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Deepwater Horizon:Nächster Akt im Öl-Drama

Ob das Experiment die Lage verbessert ist völlig unklar: Im Golf von Mexiko hat BP ein neues Leck abgedichtet - die nächsten Tage zeigen, ob der Kampf gegen die Ölpest nun eine wichtige Wendung nimmt.

Reymer Klüver, Washington

Das Drama im Golf von Mexiko will kein Ende nehmen. Erst musste der Ölkonzern BP den Versuch, das ölspeiende Loch in 1600 Metern Tiefe mit Hilfe einer neuen stählernen Kappe abzudichten, am Wochenanfang auf Druck des Weißen Hauses verschieben. Die Experten der US-Regierung hatten plötzlich Sorge, dass der Test das Bohrloch noch weiter beschädigen könnte.

Tests mit ungewissem Ausgang: Ein aktuelles Bild von der Unglücksstelle, an der weiterhin Öl in den Golf von Mexiko fließt.

(Foto: ap)

Kaum waren diese Zweifel zerstreut und die ersten beiden von drei noch offen stehenden Abschlussklappen in der Stahlkappe geschlossen, musste das Experiment in der Nacht zum Donnerstag wieder unterbrochen werden.

Diesmal hielt ein kleines Leck die Arbeiten zum Verschließen des großen auf: In einem Verbindungsrohr zur neuen Abschlusskappe wurde eine undichte Stelle ausgemacht, die erst einmal geschlossen werden sollte. Am Donnerstagmorgen indes erklärte BP, dass das Problem behoben sei. "Wir sehen zu, dass wir den Test so schnell wie möglich beginnen", sagte BP-Vorstand Ken Wells.

Sollten die BP-Ingenieure die neue Abschlusskappe am Ende tatsächlich schließen können und würde sie dicht halten, würde erstmals seit mehr als zwölf Wochen kein Öl mehr in den Golf strömen.

Um den Druck innerhalb des dann verschlossenen Bohrlochs nicht unnötig zu erhöhen, erwägen die Experten offenbar, Öl durch an die neue Abschlusskappe angeschlossene Absaugrohre an die Meeresoberfläche zu pumpen. Dort liegen die Bohrinsel Q4000 und das Bohrschiff Helix Producer. Auf ihnen war bereits bisher ein Teil des in der Tiefe aufgefangenen Öls verbrannt worden.

Möglich ist aber auch, dass die Ventile in der Abschlusskappe wieder geöffnet werden müssen. Das hängt offenbar ganz von den Druckverhältnissen ab, die in der Kappe gemessen werden, sobald sie das erste Mal vollständig verschlossen ist. Steigt der Druck rasch und deutlich an, wäre es ein Zeichen dafür, dass das Bohrloch selbst bei der Explosion nicht beschädigt wurde, die am 20. April zum Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon führte. Würde sich der Druck hingegen nicht wie erwartet erhöhen, deutete das darauf hin, dass das Öl noch einen anderen Weg findet, um aus dem defekten Bohrloch zu entweichen. Das wiederum dürfte die Versiegelung des Bohrlochs komplizierter gestalten.

© SZ vom 16.07.2010/grc
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