Das Erbe des Tyrannen:Flitterwochen in Saddams Bett

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Der Diktator ist tot, es lebe der Diktator: Im Irak gibt es so etwas wie ein Saddam-Hussein-Revival, jedenfalls auf touristisch-musealer Ebene.

Tomas Avenarius

So soll in Bagdad ein Saddam-Museum eingerichtet werden. Zu sehen sein werden in einem der vielen Saddam-Paläste seine Waffen, seine Uniformen und Möbel, dazu Saddam-Porträts, Saddam-Statuen und andere Saddam-Artefakte. Und in der Stadt Hillah soll es bald ein ganz besonderes Angebot an Flitterwöchler geben: Eine Nacht im Bett des 2006 am Galgen geendeten Gewaltmenschen.

Saddam Hussein, Foto: AFP

Saddam Hussein - sein Nachlass soll die Massen anlocken.

(Foto: Foto: AFP)

Ein Sprecher des irakischen Tourismusministeriums sagte, die US-Truppen hätten alle nach der Invasion von 2003 beschlagnahmten Saddam-Gegenstände gesammelt. Sie seien katalogisiert worden und würden nun der Bagdader Regierung übergeben.

"Saddams Besitztümer gehören dem irakischen Volk", so der Sprecher. Man suche noch nach einem geeigneten Museumsgebäude. Wahrscheinlich werde man einen der Paläste des früheren Diktators nutzen.

Saddam Hussein, der den Irak jahrzehntelang beherrschte, hatte überall im Land gigantische Wohnanlagen für sich bauen lassen. Sie waren gekrönt von historisierenden Figuren: Saddam als der gegen die Kreuzritter kämpfende Sultan Saladdin oder ähnliches Ruhmreiches aus der arabischen Geschichte.

Unklar ist, in wieweit es bei den Museumsplänen um echte Vergangenheitsbewältigung geht. Ein US-Major jedenfalls bestätigte dem Sender Al-Arabiya die Pläne: "Die Gegenstände werden ausgestellt, damit alle Iraker sie sehen können, auch die kommenden Generationen und ausländische Besucher." Weniger für klassische Vergangenheitsbewältigung als für ausgeprägten Geschäftssinn spricht das Angebot der Stadt Hillah. Wie die britische Times berichtet, sollen frisch Vermählte für umgerechnet 200 Euro die Nacht einen Teil ihrer Flitterwochen im Saddam-Bett erleben können. "Wir hoffen auf zahlreiche Besucher", so ein Tourismusvertreter.

Schon jetzt besuchen täglich gut 1000 Iraker den Palast in Hillah. Zu sehen ist unter anderem eine Dattelpalme, deren Früchte nur Saddam essen durfte. In dem früheren Diktator-Palast von Hillah hatte bis vor kurzem das US-Militär residiert, derzeit wird renoviert. Die Anlage mit ihren nachgemachten römischen Säulen und Giebeln war nach dem Fall des Saddam-Regimes ausgiebig geplündert worden: Vergoldete Wasserhähne und andere von Saddams Luxus-Alltäglichkeiten waren von den vom Diktator Befreiten abgeschraubt und zusammen mit seinen Edelholzmöbeln weggetragen worden.

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