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Interview am Morgen: Coronavirus und Glaube:"Ich habe viel zu tun, mehr sogar als sonst"

Theresa Brückner

Pfarrerin Theresa Brückner

(Foto: Eike Thies)

Pfarrerin Theresa Brückner ist digital für die Gläubigen da - per Youtube und Instagram. Ein Gespräch über die Rolle der Kirche in Zeiten der Pandemie.

Theresa Brückner, 33, ist Pfarrerin im digitalen Raum im Berliner Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. Unter dem Namen "Theresaliebt" erzählt sie auf YouTube und Instagram vom Glauben und ihrem Beruf - und im Moment vor allem von Corona.

SZ: Frau Brückner, Sie sind selbst derzeit in Quarantäne - wie geht es Ihnen?

Theresa Brückner: Mir geht es gut. Wir sind ja auf Bitten meines Arbeitgebers, der Evangelischen Kirche in Deutschland, freiwillig in Quarantäne gegangen, weil ich als Referentin bei einer Konferenz war, an der auch jemand aus einem Risikogebiet teilgenommen hat. Seit Freitagnachmittag bin ich jetzt in Quarantäne. Das sind natürlich Einschnitte, gerade mit einem dreijährigen Kind, aber mein Mann konnte dann mit dazukommen, und uns geht es gut. Und ich habe viel zu tun, mehr sogar als sonst. Ich bin im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum und das heißt, ich mache Youtube-Videos, Instagram, Twitter und Facebook - und da ist der Bedarf natürlich im Moment riesig.

Was genau erzählen Sie den Menschen da?

Habt Zuversicht. Weil ich daran glaube, dass es irgendwann wieder besser wird. Aber ich will auch Mut machen, dass diese Einschränkungen jetzt auch Teil dessen sind, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen und uns in Nächstenliebe begegnen müssen. Und dass das eben auch bedeutet, dass man auf körperlichen Abstand geht, aber trotzdem noch in Kontakt sein kann.

Der Mensch ist ein soziales Wesen - und soll nun Abstand halten. Und auch Glaube und Christsein findet in Gemeinschaft statt. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Es schmerzt mich total, dass die Gottesdienste nicht mehr stattfinden können. Und auch dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach Ostern nicht in der gewohnten Form feiern können, finde ich sehr schmerzlich. Aber es gibt ja trotzdem Möglichkeiten, und ich lebe und erlebe diese Möglichkeiten ja auch schon ganz lange. Christsein und Glauben feiern geht eben auch online und digital. Und das wird jetzt umso mehr gebraucht. Es gab ja auch vorher schon Menschen, denen es aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, zur Kirche zu gehen.

Und was genau machen Sie dann auf Youtube und Instagram und Facebook?

Ich habe jetzt häufig Live-Videos gemacht, Gebete auf Instagram gesprochen, ich habe Abendgesänge vertont und werde das auch noch weitermachen, ich lese aus der Bibel vor. Meine Follower können mir Nachrichten schicken und ich antworte ihnen. Damit fühlt man sich in dieser Isolation eben nicht so alleine.

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Aber was ist mit den Älteren, die diese Pandemie ja besonders trifft? Die sind ja nicht in den sozialen Netzwerken anzutreffen.

Ich würde das gar nicht unbedingt sagen, auf Facebook und auch Instagram sind durchaus auch Ältere unterwegs. Aber ganz viele Gemeinden werden jenseits davon im Moment sehr kreativ. Drucken zum Beispiel Blätter für Hausgottesdienste und Hausandachten, und dann läuten um 10 Uhr für alle im Ort die Kirchenglocken. Die Nachbarschaftshilfe wird ganz stark über die Gemeinden organisiert und die Telefonseelsorge ist auch ganz wichtig.

Sie selbst haben ja auch Aufgaben im analogen Gemeindeleben, nun sind Taufen, Trauungen, Konfirmationen verschoben, Beerdigungen nur noch mit Einschränkungen möglich. Wie gehen Sie als Pfarrerin damit um?

Das ist schlimm, keine Frage. Ich bin froh, dass wir weiter beerdigen können, denn wir als Kirche müssen gerade in der Trauer da sein. Je nach Bundesland sind die Verordnungen unterschiedlich, wir in Berlin dürfen kurze Andachten am offenen Grab mit wenigen Teilnehmern halten. Die Bestattungsinstitute sind verpflichtet, Listen zu führen mit den Kontaktpersonen. Diese Krise zeigt eben auch: Wir als Kirche sind nun ganz stark auf unsere Grundpfeiler zurückgeworfen. Wir müssen für die Menschen da sein, wir müssen Mut machen, beten.

© SZ.de/mkoh
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