SZ-Kolumne "Bester Dinge":Der Bowie von der Mülldeponie

Lesezeit: 1 min

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(Foto: Cowley Abbott/dpa)

Im Spendenzentrum einer kanadischen Mülldeponie wird ein Gemälde des Musikers ersteigert. Für 3,50 Euro. Was sagt das jetzt über David Bowie als Maler aus?

Von Moritz Geier

Gar nicht so leicht einzuschätzen, so ein Kunstwerk. David Bowie zum Beispiel: als Musiker bahnbrechend, klar, aber als Maler? Vielleicht lässt sich der künstlerische Wert jener Porträts, die der Sänger und Kunstfreund in den Neunzigerjahren hinpinselte, ja an folgendem Vorfall bemessen: Im kanadischen South River nämlich hat eine namentlich nicht bekannte Person kürzlich ahnungslos einen echten Bowie ersteigert. Für umgerechnet etwa 3,50 Euro im Spendenzentrum einer Mülldeponie.

Und jetzt zur These, bitte festhalten: David Bowie ist als Maler damit bei den ganz Großen angekommen! Denn gehört das Auftauchen verschollener Werke nicht zur Geschichte eines jeden Meisters? In einem Landhaus nahe Rom etwa fiel vor einiger Zeit, wie jetzt erst bekannt wurde, ein Bild von der Wand. Die Besitzer brachten es zum Restaurateur, und der stellte fest: Das Gemälde ("Die Anbetung der Könige") ist von Rembrandt. An einem Rastplatz in Mittelfranken fand ein Mann vor wenigen Tagen zwei 350 Jahre alte Ölgemälde in einem Müllcontainer, eines davon stammt von Rembrandt-Schüler Samuel van Hoogstraten. Große Kunst offenbart sich eben oft erst auf den zweiten Blick.

Das Bowie-Gemälde, ein Gesicht ohne Gesichtszüge, ist nun erneut versteigert worden, diesmal vom Auktionshaus Cowley Abbott. Und siehe da: Es brachte umgerechnet 70 000 Euro ein. Jene Person, die es zuvor für läppische fünf kanadische Dollar erworben hatte, sagte übrigens zur Begründung, ihr habe das Bild einfach gut gefallen. Vielleicht ist das ja doch das allerbeste Maß für die Bestimmung großer Kunst.

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