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Costa Concordia:Unglückskapitän Schettino hält Vortrag über "Panik-Management"

Francesco Schettino

Francesco Schettino, umstrittener Kapitän der Costa Concordia.

(Foto: dpa)

Er steht vor Gericht, weil er die havarierte "Costa Concordia" verließ, als noch Passagiere an Bord waren. Jetzt hat Ex-Kapitän Schettino einen Univortrag gehalten - ausgerechnet über Panik-Management. Die Empörung in Italien ist gewaltig.

  • Francesco Schettino hat in Rom vor Studenten über das Thema "Panik-Management" gesprochen.
  • In sozialen Medien wird der Vortrag mit Empörung aufgenommen.
  • Hintergrund der Kritik: Der Kapitän der Costa Concordia ging unmittelbar nach der Havarie seines Schiffes von Bord, ohne sich weiter um die Passagiere zu kümmern.

Schettino hält Vortrag zu "Panik-Management"

Ausgerechnet der Unglückskapitän der Costa Concordia hat sich vor römischen Studenten als Experte für "Panik-Management" präsentiert. Wie mehrere Zeitungen und die Nachrichtenagentur Ansa berichten, folgte Francesco Schettino im Juli einer Einladung aus Rom, wo er in einem Seminar der Medizinischen Fakultät das Unglück vor Giglio darstellen sollte.

Er habe den Studenten der Psychopathologie vor allem erklärt, was zu tun sei, wenn Panik ausbreche. "Ich bin als Fachmann eingeladen worden, ich weiß, wie man sich in solchen Fällen verhält", begründete Schettino seinen Auftritt.

Empörung in sozialen Netzwerken

Der Vortrag Schettinos, von dem Fotos und Unterlagen im Internet kursieren, hat erhebliche Entrüstung in sozialen Netzwerken ausgelöst. Die Kritiker bezeichnen ihn als Hauptschuldigen der Katastrophe vor Giglio, bei der 32 Menschen ums Leben kamen.

Die Costa Concordia war im Januar 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen gefahren. Schettino muss sich deshalb vor Gericht verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, das Schiff während der nächtlichen Evakuierung im Stich gelassen zu haben, als sich noch Passagiere an Bord befanden. Er selbst sagte vor Gericht aus, versehentlich in eines der Rettungsbote gefallen zu sein.

Reaktion der Hochschule

Gerade vor diesem Hintergrund stieß sein Auftritt an der Universität La Sapienza auf Kritik. Der Prozess gegen Schettino sei noch im Gang, der ehemalige Kapitän sei alles andere als ein Vorbild, sagte die konservative Abgeordnete Sandra Savino.

Auch der Direktor der Hochschule, Luigi Frati sprach von einem unwürdigen Vorgang. Der Professor, der Schettino eingeladen hatte, wird sich vor der Ethikkommission der Uni verantworten müssen.

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