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Illegale Fischerei:Illegaler Fischfang im Schwarzen Meer hat zugenommen

Im Mai 2016 stoppte Rumäniens Küstenwache 120 Kilometer vor dem rumänischen Teil des Schwarzen Meeres einen illegal fischenden türkischen Kutter. Biologe Popescu fotografierte allein an dieser Stelle im Wasser sechs tote Delfine. Das Schiff wurde beschlagnahmt, der Kapitän verhaftet. "Leider sind solche Erfolge gegen illegale Fischer sehr selten", sagt Popescu. "Es gibt kaum Kontrollen, und das Geschäft ist sehr lukrativ. Wir schätzen, dass mindestens drei Viertel der Fischerei illegal sind."

Die Wilderer sorgen selbst in Abwesenheit für weitere Probleme: Geisternetze, die sie zurücklassen oder kappen, wenn sie der Küstenwache entgehen wollen. Seit der illegale Fischfang im Schwarzen Meer in den vergangenen drei Jahrzehnten stark zunahm, "dürften mindestens 1000 Kilometer Netze gekappt oder verloren gegangen sein. In diesen Geisternetzen gehen bis heute Fische und Delfine zugrunde", sagt Popescu. "Die effektivste Schutzmaßnahme für Delfine wäre, endlich systematisch diese Geisternetze einzusammeln. Das wollten etwa Bulgarien und Rumänien schon vor mehr als zehn Jahren tun - geschehen ist bis heute nichts."

In Bulgarien glaubt Aktivist Rusew, dass die Behörden trotz der Anordnung von Ministerpräsident Borisow angesichts knapper Budgets und starker Fischerlobby auf Zeit spielen und kein Interesse an einem effektiven Schutz der Delfine haben. Bei einem Treffen im Schwarzmeerhafen Burgas sei viel darüber geredet worden, dass man erst einmal die Ursachen für das Delfinsterben feststellen müsse. Dabei sind diese in Rusews Augen längst erwiesen. Vor wenigen Tagen hat sich der Aktivist nochmals an den Ministerpräsidenten gewandt - und hofft, ihn bei einem weiteren Treffen von einem eigenen Aktionsplan zu überzeugen.

© SZ vom 16.08.2016/olkl
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