken Roboter die Artenvielfalt nicht stärker ein als ein gewöhnlicher Rasenmäher.

