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Coronavirus in Deutschland:Acht Millionen Schutzmasken angekommen

Coronavirus - München

Vier Paletten mit Schutzmasken auf dem Münchner Flughafen.

(Foto: dpa)

In München ist am Abend ein Flugzeug mit acht Millionen Schutzmasken an Bord gelandet. Es war am Morgen in Shanghai gestartet. Nach einer Zwischenlandung in Seoul kam die Lufthansa-Maschine mit der Fracht in München an, wo sie vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Lufthansa-Chef Carsten Spohr empfangen wurde.

Elterngeld soll flexibler werden

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will das Elterngeld während der Corona-Krise flexibler gestalten. Am Dienstag einigte sie sich mit den Koalitionsfraktionen auf kurzfristige Änderungen, wie das Ministerium mitteilte. So sollen beispielsweise Eltern, die in systemrelevanten Berufen etwa als Ärzte oder Pflegekräfte arbeiten, ihre Elterngeldmonate aufschieben können. Zudem sollen Eltern den Partnerschaftsbonus, den Mütter und Väter erhalten, die gleichzeitig in Teilzeit arbeiten, nicht verlieren, wenn sie aufgrund der Corona-Krise aktuell mehr oder weniger arbeiten als geplant. Eltern und werdende Eltern, die aktuell etwa wegen Kurzarbeit Einkommensverluste haben, sollen keine Nachteile im Elterngeld haben.

Giffey betonte, mit den Änderungen würden Situationen berücksichtigt, in denen Eltern anders als sonst nicht alle Voraussetzungen für den Bezug des Elterngeldes erfüllen könnten. Die Anpassungen sollten "so zügig wie möglich" durch das Kabinett und das parlamentarische Verfahren gebracht werden.

Das Elterngeld unterstützt Eltern nach der Geburt des Kindes durch einen Ersatz des Erwerbseinkommens für den Elternteil, der sich um die Betreuung des neugeborenen Kindes kümmert. Es errechnet sich aus dem Durchschnitt des Nettoeinkommens der vergangenen zwölf Monate vor der Geburt des Kindes und ersetzt das bisherige Nettoeinkommen des Betreuenden zu mindestens 65 Prozent.

Laschet will "öffentlichen Diskurs" über Corona-Maßnahmen

Verhalten optimistisch zeigte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstag bei einer Pressekonferenz. "Alle Maßnahmen, die wir ergriffen haben, wirken", sagte der stellvertretende CDU-Chef. Die Menschen hielten sich an die Regeln, die Bettenkapazitäten würden täglich erhöht, und das "Infektionsgeschehen verlangsamt sich weiter" in dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Allerdings gebe es "keine Entwarnung", sagte Laschet. "Wir müssen durchhalten", man müsse die Regeln weiterhin befolgen. Ihm sei bewusst, dass die Maßnahmen zahlreiche "Probleme für Menschen" erzeugten wie Kurzarbeit, drohende Insolvenzen und häusliche Gewalt.

Laschet hob hervor, dass es seiner Meinung nach "einen öffentlichen Diskurs über die Corona-Maßnahmen" geben müsse. Der CDU-Politiker sprach von einem "Weg in die verantwortungsvolle Normalität". Klar sei aber auch: "Es wird nicht so sein wie vorher." Am kommenden Dienstag wird der Ministerpräsident in einer Video-Schalte mit den anderen Länder-Regierungschefs und Bundeskanzlerin Merkel konferieren. Ein Kernthema wird dabei die stufenweise Aufhebung der Einschränkungen sein. Ernüchternd für Fußballinteressierte war Laschets Antwort auf die Frage, ob die unterbrochene Spielzeit noch fortgeführt werden könne. "Ich kann mir in dieser Saison Spiele vor Publikum nicht mehr vorstellen", so Laschet mit Blick auf das Programm der Bundesliga und der anderen Spielklassen.

RKI-Präsident Wieler: Anteil der Verstorbenen unter den gemeldeten Infizierten liegt bei 1,6 Prozent

Das Robert-Koch-Institut erläutert in seiner Pressekonferenz den Stand der Pandemie-Ausbreitung. Demnach hatte das RKI - Stand Mitternacht - 99 225 gemeldete Fälle bundesweit angezeigt bekommen. Mittlerweile gebe es 1607 Todesfälle, 173 mehr als am Vortag. Nach einer Erhebung der SZ gibt es in Deutschland inzwischen mehr als 100 000 Infektionsfälle.

Erfreulich sei die Zahl der genesenen Patienten, sagt RKI-Präsident Lothar Wieler: Der aktuelle Schätzwert belaufe sich auf 33 300. "Die Anzahl der neu übermittelten Fälle ist etwas geringer. Von einer Entspannung kann aber noch nicht ausgegangen werden. Schwankungen sind immer möglich. Wir müssen die nächsten Tage abwarten, ob sich bei den Meldungen ein Trend abzeichnet", sagt Wieler.

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Anhand der offiziell gemeldeten Fälle lasse sich derzeit Folgendes ablesen: Die Betroffenen in Deutschland seien im Durchschnitt 48 Jahre alt. Männer und Frauen seien gleich stark betroffen. Für rund 74 000 Fälle liegen Angaben zu Symptomen vor. Zu den häufigsten gehören Husten (52 Prozent), Fieber (42 Prozent) Schnupfen (22 Prozent). Bei etwa 1700 dieser Fälle sei bekannt, dass die Patienten eine Lungenentzündung entwickelt haben.

"Momentan beträgt der Anteil der Verstorbenen unter allen gemeldeten Fällen 1,6 Prozent", sagt Wieler. "Die Zahl der Todesfälle und der Anteil der Verstorbenen ist in den letzten Tagen kontinuierlich gestiegen." Das sei einerseits zurückzuführen auf die Ausbreitung der Pandemie in Altersheimen und Krankenhäusern, wo Risikogruppen betroffen sind. "Zum anderen sehen wir jetzt generell immer mehr Erkrankungsfälle bei älteren Menschen. Das ist ein Geschehen, das wir leider so erwarten mussten." Bei den jetzt Verstorbenen handele es sich meist um Menschen, die sich vor ein bis zwei Wochen angesteckt hatten. Es sei mit einem weiteren Anstieg der Todesfälle zu rechnen.

Die Verstorbenen seien im Durchschnitt 80 Jahre alt gewesen. 1400 Personen seien 70 Jahre und älter gewesen. "Die bislang jüngste verstorbene Person war 28 Jahre alt und litt an Vorerkrankungen", so Wieler.

RKI stellt neue App vor

Das RKI hat eine neue App vorgestellt: die kostenlos zum Download zur Verfügung gestellte "Corona-Datenspende"-App. Mithilfe der App soll die Verbreitung von bestimmten Symptomen erfasst werden. Nutzer können in dieser App ihre Postleitzahl und einige Vitaldaten wie Schlafaktivität, Pulsschlag und teils auch Körpertemperatur eintragen. Diese Daten sollen am RKI wissenschaftlich aufbereitet werden. So sei es für die Forscher möglich, Rückschlüsse auf die Verbreitung von Covid-19 zu ziehen. Eine Karte der Symptomausbreitung werde künftig online veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert. Die App ersetze aber keine Tests, sie warne den Nutzer auch nicht, dass er krank sein könne, betont Wieler.

Zum Datenschutz erklärt Wieler: Die Teilnahme sei für jeden "natürlich freiwillig". Daten der App würden pseudonymisiert gespeichert. Mobilfunk- oder Ortungsdaten würden nicht erfasst. Die gesamte Nutzung richte sich streng nach der Datenschutzverordnung.

"Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen die Corona-Datenspende-App herunterladen und mitmachen", sagt Wieler. Wenn Wissenschaftler und Bürger auf diesem Wege zusammenarbeiten, bestünde die Chance, Covid-19 strategisch besser und effektiver zu bekämpfen. "Je mehr Menschen ihre Daten zur Verfügung stellen, desto genauer werden wir Erkenntnisse über die Verbreitung des Coronavirus haben."

Verfügbar ist die App für Apple- und Android-Geräte. Die zugehörige informierende Website https://corona-datenspende.de/ war kurz nach der Ankündigung Wielers bereits wegen Überlastung nicht mehr aufrufbar.

© SZ.de/dpa/rtr/bepe/cck/saul/bix/cku/mcs/kit/jsa/aner/cwe/tba/mcs/swi/odg/mxm/mane/jsa/ihe/luch/odg
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