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Alles zur Maskenpflicht:Visier statt Maske?

Face Shields fangen Tröpfchen ab - aber nicht alle Aerosole. Wer sicher gehen will, sollte daher Abstand halten oder darunter eine Maske tragen.

(Foto: AFP)

Die sommerlichen Temperaturen sorgen für dicke Luft unter der Maske. Wie atmet es sich leichter - und sind Face Shields eine Alternative? Antworten auf diese und weitere Fragen.

Welcher Mundschutz wird gegen das Coronavirus empfohlen?

Für die Empfehlung von Bund und Ländern reichen alle Masken, die Mund und Nase bedecken. Auch ein einfacher Mundschutz wie selbst genähte Stoffmasken oder Schals sind ausreichend, um größere Tröpfchen abzufangen, wie man sie beim Niesen oder Husten versprüht. Zertifizierte FFP-Masken oder OP-Masken sind nicht nötig und sollen dem Personal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen vorbehalten bleiben.

Welches Material lässt Luft durch?

Mit steigenden Temperaturen wird es unter der Maske zunehmend stickig. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben herausgefunden, dass es sich durch lockere Baumwollstoffe oder feines Leinen besser atmen lässt. Demnach lasse die Kombination Jersey/Biberstoff deutlich mehr Luft durch, als etwa zweilagiger dichter Baumwollstoff.

Bei selbstgenähten Masken kann zudem der Hohlraum vor Mund und Nase durch Schnitt und Stoffzugabe so großzügig gestaltet werden, dass der Stoff beim Einatmen nicht angesaugt wird. Auch das Einfügen eines Nasendrahtes sorgt für zusätzliche Stabilität. Dazu eignen sich zum Beispiel die Metallstreifen von Aktenordern oder Gartendraht. Hauptsache, der Mundschutz liegt an Nase und Kinn eng an.

Generell gilt: Je mehr Luft die Maske durchlässt, desto einfacher gelangen auch feine Tröpfchen von außen durch den Stoff. Diese werden etwa von Leinen nicht so gut abgefangen, wie etwa durch eine Vlieseinlage oder Baumwolle. Allerdings werden diese Aerosole vor allem versprüht, wenn jemand keinen Atemschutz trägt - und genau dies soll durch ein kollektives Tragen der Masken vermieden werden.

Was, wenn ich Atemnot bekomme oder aus anderen Gründen keine Maske tragen kann?

Hilfreich kann mitunter die richtige Atemtechnik sein: Experten empfehlen, nicht zu flach, sondern tief durch die Nase in den Bauch einzuatmen. Wenn möglich, sollte man zwischendurch an die frische Luft rausgehen und die Maske - mit Sicherheitsabstand zu anderen - absetzen, um Sauerstoff zu tanken.

Eisdiele in der Corona-Krise in München, 2020

Im Sommer kann es mit Maske ganz schön heiß werden. Selbst als Eisverkäufer.

(Foto: Florian Peljak)

Es gibt jedoch Menschen, die leicht Atemnot oder Panikgefühle entwickeln. Sie können Probleme bekommen, selbst bei Masken aus dünnem Material. In einigen Bundesländern wie Hessen und Niedersachsen sind Personen, die aufgrund medizinischer oder psychischer Beeinträchtigung nicht in der Lage sind, eine Mund-Nasen-Abdeckung zu tragen und dies entsprechend durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen können, von der Maskenpflicht befreit. Eine offizielle Erklärung dazu gibt es bisher nicht.

Wie gut schützen Schildmasken aus Kunststoff?

Sogenannte Face Shields sind großflächige Modelle, teilweise mit aufklappbarem Visier, die auf den Kopf gesetztwerden und das komplette Gesicht von oben abdecken. Im Gegensatz zu Stoffmasken ist der Gesichtsschild recht einfach mit Desinfektionsmittel zu reinigen. Auch erlaubt das transparente Material Menschen mit Hörschädigungen, von den Lippen ihres Gegenübers abzulesen.

Dem BfArM zufolge kann ein solches Visier die Geschwindigkeit des Atemstroms reduzieren und Speichel-/Schleim- und Tröpfchenauswurf auffangen - allerdings nur solche, die direkt auf die Scheibe treffen. Das RKI betrachtet Face Shields daher nicht als gleichwertigen Schutz, da sie an den Rändern nicht eng anliegen und somit das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten nicht minimieren, wie es aus den Empfehlungen des BfArM hervorgeht. Wer jedoch aus medizinischen oder anderen triftigen Gründen keine herkömmliche Maske tragen kann, solle von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so das RKI - schon allein, um dadurch einen "vielleicht auch nur minimalen Beitrag zu leisten". Wo Face Shields offiziell als Alternative gelten, unterliegt der Zuständigkeit der einzelnen Länder - hier eine Übersicht.

Eine andere Möglichkeit wäre, unter dem Visier einen möglichst leichten Atemschutz zu tragen. Außerdem gibt es kleinere transparente Kunststoffmasken, etwa von einem österreichischen Hersteller, die der Gesichtsform angepasst sind. Sie liegen an den Rändern an und werden wie herkömmliche Modelle in den Ohren eingehängt.

Darf ich die Nase bei der Stoffmaske freilassen, wenn mir zu warm wird?

Eine Maske muss nicht nur den Mund, sondern unbedingt auch die Nase bedecken. Dem medizinischen Fachmagazin Nature zufolge konnten Wissenschaftler der Universität North Carolina in Chapel Hill nachweisen, dass Sars-CoV-2 zunächst vor allem die Nasenschleimhaut infiziert, bevor es den Rachen und schließlich die Lungen befällt. Daher werden die Masken bis übers Kinn gezogen und eng angepasst, sodass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske bleiben. Bei Masken mit Nasendraht ist das einfacher, da sie sich an die Gesichtsform anpassen, indem man den oberen Rand behutsam gegen Nase und Wangen drückt. Masken mit Falten werden so getragen, dass die Faltenrücken nach unten zeigen, empfiehlt das Portal #MaskeZeigen. So sammeln sich weniger Pollen und Staubpartikel darin.

Da es sich nicht vermeiden lässt, sich vor dem Aufsetzen der Maske ins Gesicht zu fassen, sollten die Hände zuvor gründlich gereinigt werden. Während die Maske im Gesicht sitzt, sollte man sie möglichst nicht berühren. Falls dies passiert, Hände waschen oder desinfizieren, da sich an der Maske möglicherweise Erreger sammeln.

Wo gilt die Maskenpflicht?

Maskenpflicht gilt in sämtlichen Ländern. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer unterscheiden sich etwas. Aber ohne Mund-Nasen-Maske oder zumindest einen Schal darf man seit April nicht mehr Bus und Bahn fahren oder zum Einkaufen gehen.

Sollen Kinder auch Masken tragen?

Auch hier sind die Regeln in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich - schon deshalb, weil sich nicht alle Landesregierungen dazu äußern. Sachsen etwa bleibt vage: "Kinder müssen nur dann eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wenn sie dazu in der Lage sind", heißt es online. In Sachsen-Anhalt wird die Maskenpflicht für Kinder empfohlen, aber nicht fest vorgeschrieben.

Coronavirus - Brasilien

Experten raten, bei Kindern bis zum Vorschulalter auf Masken zu verzichten und lieber auf entsprechende Hygiene zu achten.

(Foto: dpa)

Experten raten, bei Kindern bis zum Vorschulalter auf Masken zu verzichten und lieber auf entsprechende Hygiene zu achten, vor allem regelmäßiges Händewaschen und entsprechenden Abstand.

Welchen Schutz bieten Tücher, Schals oder selbst genähte Masken?

Solche Stoffe können ebenfalls einen gewissen Schutz bieten. Sie stellen eine Barriere dar, die verhindert, dass eigene Sekrettröpfchen mit Wucht in die Umgebung geschleudert werden. Auch Erreger von außen gelangen auf diese Weise nicht ungehindert in Mund und Nase. Einen sicheren Schutz vor Ansteckung bieten diese Masken allerdings nicht.

Kann man einen Mundschutz selbst anfertigen?

Wer Stoffreste und eine Nähmaschine zu Hause hat, kann sich den Mundschutz selbst nähen. Das geht auch für Ungeübte meist schneller, als auf die nächste Lieferung der Apotheke zu warten. Eine Anleitung samt Schnittmuster gibt es auch hier bei sueddeutsche.de.

Am besten eignet sich Baumwollstoff, möglichst hell, damit man die Maske später heiß genug waschen kann. Bei mehrlagigen Modellen empfiehlt sich für die Innenseite das etwas feinere Batist oder weiches Molton. Eine zusätzliche Filtermöglichkeit entsteht, wenn man einen Zwischenraum frei lässt für eine austauschbare Vlies- oder Papiereinlage.

Kann man einen Mundschutz ohne Nähmaschine herstellen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich eine Maske ohne Nähmaschine - ja, sogar ohne Nähen - anzufertigen. Ideen findet man dazu genügend im Internet, unter anderem bei Youtube. Zum Beispiel zeigt ein Video, wie man eine Maske aus einem Stück Stoff und zwei Gummiringen bastelt. Ein anderes mit Küchenpapier, Taschentuch, einem Stück Draht und Klebeband. Oder dieses clevere One-Piece-Modell, geschnitten aus einem einzigen Stück dehnbarem Stoff - ohne Gummiband, Nadel oder Faden.

Kann man Masken wiederverwenden?

Stoffmasken lassen sich mehrmals benutzen, aber nur bei korrekter Handhabung - andernfalls steigt das Infektionsrisiko, statt zu sinken. Der Mund-Nasen-Schutz darf nur von derselben Person getragen werden. Die Maske muss zwischendurch an trockener Luft lagern. Zudem muss darauf geachtet werden, dass keine Erreger von der womöglich kontaminierten Außenfläche auf die Innenseite gelangen. Das Ab- und Wiederaufsetzen muss mit sauberen, desinfizierten Händen erfolgen.

Wie reinige ich einen Mundschutz richtig?

Stoffmasken sollten nach dem Tragen möglichst sofort gereinigt werden. Sie bei 95 Grad zu waschen, ist nicht notwendig, mindestens aber bei 60 Grad. Anschließend sollten sie vollständig getrocknet werden, empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Auch sorgfältiges Bügeln bei hohen Temperaturen tötet die Coronaviren. Vorsichtig sollte man sein bei Masken mit Nasenbügel aus Metall: Sie dürfen keinesfalls in die Mikrowelle.

Das Reinigen im Backofen wird nur noch eingeschränkt empfohlen, weil die Brandgefahr recht hoch ist. OP-Masken sollten nicht mit Desinfektionsmittel gereinigt werden, weil das ihre Funktion beeinträchtigen kann. FFP-Masken, wie sie medizinisches Personal nutzt, verträgt übrigens nichts dergleichen: Der integrierte Filter würde durch solche Reinigungsverfahren beschädigt.

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© SZ/vs/klot/afis
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