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Corona-Einschränkungen:Umarme deine Schlabberhose

Illustration: Stefan Dimitrov

Welttage sind eigentlich irrelevant - es sei denn, es ist Corona, und man stellt fest, dass der Tag der Jogginghose und der Weltknuddeltag gleichzeitig stattfinden.

Von Oliver Klasen

Auch die offizielle Webseite des in den USA entstandenen "National Hugging Day", des Weltknuddeltages also, der an diesem Donnerstag ansteht, kommt in diesem Seuchenjahr nicht ohne einen in roten Lettern gefassten Warnhinweis aus. Man solle doch die Ratschläge der Gesundheitsbehörden beherzigen, schreibt das Team von Kevin Zaborney, jenem US-amerikanischen Pfarrer, der sich den Knuddeltag 1986 ausgedacht hat und den Begriff sogar als Marke schützen ließ.

Umarmungen, so wichtig und wohltuend sie in dieser Zeit sein mögen, also bitte nur in der eigenen Bubble, mit den Menschen im eigenen Haushalt, mit denen man im Zweifel also auch Viren austauscht. Nicht umsonst hat die belgische Regierung vor einigen Monaten den Begriff des "Knuffelcontact" geprägt. Damit sind besonders nahestehende Menschen gemeint, die man auch selbst in der größten Krise noch treffen darf. Knuffel- und Infektionsgemeinschaft sind also deckungsgleich.

Dass der Tag der Umarmung auf den Tag nach der Vereidigung des US-Präsidenten fällt, ist von Pfarrer Zaborney damals wohl nicht beabsichtigt gewesen, aber es passt gut. Joe Biden hat ja quasi die schwierige Aufgabe, ein ganzes Land zu umarmen.

Koinzidenz nennt es die Forschung, wenn zwei Ereignisse zufällig zusammenfallen, sich aber nicht bedingen. Nun ist Inzidenz leider ein Wort, dessen man langsam überdrüssig ist. Sagen wir also: Es trifft sich gut, dass am 21. Januar nicht nur Tag des Knuddelns und Kuschelns ist, sondern auch der Internationale Tag der ja meist aus gut zu knuddelnden Stoffen bestehenden Jogginghose, von der Karl Lagerfeld einst sagte, wer sie trüge, habe die Kontrolle über sein Leben verloren.

Der neueste Schrei: Tele-Umarmungen

Lagerfeld sagte das 2012 bei Markus Lanz, und er hatte vermutlich eher jene grau-verwaschenen Schlabber-Exemplare im Sinn, die unsportliche Menschen überstreifen, wenn sie nach sechs faulen Monaten - oft im Januar, wenn die Vorsätze noch frisch sind - das erste Mal wieder draußen laufen gehen. Allerdings wurde der Modeschöpfer vom Lauf der Zeit widerlegt. Die Jogginghose fand später sogar den Weg auf den Laufsteg, freilich nicht in der grau-verwaschenen Schlabber-, sondern eher in der Glitzerversion.

Und jetzt im Home-Office agiert kaum jemand so kontrolliert wie jene, die den Ausschnitt der Kamera beim Videocall stets so wählen, dass ihre wohlig-weiche Unterbekleidung nicht zu sehen ist. In der Theorie jedenfalls, denn Kontrolle und Contenance zu behalten, ist gerade nicht so einfach. Und wie schön wäre es, sich mal spontan seinen Gefühlen hinzugeben und völlig unkontrolliert einfach die nächstbeste Person zu umarmen!

Das geht derzeit nur virtuell. Wer den Kreis der umarmbaren Personen trotz Pandemie größer ziehen will, für den hat ein Start-up aus dem hessischen Gelnhausen eine Lösung: Mithilfe einer App namens Huggster werden Tele-Umarmungen möglich. Wenn man also zum Beispiel einen Freund in New York mal richtig drücken will, schickt man einfach einen virtuellen Hug und braucht dann nur noch einen Huggie im Haushalt des Freundes, ein Medium gewissermaßen, das die Umarmung physisch ausführt. Vielleicht hätte Joe Biden ja Interesse.

© SZ/nas
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