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Coronavirus in Deutschland:Woidke kündigt Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen für Brandenburg an

  • Brandenburgs Ministerpräsident hat die Restriktionen in seinem Bundesland bis zum 19. April verlängert - zudem soll es einen neuen Bußgeldkatalog geben.
  • Die Infektionszahlen in Deutschland steigen indes weiter an, ebenso sterben immer mehr Menschen an einer Ansteckung mit dem Coronavirus.
  • Wegen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern kann das Klinikum Wolfsburg keine neuen Patienten mehr annehmen.
  • Der Präsident des Robert-Koch-Institut schließt Zustände wie in Italien nicht aus.

Die Ausgehbeschränkungen in Brandenburg sollen nach den Plänen von SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke um zwei Wochen ausgeweitet werden. "Die bisher gültigen Festlegungen unter anderem zum Aufenthalt im öffentlichen Raum werden vom 6. bis 19. April verlängert", teilte die Staatskanzlei in Potsdam mit. Das Kabinett werde darüber am Dienstag beraten.

Regierungssprecher Florian Engels verwies auf die steigende Zahlen der Menschen, die in Brandenburg mit dem Coronavirus infiziert sind. "Es gibt keinen Anlass, jetzt nachzulassen bei den Bemühungen." Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun hatten zuvor deutlich gemacht, dass eine schnelle Lockerung der Beschränkungen nicht im Raum steht.

Seit Montag vergangener Woche dürfen die Brandenburger draußen nur allein, mit Angehörigen aus dem eigenen Haushalt oder einer Person außerhalb des Haushalts bei 1,5 Metern Abstand unterwegs sein. Für das Betreten öffentlicher Orte gibt es Ausnahmen wie Arbeit, Einkaufen, Arztbesuche oder dringende Behördentermine. Bis zum 19. April galt ohnehin die Regelung, dass die meisten Läden geschlossen sind. Ausnahmen gelten für Krankenhäuser und Arztpraxen, Supermärkte, Banken, Poststellen und Tankstellen.

Das Kabinett will auch über einen neuen Bußgeldkatalog entscheiden. Darin sollten Bußgelder bei Verstößen festgeschrieben werden, die landesweit angewendet werden.

Mehr als 61 000 Menschen in Deutschland infiziert - 514 Tote

In Deutschland haben sich mittlerweile mehr als 61 000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 514 Menschen sind an den Folgen einer Infektion gestorben. Das geht aus den Zahlen hervor, die die Bundesländer selbst sowie das Robert-Koch-Institut täglich melden. Besonders viele Infizierte gibt es demnach mit 14 442 registrierten Fällen in Nordrhein-Westfalen sowie in Bayern mit 14 437. Aus einer Infektion mit Covid-19 resultierende Todesfälle traten bisher in Baden-Württemberg (128), Bayern (133) und NRW (130) am häufigsten auf.

Die meisten Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner verzeichnet derzeit Hamburg mit rund 114. Alle Werte dürften bereits deutlich höher liegen, da viele Bundesländer die aktuellen Fallzahlen erst am späten Nachmittag neu melden. Es gibt zudem eine Dunkelziffer nicht offiziell erfasster Infektionen.

Luft wegen Corona-Sperren in deutschen Städten sauberer

Die Luftverschmutzung in deutschen Städten hat im Zuge der Corona-Ausgangsbeschränkungen bereits deutlich abgenommen. Dies zeigt ein Vergleich von Satellitenbildern aus den vergangenen Tagen mit jenen ein Jahr zuvor, die die Europäische Allianz für öffentliche Gesundheit EPHA am Montag veröffentlichte. Das ist ein Bündnis nichtstaatlicher Organisationen für Gesundheits- und Umweltschutz. Die Bilder des Satelliten "Sentinel-5" aus der Zeit vom 5. bis 25. März 2019 und derselben Zeit 2020 zeigen drastische Unterschiede für Großstädte wie Düsseldorf, Essen, Köln oder Frankfurt.

Wolfsburger Klinikum nimmt keine Patienten mehr auf

Das Klinikum Wolfsburg verhängt einen Aufnahmestopp. Aufgrund von Corona-Infektionsfällen unter den Mitarbeitern werden alle neuen Patienten auf umliegende Krankenhäuser verteilt. Das teilte die Stadt Wolfsburg am Sonntagabend mit. Zudem seien ab sofort keine Besuche mehr erlaubt, "auch nicht die bisherigen Ausnahmen". Das gesamte Klinikpersonal arbeite "ab sofort im Vollschutz", hieß es von der Stadt: "Die Patienten werden so verteilt, dass nur noch ein Patient pro Zimmer liegt."

Wolfsburg hat stark mit der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen. In einem Wolfsburger Alters- und Pflegeheim sind in der vergangenen Woche 15 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Von etwa 165 Bewohnern der kirchlichen Einrichtung seien 72 infiziert, sagte der Leiter des Wolfsburger Gesundheitsamts, Friedrich Habermann, am Samstag. Für das Heim mit oft hochgradig dementen Menschen sei die Situation extrem schwierig, erklärte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD): "Wir stehen aber erst am Anfang der Entwicklung. Das wird für uns alle noch eine sehr, sehr harte Zeit." Überraschend viele Menschen seien verstorben, ohne dass sie Symptome von Corona gezeigt hätten.

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Zudem wurden in einem weiteren niedersächsischen Pflegeheim Infektionen nachgewiesen. Tests hätten bestätigt, dass 23 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 17 Mitarbeiter eines Altenheims in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert seien, teilte der Landkreis mit. Das Gesundheitsamt habe alle 51 Bewohner und 44 Mitarbeiter getestet, nachdem ein 89-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen und Coronavirus-Infektion gestorben sei. Bei allen Erkrankten in der Seniorenresidenz seien bislang milde Verläufe festgestellt worden.

CDU-Spitze warnt vor Debatte über Ende der Beschränkungen

Die Führung der Christdemokraten warnt davor, schon jetzt über die Beendigung der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu diskutieren. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte am Montag nach Angaben aus Parteikreisen in einer Schaltkonferenz mit dem Parteipräsidium, die Menschen würde in der aktuellen Situation ein gutes Krisenmanagement erwarten.

Das CDU-Präsidium sei sich einig gewesen, dass man bei der Reduzierung der Infiziertenzahl noch nicht da sei, wo man hinwolle, hieß es aus diesen Kreisen weiter. Erst wenn die Zeit der Verdopplung der Zahl der Infizierten bei zehn Tagen sei, wäre man auf dem richtigen Weg.

Die CDU-Spitze hob hervor, dass das vergangene Woche im Eiltempo von Bundestag und Bundesrat beschlossene Sofortprogramm für Selbständige und Solo-Unternehmer am Wochenende mit den 16 Ländern auf den Weg gebracht worden sei. Es seien zudem weitere Gespräche mit dem Bundesinnenministerium geplant, um Regelungen zu finden, damit Arbeitskräfte aus dem Ausland in Deutschland arbeiten können, etwa als Erntehelfer und Pflegekräfte.

Laschet fordert Überlegungen zur Rückkehr ins normale Leben

In der Diskussion über die Beschränkungen des öffentlichen Lebens fordert Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hingegen schon jetzt Überlegungen für einen Ausstieg aus den Maßnahmen. Damit widerspricht er zumindest indirekt Kanzlerin Angela Merkel. Sie hatte die Diskussion über gelockerte Kontaktverbote als verfrüht kritisiert und um Geduld gebeten.

"Der Satz, es sei zu früh, über eine Exit-Strategie nachzudenken, ist falsch", schreibt der CDU-Vizechef in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag. Klar sei zwar, dass keine Zeit der Entwarnung sei. Jetzt sei aber die Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben zu entwickeln.

Laschet schreibt: "Wir müssen alle Konsequenzen unserer Maßnahmen bedenken: Welche sozialen, ökonomischen, psychologischen, sozialen und letztlich auch gesundheitlichen Kollateralschäden hätte eine lang andauernde Politik der sozialen Distanzierung und des wirtschaftlichen Shutdowns?"

Zustände wie in Italien laut RKI-Präsident möglich

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, schließt Zustände wie in Italien nicht aus. "Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben."

Wie die derzeitigen Beschränkungen wieder zurückgenommen würden, sei eine Entscheidung der Politik. "Neben medizinischen und epidemiologischen Aspekten werden auch ökonomische und kulturelle Aspekte berücksichtigt werden." Nicht alles werde gleichzeitig hochgefahren werden.

© SZ.de/dpa/rtr/bepe/cck/saul/bix/cku/mcs/kit/jsa/aner/cwe/tba/mane/jsa/ihe/luch/odg
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