bedeckt München 27°

Das große Fasten:Mit Nichts am Leben

Ein 76-jähriger Inder behauptet, dass er seit 68 Jahren nichts getrunken und nichts gegessen hat. Zehn Tage lang untersuchten ihn deshalb 400 Ärzte mit dem Resultat: Ratlosigkeit.

Im zarten Alter von acht Jahren sei er von den Göttern auserwählt worden, erläuterte der rot gewandete und mit Armreifen und Ohrringen behangene Prahlad Jani in der Metropole des westindischen Staates Gujarat.

Durch eine Öffnung im Gaumen atme er ein Lebenselexir, so dass er weder essen noch trinken müsse. Während einer zehntägigen Untersuchung konnten die rund 400 Ärzte der Klinik keine Erklärung für das Fasten-Phänomen finden und den Asketen auch nicht des Schwindels überführen.

Keine Erklärung

Der Neurologe Sudhir Shah brauchte nach eigenen Worten mehr als ein Jahr, um Jani zu überreden, sich im Sterling Hospital untersuchen zu lassen. Dort sei er dann rund um die Uhr von einer Kamera beobachten worden. Keine seiner Behauptungen habe widerlegt werden können.

Er habe nichts getrunken, nichts gegessen und sei kein einziges Mal zur Toilette gegangen. Bei einer eingehenden Untersuchung sei festgestellt worden, dass sich in seiner Blase Urin gebildet habe, der aber von der Blasenwand wieder aufgenommen worden sei: "Die medizinische Kommission der Klinik habe dafür keine wissenschaftliche Erklärung."

Vermittlung an die NASA

Nun würde Shah seinen außergewöhnlichen Klinikgast gerne zu Untersuchungen an die US-Raumfahrtbehörde NASA vermitteln. Für Astronauten wären längere Fasten-Perioden und der Verzicht auf jegliche Notdurft schließlich ausgesprochen praktisch.

Jani, dem seine Befähigung bereits eine kleine Schar von Anhängern beschert hat,allerdings wollte sich nach seiner Entlassung aus der Klinik wieder in den benachbarten Wüstenstaat Rajasthan aufmachen und sich im Berg Abu in eine Höhle zurückziehen.

© sueddeutsche.de/AFP
Zur SZ-Startseite