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Das exklusive Stones-Groupie:Die Immerjunge

Kommune? "Kommt nicht mehr in Frage!" - eine Begegnung mit der Münchner Hippie-Ikone Uschi Obermaier, die am Sonntag 60 Jahre alt wird.

München im Sommer, PR-Termin für einen Film, der ein großformatiges Leben auf die Leinwand bringen wird.

Uschi Obermaier, dpa

Uschi Obermaier

(Foto: Foto: dpa)

Als Uschi Obermaier inmitten ihres Begleittrosses hereinrauscht, weht ein Hauch von Beverly Hills durch die gediegenen Räume des Hotels Vier Jahreszeiten.

Die Vorzeige-Münchnerin umgibt etwas, das an großes Kino erinnert. Das hat zum Teil mit ihrer Biografie zu tun, aber auch mit ihrem Äußeren: Wer hat behauptet, 59-jährige Frauen müssten auch aussehen wie 59?

Sie trägt eine schwarze Jeans, ein tief dekolletiertes schwarzes Oberteil, hochhackige Sandaletten, jede Menge Ketten und Armreifen, und wenn sie sich über den Laptop des Fotografen beugt, um die Auswahl der Porträts zu begutachten, dann bleibt der Rand des dreieckigen Tanga-Slips oberhalb der Hüfte sitzen. Ihr Händedruck ist fest, und schon bei der Begrüßung kündet ihre tiefe, leicht heisere Stimme von allem, was ein richtiges Hippie-Leben ausmacht: Joints rauchen, am Strand schlafen und jahrelang im Bus um die Welt reisen.

Das Exklusiv-Groupie der Stones

Bei vielen anderen in ihrem Alter würde dieser Habitus vermutlich wirken, als wolle sich da jemand jünger machen als er ist. Doch das hier ist schließlich Uschi Obermaier, das Münchner Hippie-Kindl, die Ikone der 68er. Ein solcher Status verpflichtet, und vom Aussehen her kann sie sich enge Jeans einfach noch leisten. Sie ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, bei dem Patschuli-Duft nicht gnadenlos gestrig wirkt.

Natürlich hat auch die Obermaier inzwischen Zugeständnisse an das Alter und ein damit einhergehendes gestiegenes Komfort-Bewusstsein gemacht: Sie hat sich ein Haus in Topanga Canyon bei Los Angeles gekauft, entwirft Schmuck und genießt es, alleine zu leben. Kommune? "Kommt nicht mehr in Frage!" Die Zeiten sind vorbei.

Sie hat das ja alles längst hinter sich. Die Jüngeren verfolgten Obermaiers Lebenswandel in den späten Sechzigern mit einer Mischung aus Neid, Bewunderung und Abgestoßensein. Eine Schwabinger Beatschuppen-Schönheit, die wegen ihrer Attraktivität von den Rolling- Stones-Größen Mick Jagger und Keith Richards zum Exklusiv-Groupie erwählt wurde, die Freundin des Apo-Kämpen Rainer Langhans, das erste deutsche Topmodel für Twen und Playboy, später die Freundin des Hamburger Globetrotters Dieter Bockhorn. Ihre Biografie gehört mittlerweile zur Münchner Nachkriegsgeschichte.

Mick, Keith und die anderen sind ihr noch ein Lächeln wert

Uschi Obermaier ist mitverantwortlich dafür, dass sich in den Köpfen der spießigen Elterngeneration der sechziger Jahre das Horrorbild von der halbwüchsigen Tochter festsetzen konnte, die mit langhaarigen Revoluzzern im Drogendelirium die sexuelle Freiheit zelebriert. Am Sonntag feiert sie ihren 60. Geburtstag; der Film mit Natalia Avelon als Uschi soll Anfang des kommenden Jahres in die Kinos kommen.

Vielleicht ist es der American Way of Life, der nach jahrzehntelangem Leben in den USA abgefärbt hat und die kleine, zierliche Person an diesem Nachmittag im Hotel Vier Jahreszeiten so unverschämt fröhlich wirken lässt. Vielleicht ist es aber auch einfach ihr Wesen, mit dem sie PR-Termine, für Filmleute meist ein lästiges Übel, so allürenfrei und gut gelaunt über die Bühne bringt. Geduldig wechselt sie für Fotografen in jede gewünschte Pose, lächelt und witzelt zwischendurch mit den Reportern.

Das, was alle immer als Erstes von ihr wissen wollen, nämlich wie es "damals" war, mit Mick, Keith und den anderen, ist Uschi Obermaier nur ein Lächeln wert. Zu oft hat sie davon schon erzählen müssen. Man solle sich doch, bitteschön, einfach den Film anschauen. Dann sagt sie in echtem Münchner Bayerisch, das auch durch all die Jahre in Amerika keine Blessuren davongetragen hat: "Ich kann meine Lebensgschicht nämlich selber scho nimmer hören!"