Dänemark:Der Pfarrer war's

Politiet leder efter den forsvundne 43-aarige psykolog Maria From Jakobsen i en skov naer Frederikssund i Nordsjaelland,

Die Polizei sucht in einem Wald bei Frederikssund nach der vermissten 43-jährigen Maria F.

(Foto: Liselotte Sabroe via www.imago-images.de/imago images/Ritzau Scanpix)

Ein dänischer Priester tötet seine Ehefrau und versucht, ihren Leichnam in Salzsäure aufzulösen, wie er das zuvor in "Breaking Bad" gesehen hatte. Dafür muss er nun 15 Jahre ins Gefängnis.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

"Er war geschickt. Richtig gut", sagte Staatsanwältin Anne-Mette Seerup am Dienstag über Thomas G., den 45-jährigen Pfarrer der dänischen Volkskirche und Ehemann der Psychologin Maria F. Als die 43 Jahre alte Frau am 26. Oktober vergangenen Jahres verschwand, verdächtigte zunächst niemand ihren Mann. Das Auto der Verschwundenen wurde in einer verlassenen Gegend gefunden, ein Abschiedsbrief tauchte auf, der nahelegte, sie habe an Depressionen gelitten. Hatte sie Suizid begangen? G. löschte die Bewegungsdaten seines Handys und bezahlte seine Einkäufe nicht mit Karte, sondern in bar.

Am Ende aber war der Pfarrer doch nicht geschickt genug. Drei Wochen nach dem Verschwinden seiner Frau wurde er festgenommen. Sieben Monate beteuerte er weiter seine Unschuld, diese Woche schließlich stand G. vor Gericht in Hillerød im Norden von Kopenhagen. Und was die Staatsanwältin dort enthüllte, war das lange vorbereitete und minutiös geplante Verbrechen eines Mannes, der sich in eine andere Frau verliebt hatte. G. hatte sogar zwei To-do-Listen angelegt, wie er seine Frau töten und dann beseitigen wollte. "Es ist schrecklich zu sagen, aber es wurde so eine Art Hobby für ihn", sagte Staatsanwältin Seerup. "Das ist nicht die traurige Liebesgeschichte eines Mannes, der nicht die Liebe seines Lebens bekommen konnte. Oder die dritte Liebe seines Lebens" - die Ermordete war schon die zweite Ehefrau des Pfarrers - "Im Gegenteil, hier ist ein Mann, der seine Frau als Klotz am Bein sah."

Inspiriert durch "Breaking Bad"

Die Inspiration für sein Verbrechen fand der Pfarrer, nachdem er eine Episode der TV-Serie "Breaking Bad" gesehen hatte, in der eine Leiche in einem Fass voller Säure aufgelöst wurde. G. kaufte ein 200-Liter-Fass im Netz. Sorgfältig wählte er am Tag der Tat einen Stein, mit dem er seine Frau im Garten zu Boden schlug, anschließend erstickte er sie. Dann fuhr er Fass und Leiche zu einem verlassenen Landhaus, wo er versuchte, sie in Salzsäure und Natronlauge aufzulösen. Weil er mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, grub er die Leichenteile später wieder aus und verbrannte sie. Die verbliebenen Knochen verscharrte er dann wieder.

Als er schließlich, von der Polizei in die Enge getrieben, gestand, da waren es diese Überreste, zu denen Thomas G. die Beamten Anfang Juni führte. Vor der Urteilsverkündung am Dienstagabend verlas der Pfarrer ein Geständnis: "Ich habe Maria getötet", erklärte er dem Gericht. "Ich habe allein die Entscheidung getroffen, ihrer Zukunft und ihren Träumen ein Ende zu setzen. Gleichzeitig habe ich unsere Kinder der bedingungslosen Liebe ihrer Mutter beraubt." Er erwarte kein Mitleid, sagte er: "Ich bin schuldig, euch alle belogen und getäuscht zu haben." Er wolle der Familie nun "Frieden schenken".

Die Staatsanwältin zeigte sich nicht sehr beeindruckt. "Das Einzige, was er bereut, ist die Tatsache, dass er geschnappt wurde", sagte sie über den Pfarrer. Das Gericht verurteilte ihn zur Höchststrafe: 15 Jahre Haft. Thomas G. erklärte hernach, er wolle über eine Berufung gegen das Urteil nachdenken.

© SZ/lot
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