Demonstrationen in den USA "Gerechtigkeit für Trayvon"

Der Freispruch im Fall Trayvon Martin bewegt die Amerikaner: Tausende Menschen gingen im ganzen Land auf die Straße, um ihre Solidarität mit der Familie des getöteten 17-Jährigen zu zeigen. Und: Sie wollen einen neuen Prozess gegen den Todesschützen.

Eine Woche nach dem Freispruch im Prozess um den erschossenen Schwarzen Trayvon Martin haben in den USA Tausende Menschen gegen das Urteil protestiert. Unter dem Motto "Gerechtigkeit für Trayvon" gingen am Samstag in mehr als 100 US-Städten von der Ost- bis zur Westküste Menschen auf die Straße, um eine neue Anklage gegen den Todesschützen George Zimmerman zu fordern.

Zu den Kundgebungen, bei denen es jeweils mehrere Hundert Teilnehmer gab, hatte die Bürgerrechtsbewegung National Action Network (NAN) unter dem Schwarzen Al Sharpton aufgerufen. Demonstriert wurde unter anderem in New York, Washington, Miami, Chicago, Dallas und Los Angeles.

Der 17-jährige Trayvon Martin war vor 15 Monaten in Sanford (Florida) von Zimmerman erschossen worden, als er sich auf dem Rückweg von einem Einkauf befand. Er war unbewaffnet. Im Prozess hatte Zimmerman sich erfolgreich auf Notwehr berufen. Kritiker wollen nun, dass er wegen Verletzung von Trayvons Bürgerechten vor Gericht gestellt wird.

Die Mutter des getöteten Teenagers, Sybrina Fulton, und sein Bruder Jahvaris Fulton nahmen an den Protesten in New York teil. Trayvon habe jedes Recht gehabt, sich dort aufzuhalten, wo er dann sein Leben verlor, sagte Sybrina Fulton bei der Kundgebung, zu der auch Sängerin Beyoncé und Rapper Jay-Z kamen. "Das sind die Fakten, auf denen wir beharren müssen, denn heute war es mein Sohn, morgen könnte es eurer sein."

Sybrina Fulton sprach bei einer Protestaktion in New York.

(Foto: AFP)

Vater Tracy Martin demonstrierte in Miami mit und rief die Gesellschaft zu einem Bewusstseinswandel auf. In Washington trugen Demonstranten T-Shirts mit einem aufgedruckten Trayvon-Foto und in der Hand Tüten mit jener Art Süßigkeit, die Martin am Abend seines Todes eingekauft hatte. In Sanford marschierten mehrere Hundert Menschen mit Postern mit dem Porträt des Getöteten durch die Straßen.

"Botschaft für das ganze Land"

"Wir denken, dass der Tod meines Sohnes zu einem Wandel in unser Gesellschaft führen muss. Die Gesetze, die es erlauben, jemanden zu töten, nur weil er für verdächtig gehalten wird, müssen abgeschafft werden", sagte Tracy Martin vor etwa 500 überwiegend schwarzen Demonstranten in Miami im Bundesstaat Florida.

Dem Fernsehsender CNN sagte der Vater des getöteten 17-Jährigen, die Demonstrationen schickten "eine Botschaft über das ganze Land, dass wir nicht die Füße still halten werden". Wegen eines kräftigen Regenschauers ging die Kundgebung in Miami schon bald zu Ende.

Unter den mehreren hundert Demonstranten in Chicago war ein Mann mit einem Schild "Latinos for Trayvon" zu sehen, aber auch hier waren Hispanics und Weiße deutlich in der Minderheit. Ein Redner nach dem anderen verwies auf den Fall des aus Chicago stammenden Emmett Till. Der rassistische Lynchmord des 14-jährigen Schwarzen 1955 in Mississippi war der Auslöser der US-Bürgerrechtsbewegung. Die beiden als Täter angeklagten Weißen wurden damals von einer rein weißen Jury freigesprochen. Auch Beyonce erinnerte auf ihrer Website an Tills brutale Ermordung. "Wir müssen für Trayvon genauso kämpfen wie die Generation vor uns für Emmett Till gekämpft hat", schrieb sie.

Am Freitag hatte sich US-Präsident Barack Obama zu dem umstrittenen Freispruch vom zurückliegenden Wochenende geäußert. "Vor 35 Jahren hätte ich Trayvon Martin sein können", sagte der erste afroamerikanische US-Präsident. Er zeigte Verständnis für den Unmut vieler Schwarzer über das Urteil, zumal die "historische Ungleichbehandlung" im Justizsystem weiter fortbestehe. Zugleich mahnte er zur Friedfertigkeit. Gewalt würde Martins Tod "entehren".

Der Nachbarschaftswächter George Zimmerman hatte Martin im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen. Ein Geschworenengericht glaubte seiner Version, dass der Jugendliche ihn zuerst attackiert und er selbst nur in Notwehr gehandelt habe.