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Coronavirus in Deutschland:Bayreuther Festspiele abgesagt

Noch Hoffnung bei Bayreuther Festspielen trotz Corona

Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth.

(Foto: dpa)
  • Die Bayreuther Festspiele müssen wegen der Corona-Krise diesen Sommer aussetzen.
  • Laut Bundesgesundheitsminister Spahn sind derzeit 45 Prozent der Intensivbetten noch frei. Das sei allerdings keine Garantie, dass nicht noch schwierige Zeiten bevorstünden.
  • Baden-Württemberg ist es gelungen, 30 Millionen Schutzmasken zu kaufen - allerdings zu einem schwindelerregenden Preis, wie Ministerpräsident Kretschmann sagte.
  • Inzwischen sind mehr als 600 Menschen in Deutschland an den Folgen von Covid-19 gestorben.
  • Das RKI veröffentlicht eine Statistik zum Alter der Todesopfer. Der Durchschnitt liegt bei über 70 Jahren.
  • Die Stadt Jena will eine Schutzmasken-Pflicht schrittweise einführen.

Die Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Die nachfolgenden Festspieljahrgänge müssten dadurch umdisponiert werden, teilten die Festspiele am Dienstagabend mit. Die für diese Saison geplante Neuproduktion "Der Ring des Nibelungen" könne voraussichtlich erst im Jahr 2022 Premiere feiern.

Nächstes Jahr würden neben der vorgesehenen Neuproduktion "Der fliegende Holländer" die Wiederaufnahmen "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg", "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Lohengrin" aufgeführt. Außerdem stünden dann drei Konzerte von "Die Walküre" auf dem Spielplan. Die bereits für 2020 gekauften Karten blieben für die Festspiele 2021 gültig.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, beide CDU, haben am Dienstag gemeinsam das Universitätsklinikum Düsseldorf besucht. Spahn sagte in einer späteren Pressekonferenz, ihm habe das Verhalten der Angestellten und Studierenden dort imponiert. "Das macht Mut." Man habe in Deutschland schon zeitig mit Vorbereitungen auf die Pandemie begonnen. 45 Prozent aller Intensivbetten seien noch frei. Dies gebe keine Garantie, dass man nicht noch in schwierige Zeiten komme, "aber eine Sicherheit".

Spahn äußerte sich auch zur Diskussion um Schutzmasken. Er nannte es "okay, Masken zum Schutz anderer vor einer Infektion" zu tragen. Er betonte den Unterschied zwischen für den professionellen Gebrauch gedachten Masken und "Community-Masken". Die einen seien lebensnotwendig, die anderen ein Zeichen von Solidarität.

Spahn betonte, in der derzeitigen Situation sei der Schutz von Pflegeheimen besonders wichtig. Fälle wie die in Heimen in Wolfsburg und Würzburg machten ihn persönlich betroffen. Gerade deswegen sei es wichtig, den persönlichen Kontakt zu vermeiden. Es gebe andere Möglichkeiten, "Herz zu zeigen", zum Beispiel Telefonate oder Briefe.

Auch Laschet sieht keine Notwendigkeit für eine Pflicht zum Maskentragen. Er betonte, man arbeite unter Hochdruck, die Zahl der Intensivbetten zu erhöhen. Zudem werde ein Fokus auf die Beschaffung von Schutzkleidung und -masken für die Pflegekräfte gesetzt. Diese sollten vor allem im Inland produziert werden, damit man nicht auf "unseriöse Anbieter auf dem Weltmarkt" angewiesen sei. Dort sei die Lage für ihn ähnlich "wie auf dem Goldmarkt". Spahn sagte dazu: "Diese starke Abhängigkeit der Deutschen und Europäern von einem anderen Land in der Welt ist etwas, was langfristig nicht so sein sollte."

Baden-Württemberg kauft 30 Millionen Schutzmasken

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Gesundheitsminister Manne Lucha (beide Grüne) haben am Dienstag von der angespannten Situation bei der Beschaffung von Gesichtsmasken und Beatmungsgeräten berichtet. "Da herrscht brutale Konkurrenz", sagte Kretschmann in der allwöchentlichen Regierungspressekonferenz in Stuttgart. "Dabei geht es auf dem Weltmarkt nicht immer fair zu." Noch konkreter wurde Manne Lucha: "Das ist ein bisschen wie Wild West", berichtete er von seiner "Taskforce", die sich "rund um die Uhr" um die Beschaffung der Schutzausrüstung kümmere. Die werde auch dadurch erschwert, dass US-Präsident Donald Trump inzwischen alles aufkaufe.

Baden-Württemberg sei es mithilfe der heimischen Unternehmen und ihrer Kontakte und Logistik-Netze gelungen, 30 Millionen Gesichtsmasken zu bestellen. Dies allerdings zu einem Preis, "bei dem es einem schwindlig wird". Zwischen 50 und 100 Millionen Euro habe allein diese eine Lieferung gekostet. Genauer wollte Kretschmann die Summe nicht beziffern, weil er damit die Preisspirale nur weiter hochdrehen würde, wie er betonte. Angesichts der prekären Nachschublage hält Kretschmann auch nichts von einer Mundschutz-Pflicht für Zivilisten: Es wäre "ganz falsch", wenn man die "Knappheit" im medizinischen Bereich zusätzlich verschärfen würde, indem man eine generelle Tragepflicht erlässt.

RKI: Sterberate in Deutschland unter einem Prozent

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat Details zu den bislang mehr als 600 Toten in Deutschland bekanntgegeben: Die Verstorbenen waren demnach im Schnitt 80 Jahre alt. Die jüngste Tote verstarb mit 28 Jahren, es bestanden Vorerkrankungen. Insgesamt sind 31 der Toten unter 60 Jahren. Der Großteil der an den Folgen von Covid-19 Verstorbenen ist in Deutschland mehr als 70 Jahre alt.

Die Sterberate unter den bestätigten Fällen liegt dem RKI zufolge in Deutschland bei unter einem Prozent. Er gehe aber davon aus, dass diese mittelfristig steige. Wieler sprach von einem "begründeten Optimismus", was die Abschwächung des Wachstums der Fallzahlen betrifft. Er gehe davon aus, dass "handfeste Zahlen" bis Ostern vorliegen, die Aussagen über einen Trend ermöglichen.

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Der RKI-Präsident betonte, dass die Strategie der Eindämmung des Virus weiter Priorität habe. Die Pandemie gehe weiter und werde sich sehr sicher noch über Monate hinziehen. Er appellierte an die Bevölkerung, sich weiter an die von der Politik beschlossenen Maßnahmen zu halten. Ihm zufolge ist Deutschland im Kampf gegen das Virus gut aufgestellt, sofern es gelingt, die Wachstumskurve abzuschwächen. Kein anderes Land habe demnach mehr Beatmungsgeräte pro 100 000 Einwohner.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit einer Zunahme schwerer Corona-Fälle in Deutschland. "Wir haben steigende Infektionszahlen jeden Tag. Wir haben eine Dynamik über die letzten Wochen. Wir haben leider auch eine zunehmende Zahl von Todesfällen zu beklagen", betont er nach einem Besuch der Uni-Klinik Düsseldorf. Die Kliniken würden sich darauf vorbereiten. So seien 45 Prozent der Intensivbetten in Deutschland frei gemacht worden. "Eins ist auch klar: Es wird in den nächsten Tagen auch eine steigende Zahl von Intensivpatienten und Beatmungspatienten geben."

Jena will schrittweise Masken-Pflicht einführen

Der Coronavirus-Krisenstab der thüringischen Stadt Jena hat entschieden, schrittweise eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken einzuführen. Entsprechende Masken sollten beim Betreten von Geschäften und im Nahverkehr getragen werden sowie "überall dort, wo Mindestabstände nicht mehr eingehalten werden können". Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden.

Jena kündigte an, die Voraussetzungen dafür schaffen zu wollen, dass man der Masken-Pflicht nachkommen könne. Die Stadt verfüge über eine Grundausstattung an Masken, um Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen zu können. Dazu zählen beispielsweise Ärzte, Pflegekräfte und Fahrer im Nahverkehr. Es seien aber nicht genug Masken vorhanden, um alle Einwohner der Stadt damit versorgen zu können.

Die Stadt rief deshalb die Bürger zu einem solidarischen Miteinander auf. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, sollten die Einwohner den Mund-Nasen-Schutz für sich und andere Bürger nähen. "Die Masken müssen nicht perfekt sein. Jede Maske schützt besser als gar keine Maske." Die Bild zitiert einen Stadtsprecher mit den Worten: "Neben Masken werden auch Tücher oder Schals als Schutz anerkannt. Diese müssen aber auch die Nase und den Mund abdecken."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine "nationale Notfallproduktion" von Schutzmasken gefordert. "Was wir dringend brauchen sind mehr Masken und zwar die hochwertigen Masken für unser gesamtes Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen", sagte der CSU-Chef am Dienstag im "Morgenmagazin" der ARD. "Wichtig ist, dass wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen." Die deutsche Wirtschaft müsse jetzt darauf umstellen. Es brauche einen ausreichenden Vorrat in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altersheimen, forderte er. Ähnliches hatte Söder schon am Vortag gefordert.

Lambrecht: Handydaten sollen nur freiwillig genutzt werden

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hält eine Nutzung von Handydaten zur Eindämmung des Coronavirus nur unter dem Aspekt der Freiwilligkeit für möglich. "Die Freiwilligkeit ist ein ganz wichtiger Aspekt. Da können und wollen wir nicht drumherum", sagte sie im Deutschlandfunk. Zudem müsse klar sein, dass es nur eine Nutzung auf Zeit wäre und die Daten nach der Krise gelöscht würden. "Alle Einschränkungen dürfen nur so lange gebraucht werden, wie es absolut notwendig ist." Unter diesen Voraussetzungen könne sie sich vorstellen, dass mehr Menschen einer Erhebung von Bewegungsdaten über eine Handy-App zustimmen, sagte die SPD-Politikerin. "Es geht darum, Infektionsketten zu unterbrechen." Über Handydaten ließen sich Kontaktpersonen von Infizierten prinzipiell finden und warnen. Das Heinrich-Hertz-Institut und das Robert-Koch-Institut arbeiten bereits an einer entsprechenden App.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ursprünglich geplant, den Gesundheitsbehörden bei einer "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" zu erlauben, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln. Nach heftiger Kritik aus der Opposition, aber auch der SPD, stellte Spahn diese Pläne zunächst zurück.

Laborärzte-Verband: Flächendeckende Tests sind "illusorisch"

Für großflächige Coronavirus-Tests in der Bevölkerung sieht der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) momentan keine Möglichkeiten. "Die wünschenswerte flächendeckende Testung ist derzeit illusorisch", sagte der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski der Deutschen Presse-Agentur. Die Testmaterialien wie Entnahmesets und Reagenzien für die Labore würden von Tag zu Tag knapper. Auch die Lieferzeiten der ebenfalls erforderlichen PCR-Geräte seien derzeit extrem lang. Bei PCR-Tests werden Abstriche aus Nase oder Rachen genommen und im Labor mit Hilfe dieser Geräte auf Viren-Erbgut untersucht.

Tests müssten derzeit nach medizinischen Notwendigkeiten priorisiert werden, wozu das Robert-Koch-Institut Kriterien erarbeitet habe, sagte Bobrowski. Damit Hausärzte und Fachärzte weiterhin diese "wichtige medizinische Priorisierung" vornehmen und gezielt Hilfe leisten könnten, brauche es ausreichend Schutzkleidung und Atemschutzmasken für die Mediziner, sagte Bobrowski. Wer getestet wird, entscheiden im Moment Kliniken und Ärzte selbst. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn liegt die Kapazität in Deutschland zurzeit bei 300 000 bis 500 000 Tests pro Woche.

Die Idee, auch tiermedizinische Labore zu nutzen, lehnt der Laborärzteverband ab. "Tiermedizinische Labore haben keine Zulassung für die Untersuchung von humanpathogenen Proben. Es fehlt darüber hinaus das gesamte Know-how des Patientenmanagements und dem damit verbundenen Schutz der persönlichen Daten", sagte Bobrowski. Maßnahmen zur Ausweitung der Tests sollten immer von den fachärztlichen Diagnostikern im Labor ausgehen, wie dies derzeit der Fall ist.

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