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Coronavirus in Deutschland:Robert-Koch-Institut informiert über aktuelle Lage

  • Auch wer eine Maske trage, müsse Abstand halten und sich an die Hygieneregeln halten, sagte der Präsident des Robert-Koch-Institutes Lothar Wieler.
  • Das Robert-Koch-Institut hatte am Donnerstag seine Empfehlungen zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz geändert.
  • Wegen der Corona-Pandemie veranstalten die Grünen erstmals einen rein virtuellen Parteitag.
  • In Deutschland sind mittlerweile mehr als 1000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben.

Institutspräsident Lothar Wieler nahm im Rahmen eines Pressebriefings Stellung zur Einschätzung des Robert Koch-Institutes (RKI) zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz. Diese Masken böten keinen Schutz für den Träger, sie könnten aber dabei helfen, andere vor einer Ansteckung zu schützen, erklärte Wieler. Er wies darauf hin, dass es trotz des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes essentiell sei, untereinander Abstand zu halten und Hygieneregeln einzuhalten. Wer krank sei, solle zu Hause bleiben. Wer eine Maske trägt, müsse darauf achten, dass die Maske richtig sitzt. Es helfe nicht, wenn sich Maskenträger häufig ins Gesicht fassten um den Sitz der Maske zu überprüfen. Am Donnerstag hatte das RKI seine Einschätzung für das Tragen von Mundschutz geändert und diese nun doch als zumindest in bestimmten Umständen hilfreich eingeschätzt.

Wieler forderte außerdem, dass die Taktung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Zahl der eingesetzten Waggons erhöht werden solle um Fahrgästen die Möglichkeit zu geben, auch dort Abstand zu halten.

Grüne veranstalten ersten virtuellen Parteitag

Wegen der Corona-Pandemie veranstalten die Grünen erstmals einen Parteitag dezentral und rein digital. Wie Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner dem Berliner Tagesspiegel sagte, sei am 2. Mai ein kleiner Parteitag mit 100 Delegierten geplant. "Alle nehmen per Video teil", sagte Kellner: "Es wird gesetzte und geloste Redebeiträge geben, wie sonst auf Grünen-Parteitagen auch - nur werden die Reden nicht auf der Bühne, sondern im eigenen Wohnzimmer gehalten." Digitale Abstimmungen seien möglich, die Wahl etwa von Vorständen allerdings aus rechtlichen Gründen nicht. Kellner sprach von einem "demokratischen Experiment". Das Hauptthema ist auch schon gesetzt: Die Grünen wollen über die Auswirkungen der Corona-Krise diskutieren.

Mehr als 1000 Tote in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, ist erneut gestiegen, auf insgesamt 1039 Menschen. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen liegt nach Angaben aus den Bundesländern derzeit bei mehr als 80 000.

Erntehelfer dürfen unter Auflagen doch nach Deutschland kommen

Um drohende Ernteausfälle zu verhindern, sollen in diesem und im kommenden Monat jeweils 40 000 Saisonarbeiter aus dem Osten Europas nach Deutschland einreisen dürfen. Darauf haben sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag verständigt.

Laut einem Konzeptpapier der beiden Ressorts dürfen die Arbeiter ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug einreisen. Vorgesehen ist außerdem eine Gesundheitsprüfung. Liegen Anhaltspunkte auf eine Corona-Infektion vor, soll die Einreise verweigert werden. Die neu eingereisten Helfer müssen demnach in den ersten 14 Tagen nach ihrer Ankunft getrennt von anderen Beschäftigten arbeiten und dürfen den Betrieb nicht verlassen. Das Innenministerium hatte, um eine rasche Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu verhindern, weitgehende Einreisebeschränkungen für Saisonarbeiter verhängt. Davon waren vor allem Erntehelfer aus Rumänien betroffen.

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Steinmeier ruft zu Solidarität auf

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der Corona-Krise zu Solidarität und Mitmenschlichkeit aufgerufen. Die Menschen erlebten "bedrückende Tage", die Welt erscheine "seltsam unwirklich", sagte er in einem am Donnerstagmorgen auf seinem Facebook-Account veröffentlichten Video. Die erzwungene Entschleunigung mache vielen zu schaffen.

"Wir sind zur Ruhe aufgerufen und spüren doch eine innere Unruhe. Wir sollen Geduld haben und suchen doch ungeduldig nach Normalität. Wir sollen Abstand halten und sehnen uns doch nach Nähe." Doch, so Steinmeier, die Menschen seien vielleicht zur Isolation verdammt, aber nicht zur Untätigkeit.

Der Bundespräsident rief dazu auf, einander zu helfen und zu unterstützen, beispielsweise durch Einkäufe für Ältere, Anrufe und Briefe oder auch den Gutscheinkauf im Stammlokal. "Jeder und jede von Ihnen kann jetzt helfen", sagte er.

Bundeswehr bereitet Hilfseinsatz mit 15 000 Soldaten vor

Die Bundeswehr hat ein 15 000 Soldaten starkes Team zur zivilen Hilfe in der aktuellen Krise aufgestellt. Man bereite sich darauf vor, dann zu helfen, wenn zivile Kräfte erschöpft seien, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in der ARD. Das "Einsatzkontingent Corona" solle etwa im Sanitätsbereich und der Logistik eingesetzt werden. Deutsche Soldaten helfen bereits jetzt, zum Beispiel durch die Versorgung ziviler Patienten in den Bundeswehr-Krankenhäusern. Die Kernaufgaben der Bundeswehr wie Einsätze im Ausland würden wie gewohnt weitergeführt, sagte Kramp-Karrenbauer.

Krankenhausgesellschaft geht von knapp 40 000 Intensivbetten aus

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) geht davon aus, dass die Zahl der Intensivbetten in der Corona-Krise auf knapp 40 000 angewachsen ist. Von diesen seien etwa 15 000 bis 20 000 frei, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß der Rheinischen Post.

Ihm zufolge haben die Krankenhäuser auch die Zahl der Betten mit Beatmungsgerät deutlich gesteigert: "Zu Beginn der Pandemie hatten wir etwa 20 000 Betten mit Beatmungsgerät. Inzwischen dürften wir bei etwa 30 000 liegen." Zum Teil seien die Beatmungsgeräte aus anderen Bereichen geholt worden - beispielsweise aus Aufwachräumen, zum Teil sei neu beschafft, zum Teil seien ausgemusterte Geräte reaktiviert worden. "Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden zwei Wochen für alle Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, ein Gerät zur Verfügung haben werden."

Im internationalen Vergleich gibt es in Deutschland viele Intensivbetten. Das geh dem Statistischen Bundesamt zufolge aus einem Vergleich der OECD auf Basis verschiedener Erhebungen in zehn ihrer Mitgliedstaaten aus den Jahren 2013 bis 2020 hervor. Demnach kamen bereits 2017 in Deutschland 33,9 Intensivbetten auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Deutlich geringer waren die Kapazitäten in den gegenwärtig besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Staaten Spanien (9,7 im Jahr 2017) und Italien (8,6 - Zahlen aus diesem Jahr).

Verfassungsrechtler Papier warnt in Corona-Krise vor "Erosion des Rechtsstaats"

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hat vor den Folgen der Corona-Krise für die Grundrechte gewarnt. Er sehe derzeit die Gefahr einer "Erosion des Rechtsstaats", falls die "extremen Eingriffe in die Freiheit aller" noch lange andauern sollten, sagte Papier im Interview der Süddeutschen Zeitung. Angesichts der drastischen Folgen für kleine Geschäfte verlangte er, dass der Gesetzgeber verbindliche Regeln für die Entschädigungen von Unternehmern schaffe. Gerade kleinen Firmen werde derzeit ein "Sonderopfer abverlangt". Auch warnte Papier davor, auf überfüllten Intensivstationen jüngere, gesündere Patienten zu bevorzugen. "Leben darf nicht gegen Leben abgewogen werden", betonte Papier.

Papier, Professor für Staatsrecht in München, hält die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit derzeit zwar für rechtmäßig. Politik und Verwaltung müssten aber immer wieder prüfen, ob es weniger einschneidende Maßnahmen gebe. Auf Dauer könne man eine solche flächendeckende Beschränkung nicht hinnehmen. Das müsse befristet werden. "Wenn sich das über eine längere Zeit hinzieht, dann hat der liberale Rechtsstaat abgedankt."

Merkel: Eine Pandemie kennt keine Feiertage

Bund und Länder haben sich am Mittwoch darauf verständigt, die Beschränkungen des öffentlichen Lebens bis zum Ende der Osterferien in ganz Deutschland aufrechtzuerhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte anschließend in einer ungewöhnlichen Live-Audio-Pressekonferenz, dass eine Lockerung der Maßnahmen noch nicht auf der Tagesordnung stehe. Der Beschluss, die Kontaktbeschränkungen über die Osterfeiertage bis zum 19. April zu verlängern, sei einstimmig von allen Ministerpräsidenten gefällt worden. Damit gelten einheitliche Regeln für ganz Deutschland.

Die Behandlung schwerer Covid-19-Fälle auf der Intensivstation liege im Durchschnitt bei deutlich über zwei Wochen und dauere damit länger als erwartet. Deshalb müsse es dazu kommen, dass sich die Zahl der Erkrankten erst alle "12, 13, 14 Tage" verdopple, sagte Merkel. "Wir wollen eine Überforderung vermeiden", sagte sie mit Blick auf das Gesundheitssystem. "Deshalb können wir immer nur von Schritt zu Schritt, von Datum zu Datum vorgehen."

Merkel erklärte, Ostern sei zwar ein Familienfest, aber das müsse in diesem Jahr eben anders ablaufen. "Denn eine Pandemie kennt keine Feiertage." Sie appellierte abermals an die Bürger, die physischen Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Auf Besuche bei Verwandten sollen die Menschen verzichten, auf touristische Ausflüge sowieso.

© SZ.de/dpa/rtr/bepe/cck/saul/bix/cku/mcs/kit/jsa/aner/cwe/tba/mcs/swi/odg/mane/jsa/ihe/luch/odg
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