Der Fall Hauser Der Tod eines Fernsehmoderators

Die zuständige Ärztekammer erkennt Behandlungsfehler im Fall Bodo Hauser - der behandelnde Chirurg wurde vom Dienst suspendiert.

Von Werner Bartens

Es muss nicht von Vorteil sein, wenn man prominent, privat versichert oder beides ist und dann krank wird.

Bodo Hauser: vom Chef operiert.

(Foto: Foto: dpa)

In jeder Klinik kursieren unter Ärzten und Pflegepersonal Geschichten von bedauernswerten Patienten, "die vom Chef operiert werden mussten". Zwar gibt es etliche leitende Mediziner, die geschickte Operateure sind oder waren.

Doch viele Ärzte in führender Position sind aus der Übung oder wurden hauptsächlich wegen ihrer Forschung oder anderer Qualitäten berufen. Sie leiten zwar Abteilungen für Chirurgie, Geburtshilfe oder Orthopädie.

Endoskopischer Eingriff

Aber in vielen Kliniken gibt es die Überzeugung, dass man sich lieber beim erfahrenen Altassistenten oder langjährigen Oberarzt unter das Messer begibt.

Außerhalb der Klinik gilt die Behandlung durch den Chefarzt, wie sie Privatpatienten zusteht, jedoch immer noch als Garant für die beste Therapie. Wie gut der Chirurg des Krefelder Klinikums in seiner bisherigen Laufbahn war, der Bodo Hauser am Darm operiert hat, ist ungewiss.

Beim Eingriff, dem sich der Fernsehjournalist ("Frontal") im Juli 2004 unterzogen hat, scheint dem Operateur jedenfalls ein folgenschweres Missgeschick unterlaufen zu sein. Kurz nach der Routineoperation war Hauser im Alter von 58 Jahren gestorben. "Es besteht auf jeden Fall ein Behandlungsfehler", sagt Robert Schäfer, Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Nordrhein.

Hausers Witwe Barbara hatte sich an die Ärztekammer gewandt, die Hintergründe des Todesfalls aufzuklären. Eine Gutachterkommission, der neben Medizinern auch Juristen angehörten, kam nun zu dem Schluss, dass "der behandelnde Chirurg einer auftretenden Blutung nicht mit ausreichender Entschlossenheit begegnet ist", sagt Schäfer.

Hauser hatte sich wegen einer Divertikulitis an den befreundeten Chirurgen gewandt. Dabei kommt es zu bis zu fingergroßen Ausstülpungen im Dickdarm, die sich entzünden und dann massive Schmerzen verursachen können.

Laut Gutachten wurde der Eingriff endoskopisch vorgenommen. Die auch als Schlüssellochtechnik bezeichnete Methode gilt als schonend, da der Schnitt in Haut und Bauchdecke kleiner ist als bei der herkömmlichen Operation. Die Methode gewährt aber auch weniger Einblick in das Operationsgebiet. Laut Gutachten verletzte der Chirurg ein Blutgefäß.

"In jedem Fall fehlerhaft"

Obwohl Messwerte darauf hingedeutet hätten, dass es dem Patienten schlechter ging, habe der Operateur den Blutverlust offenbar erst nach 14 Stunden bemerkt - für Bodo Hauser zu spät. Der Journalist starb im Schock.

"Die Kausalität ist nicht sicher", sagt Robert Schäfer von der Ärztekammer. "Es ist unklar, ob der Tod im Schock auf den Blutverlust oder auf eine generalisierte Blutvergiftung nach dem Eingriff zurückgeht." In jedem Fall sei das Vorgehen des Chirurgen "als fehlerhaft zu werten".

Montagabend suspendierte Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums den Chirurgen. Die Staatsanwaltschaft wolle "Ermittlungen zügig vorantreiben".

Diese Entwicklung war für Robert Schäfer nicht absehbar. "Wenn wir bei einem solchen Fall gleich Konsequenzen ziehen, können wir jede Woche einen Mediziner entlassen", hieß es noch Montagnachmittag von der Ärztekammer.