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Besuchsverbote in Krankenhäusern:Papa verpasst die Geburt

Hebamme bei der Arbeit

Papa ist nicht dabei: Manch werdende Mutter ist jetzt im Kreißsaal auf sich allein gestellt.

(Foto: dpa)
  • Zur Eindämmung des Coronavirus gelten Besuchseinschränkungen in Krankenhäusern.
  • Manche Krankenhäuser machen auch bei der Geburt keine Ausnahme und lassen den Vater des Kindes oder eine andere Begleitperson nicht mit in den Kreißsaal.
  • Ein Klinikum in Rostock hat das Kreißsaalverbot allerdings nach wenigen Tagen wieder aufgehoben - auch auf Druck vieler Eltern.

Michael Rosenbaum wird bald zum ersten Mal Vater. "Seit Monaten freue ich mich ultra auf das Kind", sagt der 36-Jährige aus Bonn am Telefon. Er begleitete seine Freundin zu den Ultraschalluntersuchungen, ging mit zu den Vorbereitungskursen, sprach dem Baby durch den Bauch gut zu - und fieberte der Geburt entgegen. Doch seit Dienstag dieser Woche weiß er nun: Die wird er womöglich nicht miterleben können.

Es war bereits drei Tage nach dem errechneten Entbindungstermin, als seine Partnerin einen Anruf erhielt: Begleitpersonen sind ab sofort aus den Kreißsälen ausgeschlossen. Das Paar war bestürzt. "Wir können ja eh so wenig tun als Väter", sagt Michael Rosenbaum. Er hätte seine Freundin so gerne unterstützt.

Am Montag hatten Bund und Länder zur Eindämmung des Coronavirus Besuchseinschränkungen in Krankenhäusern beschlossen. Wie genau aber diese umgesetzt werden, ist Sache der Länder. Und selbst die lassen ihren Krankenhäusern ein Stück weit freie Hand, in welchen Ausnahmefällen Patienten besucht werden dürfen - solange ausreichende Maßnahmen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus getroffen werden. Für viele Mütter im Wochenbett heißt das: wenig oder gar kein Besuch. Eine Ausnahme machen die meisten Krankenhäuser jedoch bei der Geburt selbst und lassen den Vater des Kindes oder eine andere Begleitperson mit in den Kreißsaal, wenn sie gewisse Schutzkleidung tragen und vorher nicht in einem Risikogebiet waren.

Anders ist das beispielsweise im Uniklinikum Bonn, in dem das Kind von Michael Rosenbaum und dessen Freundin zur Welt kommen sollte. "Wir wollen unsere Patientinnen und Mitarbeiter vor einer Infektion schützen", heißt es in einer Mitteilung der dortigen Klinik. "Dies bedeutet, dass nur die Patientin die Klinik betreten darf." Das löste nicht nur bei Michael Rosenbaum und seiner Freundin Sorge aus - zumal andere Kliniken in der Umgebung ähnlich handeln. "Ich habe sowieso Angst vor der Geburt", sagt Melissa Stauf, die in einer anderen Bonner Klinik entbinden wollte. "Mein Partner ist mein engster Vertrauter, ich werde ihn brauchen." Auch für die 28-Jährige und ihren Mann ist es das erste Kind.

Ein Rostocker Klinikum beugte sich dem Druck vieler Eltern

"Die Risikominimierung in Krankenhäusern ist wichtig, um das Personal zu schützen und somit die ärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten", betont Sven Stauf, ihr Mann. Deshalb sei ein Besuchsverbot für Freunde und Verwandte aus seiner Sicht natürlich"in dieser schwierigen Zeit vollkommen nachvollziehbar". Er könne nur die Regelung nicht verstehen, "dass gebärende Frauen die Geburt komplett alleine durchstehen müssen", sagt der 32-Jährige. "Sollte der Vater bereits das Virus haben, trägt zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auch die werdende Mutter das Virus in sich."

Was den Staufs ein bisschen Zuversicht gibt, ist die Zeit: Ihr Kind soll erst im Mai zur Welt kommen. Eine Hebamme für eine Hausgeburt in dieser kurzen Zeit zu finden, ist zwar nahezu unmöglich. Und auch Geburtshäuser sind Monate im Voraus ausgebucht. Aber vielleicht ebbt die Corona-Pandemie bis dahin etwas ab, hofft Melissa Stauf. Oder das Krankenhaus ändert seine Richtlinien.

Das Klinikum Südstadt in Rostock hat das Kreißsaalverbot tatsächlich nach wenigen Tagen wieder aufgehoben - auch auf Druck vieler Eltern. Andere Krankenhäuser wie das Uniklinikum Jena lassen die Väter vor der Tür des Kreißsaals warten. Sie dürfen erst hinein, wenn die Geburt unmittelbar bevorsteht. Die Berliner Charité, die größte Uniklinik in Deutschland, legt Wert darauf, dass die Väter "im entscheidenden Moment", also der Geburt, auch weiterhin bei den werdenden Müttern sein können, wie eine Sprecherin betont. Sie werden lediglich gebeten - wie derzeit überall - ihre Frauen nicht zu den Voruntersuchungen zu begleiten. Auch die städtischen Münchner Frauenkliniken, die deutschlandweit zu den geburtenstärksten gehören, lassen die Partner in den Kreißsaal und sogar ans Wochenbett.

Michael Rosenbaum und seine Freundin haben keine Zeit, auf Regeländerungen zu hoffen oder in andere Bundesländer zu fahren. Das Kind kann jeden Tag kommen. Wobei die Wehentätigkeit seit der schlechten Nachricht deutlich zurückgegangen ist - wegen des Stresses, habe die Ärztin gesagt. Nach langem Herumtelefonieren hat der angehende Vater eine Klinik in der Nähe gefunden, die Partner weiterhin bei der Geburt dabei sein lässt. Die einzige in der Region, sagt er.

© SZ vom 20.03.2020/moge
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