Dessau Neues Gutachten im Fall Oury Jalloh - Beteiligung Dritter wahrscheinlich

  • Der Asylbewerber Oury Jalloh ist vor fast zehn Jahren in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Wie es dazu kam, wurde nie geklärt.
  • Ein neues Gutachten bestätigt jetzt den Verdacht, dass Dritte beteiligt gewesen sein könnten.
Von Constanze von Bullion, Berlin

Von zehn Jahren ist der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt, an Händen und Füßen gefesselt und auf einer Matratze, die als feuerfest galt. Ein Polizist, der den Feueralarm leise drehte, wurde 2012 zu einer Geldstrafe verurteilt, doch wie es zu dem Brand kam, wurde nie geklärt. Der Flüchtling wurde ermordet, glauben Aktivisten der "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh".

Gutachter halten Beteiligung Dritter für wahrscheinlich

Am Dienstag präsentierten sie in Berlin rechtsmedizinische Gutachten aus Großbritannien und Kanada. Sie stärkten den Verdacht, dass Polizisten am Tod von Jalloh beteiligt waren und "dritte Hände im Spiel gewesen sein mussten", sagt Sprecher Thomas Ndindah. In den Gutachten aber steht das so nicht.

Oury Jalloh landete am 7. Januar 2005 auf der Polizeiwache, er war betrunken und wehrte sich. Der britische Rechtsmediziner Iain Peck hat anhand von Fotos und Videos untersucht, ob ein Feuerzeug, das im Lauf der Ermittlungen auftauchte, beim Brand in der Zelle gewesen sein kann. Die Initiative glaubt, es sei nachträglich zu den Beweisen gelegt worden. Am Feuerzeug befinde sich keine DNA des Toten, sagt Peck, auch sei es wenig verschmort. Er halte es für "wahrscheinlicher, dass das Feuerzeug nicht in der Zelle war. Dass kein Brandbeschleuniger nachgewiesen wurde, belege nicht, dass es keinen gab. Eine Nachstellung der Szene mit "zwei Litern Benzin" komme dem Brandergebnis am nächsten. Insgesamt "erscheint es mir wahrscheinlicher, dass eine dritte Person das Feuer entzündet hat", so Peck. Ein weiterer Forensiker sagte hingegen, es gebe "keine belastbaren Schlüsse" auf Brandbeschleuniger. Die Experten kritisieren die schlampige Spurensicherung. Das Gutachten, wonach Jalloh seine Matratze selbst habe anzünden können, sei "fundamental flüchtig", sagte die Forensikerin Emma Wilson. Fotos zeigten, dass die Hand- und Fußfesseln weniger Bewegung erlaubten, als angenommen.

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