SZ-Kolumne "Alles Gute":Sex-Erlaubnis vom Gesundheitsamt

Corona und Alltag
(Foto: Steffen Mackert)

Die Dänen lieben den Chef ihrer Gesundheitsbehörde - für seine stoische Ruhe in der Corona-Krise und seinen schrägen Haarschnitt. Doch mit seiner jüngsten Erklärung steigerte er die Sympathien noch.

Von Kai Strittmatter

Jedes Land sollte einen Søren haben, sagte kürzlich eine Freundin. Søren Brostrøm ist der Chef der dänischen Gesundheitsbehörde, aber eigentlich ist er so viel mehr: Er ist der Wissenschaftler, der die Dänen mit stoischer Ruhe durch die Krise führt, gleichzeitig ist er von einer Jungenhaftigkeit, dass sie ihm gerne einmal kräftig durch die Haare wuscheln würden. Vor allem seit der Sache mit den Bildern, die vor ein paar Wochen auf Twitter viral gingen.

Auf den Fotos blickte Søren Brostrøm in die Kamera wie ein verschrecktes Reh, dabei trug er einen Haarschnitt, den man militärisch hätte nennen können, wenn ihm nicht ganz offensichtlich der Haarschneideapparat aus der Hand gerutscht wäre. "Ich habe mir selbst die Haare geschnitten, und es ist hinten etwas schief geworden", erklärte er auf Twitter. Vor allem aber schrieb er dies: "Mir tut mein Friseur so leid, Alaa-Eddine, der seinen Laden zugemacht hat. Also hab ich ihm das, was ich normalerweise bezahle, per MobilePay überwiesen." Da ging ein kollektiver Seufzer durch die Nation, und alle gedachten für einen Augenblick gemeinsam ihrer Frisöre. "Du bist eine verdammte Legende, Søren", stöhnte ein Radiomoderator. Im Interesse der Volksgesundheit schob die Zeitung "Politiken" noch einen Ratgeber in sechs Punkten nach: "So vermeiden Sie es, nach dem Haareschneiden auszusehen wie Søren Brostrøm". Punkt 4: "Verwenden Sie ZWEI Spiegel".

Eigentlich also war die Liebe der Dänen zu ihrem Søren kaum steigerbar. Dann aber kam der Montag dieser Woche, und da stand er, in der Pressekonferenz, kühl und trocken wie immer, und erteilte den Dänen Sex-Erlaubnis. Auch den Singles. "Sex ist gut, Sex ist gesund", sagte Søren Brostrøm. "Wir sind nun mal sexuelle Wesen". Samen und Vaginalflüssigkeit übertragen das Virus offenbar nicht, aber zwischen den Risikokörperteilen Mund, Nase, Augen, wird sich beim Sex die Abstandsregel von zwei Metern kaum einhalten lassen.

Egal, meint Søren Brostrøm: Wie bei jedem anderen Kontakt zwischen Menschen bestehe das Risiko einer Infektion. "Aber natürlich müssen wir Sex haben dürfen." Da stand ein Wissenschaftler, der für einen Moment seine Wissenschaft vergaß und das Menschsein feierte. Und wieder: landesweit kollektiver Seufzer. Ein Kollege von Brostrøm wies dann im Anschluss an dessen Ausführungen darauf hin, dass lediglich "Versammlungen von mehr als zehn Personen" verboten seien.

In jeder Krise passiert auch Gutes, selbst wenn man es nicht immer auf den ersten Blick erkennen kann. In dieser Kolumne schreiben SZ-Redakteure täglich über die schönen, tröstlichen oder auch kuriosen kleinen Geschichten in diesen vom Coronavirus geplagten Zeiten. Alle Folgen unter sz.de/allesgute

© SZ/vwu
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