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Dänemark:Die vielleicht lustigste Parlamentsdebatte der Welt

Lachkrampf im Parlament von Dänemark: Es ging um ein Kamel.

Grund zum Lachen, manchmal auch tierisch: Mette Frederiksen, Dänemarks Premierministerin.

(Foto: imago/Ritzau Scanpix)

Die Beziehung einer Elefantin zu einem Kamel bewegt Dänemark. Und zwar so sehr, dass die Regierungschefin fast eine Haushaltsdebatte unterbrechen muss.

Ramboline und Ali, die Elefantendame und das Kamel. Dänemark ergötzt sich seit mehr als einer Woche an der Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. "Emotionen wie in einem guten Liebesfilm", attestierte der Fernsehsender TV2 dem Drama. Die beiden hatten sich schon vor einem Jahrzehnt kennengelernt, im Wanderzirkus Dannebro, ein Zirkus der damals mit sieben Kamelen unterwegs war, aber die Gunst von Ramboline galt von Anfang an Ali allein. Seit zehn Jahren nun sind die beiden unzertrennlich, zuletzt traten sie beim Zirkus Trapez auf.

Das neue dänische Tierschutzgesetz allerdings machte dem Zirkusleben ein Ende: "Wildtiere gehören weder in einen Stall noch in eine Zirkusarena", erklärte Morgens Jensen, der Minister für Lebensmittel, Fischerei und Gleichstellung der Geschlechter. Die Regierung möchte für artgerechte Haltung sorgen.

Und so schaffte es die Freundschaft von Ramboline und Ali vergangene Woche sogar in die Regierungserklärung der sozialdemokratischen Premierministerin Mette Frederiksen - und sorgte nach immerhin 14 Stunden Haushaltsdebatte um Mitternacht herum für einen denkwürdigen Moment in der dänischen Parlamentshistorie: Nicht nur prustete Mette Frederiksen selbst so los, dass sie eine ganze Weile nicht mehr weitersprechen konnte, am Ende bog sich das ganze Parlament vor Lachen.

Frederiksen musste den Parlamentariern nämlich erklären, warum ihre Regierung für eine Summe von umgerechnet 1,5 Millionen Euro nicht nur die vier letzten Zirkuselefanten Dänemarks (Lara, Djungla, Jenny und besagte Ramboline) gekauft hatte, sondern auch noch ein Kamel dazu. Der Videoclip der Erklärung Frederiksens zählte in der vergangenen Woche zu den meist gesehenen Dänemarks.

"Was wir nicht wussten als wir den Kauf einfädelten", sagt Frederiksen in dem Clip, "und das ist nicht zum Lachen - ist, dass Ramboline, also eine der Elefantenkühe auch einen Freund hatte, und zwar ein Kamel." Ungefähr an der Stelle fängt sie dann doch an zu lachen und mag sich kaum mehr einkriegen. "Das Kamel heißt natürlich Ali", sagt sie dann, "und wir bekamen den Hinweis, dass es verkehrt wäre, Ramboline und Ali zu trennen."

Frederiksen bedankt sich sodann bei den beiden rechtspopulistischen Parteien, der Dänischen Volkspartei und den Neuen Bürgerlichen, dass diese dem Kauf zugestimmt hatten. "Und das, obwohl das Kamel Ali heißt", wie sie hinzufügte. "Wenn also gesagt wird, dass jetzt Ali an der Reihe ist, dann stimmt das sogar." Damit spielte die Premierministerin an auf den Wahlkampf der Dänischen Volkspartei DF.

Die DF hatte den Sozialdemokraten vorgeworfen, Ausländer besser zu behandeln als Dänen - und hatten für ihre Kampagne einen Wahlkampfslogan der Sozialdemokraten abgewandelt zu einem, mit dem sie den Neid der Wähler schüren wollte: "Nun ist also nicht Arne dran, sondern Ali".

Ein Happy End? Wer weiß

Die Sozialdemokraten hatten unter Führung der 41-jährigen Mette Frederiksen die Parlamentswahl Anfang Juni gewonnen, die DF war abgestürzt - auch deshalb, weil Frederiksen in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass die Sozialdemokraten in der Ausländer- und Flüchtlingspolitik einen Rechtsschwenk vollzogen und viele Positionen des rechtspopulistischen Lagers übernommen hatten. Einige der extremsten und umstrittensten Entscheidungen der Vorgängerregierung hat Frederiksen mittlerweile allerdings rückgängig gemacht. So wird es zum Beispiel kein Camp für straffällige Flüchtlinge auf der unbewohnten Insel Lindholm geben.

Obwohl sich die Regierung von der Freundschaft zwischen Ramboline und Ali erweichen ließ, ist ein Happy End alles andere als sicher. Wie TV2 diese Woche meldete, wird der Knuthenborg Safari Park die neue Heimat der vier Elefanten werden. Knuthenborg erhielt den Zuschlag, da der Regierung eine artgerechte Haltung der Tiere dort gesichert scheint. TV2 zufolge gibt es dort aber wohl keinen Platz für Kamel Ali.

"So ist das Leben manchmal. Knochenhart und brutal", zitiert TV2 Rambolines neuen Besitzer Rasmus Nielsen vom Knuthenborg Safari Park. "Ob sie wirklich beste Freunde waren, das sollen andere entscheiden."

Noch sind die beiden zusammen in einem Übergangsquartier. Der neue Elefantentrakt in Knuthenborg wird erst in acht Monaten fertiggestellt. Viel Zeit, um Abschied zu nehmen. Oder doch noch ein Plätzchen für Ali in der Nähe von Ramboline zu finden.

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