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Deutsche Bahn:Bahn rüstet Sicherheitskräfte mit Körperkameras aus

Bahn will mit Körperkameras Sicherheit erhöhen

Sie sollen helfen, Gewalt an öffentlichen Plätzen zu vermeiden: Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn mit den neuen Mini-Kameras an einem Bahnsteig im Berliner Bahnhof Alexanderplatz.

(Foto: dpa)

Das Unternehmen reagiert auf eine Zunahme gewalttätiger Vorfälle gegen sein Personal. Kritiker fürchten einseitige Aufnahmen.

Von Sophie Burfeind, Berlin

Für die Bahn zu arbeiten, ist gefährlich geworden. Freitag- oder Samstagabend am Bahnhof: Die Gleise sind voll, die Stimmung aufgeladen, die Züge voller feierwütiger, oft betrunkener junger Menschen. Vor allem an den Wochenenden häufen sich Vorfälle, bei denen meist junge Männer Sicherheitsleute bespucken, treten oder anrempeln. Dieser wachsenden Gewalt will die Bahn jetzt entgegentreten. Ihre Sicherheitskräfte sollen mit Körperkameras ausgestattet werden.

"Die Gesellschaft wird leider roher"

"Die Gesellschaft wird leider roher. Der Respekt vor anderen Menschen hat abgenommen, auch der Respekt vor Uniformen", sagt Hans-Hilmar Rischke, Sicherheitschef der Deutschen Bahn. Allein im ersten Halbjahr 2016 seien bundesweit 950 Mitarbeiter angegriffen worden, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Da sich nicht nur die Kunden auf den Bahnhöfen sicher fühlen sollen, sondern auch die Mitarbeiter, wird nun ein Jahr lang der Einsatz von Bodycams getestet. Vorerst nur in Berlin: am Alexanderplatz, am Ostbahnhof und am Zoologischen Garten - an den "Brennpunkten", sagt Rischke.

Angst vor unbemerkten Aufnahmen müssen die Fahrgäste nicht haben. Nicht nur, weil die Sicherheitsleute nicht zu übersehen sind - auf ihrem Rücken klebt ein großes Schild mit der Aufschrift "Videoüberwachung". Die schwarze Kamera ist gut sichtbar an der Weste befestigt. Einschalten dürfen die Bahn-Mitarbeiter die Kameras außerdem nur in Konfliktsituationen - und sie müssen es ankündigen. Besonders gut geeignet seien die Bodycam-Modelle, die die Bahn ausgewählt hat, sagt Rischke, weil der Angreifer sein Bild auf dem Display der Kamera sieht, während die Aufnahme läuft. Er müsste sich also selbst beim Spucken oder Prügeln zugucken.

"Sehr beruhigende" Wirkung auf Fußballfans

Meist schrecke aber schon allein die Kamera davor ab, einen Beamten anzugreifen, sagt Thomas Striethörster, Präsident der Bundespolizei in Berlin. Die Bundespolizei testet den Einsatz von Körperkameras schon länger, seit Februar an drei Bahnhöfen in Berlin. Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. "Unsere bisherigen Erfahrungen damit sind absolut positiv. Wir haben keinen einzigen Angriff auf einen Beamten mit einer Körperkamera gehabt", sagt Striethörster. Auf Fußballfans hätten die Kameras eine "sehr beruhigende" Wirkung.

Bahn und Bundespolizei sind nicht die ersten, die die Körperkameras einführen wollen - einige Bundesländer haben sie schon für ihre Polizisten angeschafft. Von Datenschützer wird der Einsatz immer wieder kritisiert: Die rechtlichen Vorgaben seien nicht geklärt. Außerdem halten sie die Aufnahmen für einseitig, weil man das Verhalten des Kameraträgers darauf nicht sehen kann. Bahn-Sicherheitschef Rischke betont, dass es strenge Vorgaben für den Umgang mit den Daten gebe: Das aufgenommene Videomaterial werde nur von den Polizeibehörden ausgewertet, unbrauchbare Aufnahmen würden sofort gelöscht. Ton werde grundsätzlich nicht aufgenommen.

Bei der Bahn will man nun erst einmal abwarten, welche Erfahrungen die Beamten mit den Bodycams in Berlin machen - und sie dann möglicherweise noch an weiteren Bahnhöfen und auch in Zügen einsetzen.

© SZ.de/tamo

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