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Corona in Österreich:Österreichs Regierung beschließt dritten Lockdown

Nach Weihnachten sollen viele Geschäfte wieder schließen, die Schulen zu bleiben, und aus der geplanten Öffnung der Skigebiete wird vorerst wohl nichts. Die Tourismusbranche ist entsetzt.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

In Österreich steht, wie auch in der Schweiz, ein dritter, harter Lockdown unmittelbar bevor. Bundeskanzler Sebastian Kurz verkündete die neuen Maßnahmen am Freitagabend auf einer Pressekonferenz, aber schon Stunden zuvor waren die Fakten durchgesickert: Vom 26. Dezember an, dem "Stefanitag", sollen die seit Anfang Dezember geltenden Lockerungen, die dem zweiten Lockdown im November gefolgt waren, wieder aufgehoben werden.

Bis einschließlich 17. Januar sollen Geschäfte, "körpernahe Dienstleister" wie Friseure und Schulen geschlossen bleiben, Schüler lernen im Distanz-Unterricht. Bis 24. Januar gelten den ganzen Tag über Ausgangsbeschränkungen. Das Haus darf nur aus triftigen Gründen verlassen werden. Dazu zählt Einkaufen, ein Arztbesuch, der Gang zur Arbeit oder die Erholung im Freien. Die Lockerungen an den Weihnachtstagen werden nicht angetastet, am 24. und 25. Dezember dürfen sich bis zu zehn Personen treffen.

Kurz sagte, er wünsche sich, dass "spätestens bis Sommer" wieder Normalität erreicht sei. Kurzfristig sei das Ziel, wieder auf eine Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 100 Corona-Fällen pro 100 000 Einwohner zu kommen.

Österreich meldet nach wie vor etwa zweieinhalbtausend Neuinfektionen pro Tag, was - an der Bevölkerungszahl gemessen - nur knapp hinter den ebenfalls schlechten Werten in Deutschland rangiert; die Zahl der Todesfälle liegt, je nach Zählweise, zwischen hundert und 200 Menschen pro Tag. Kanzler Kurz und Gesundheitsminister Rudi Anschober hatten schon in den vergangenen Wochen gewarnt, ein dritter Lockdown sei eventuell nicht zu vermeiden. Nun ist es soweit.

Übernachtung nur für Leute mit negativem Testergebnis

Kurz bevor dieser erneute Lockdown dann endet, sollen erneut Massentests stattfinden; nur wer sich testen lässt und negativ ist, soll vom 18. Januar an Geschäfte, Hotels und Restaurants aufsuchen dürfen. Der Test darf dabei nicht älter als eine Woche sein.

Austria's Chancellor Kurz holds news conference in Vienna

Führt sien Land in einem zweiten Lockdown: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

(Foto: REUTERS)

Der Verzicht auf einen Test bedeute bis zum 24. Januar ganztägige Ausgangsbeschränkungen und das verpflichtende Tragen einer FFP-2-Maske etwa beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit. Auch Schüler und Lehrer ohne negativen Test müssen eine FFP-2-Maske tragen.

Die erste Runde der Massentests in den vergangenen zwei Wochen war auf wenig Interesse in der Bevölkerung gestoßen; gerade einmal ein Viertel ließ sich testen.

Vor allen in der Tourismusindustrie lösen die schlechten Nachrichten Entsetzen aus. Eigentlich war geplant gewesen, die Skigebiete mit dem Weihnachtsfeiertag wieder freizugeben; allerdings hätten Abstandsregeln, Maskenzwang und Kapazitätsbeschränkungen in den Gondeln gelten sollen. Der Beschluss zur Öffnung war gegen den Widerstand von europäischen Nachbarländern wie Italien und Deutschland gefallen; diese hatten einen EU-weit einheitlichen Verzicht auf Wintersport bis weit in den Januar hinein angeregt, um Superspreading-Events zu vermeiden, die durch den Massentourismus entstehen könnten.

Skigebiete und Tourismusverbände in Österreich hatten sich bereits auf die Wiederaufnahme des Betriebs eingestellt, der - wegen Einreisebeschränkungen - vor allem auf Einheimische und Tagestouristen abzielte. Mit "umfangreichen Hygienekonzepten" wie der regelmäßigen Desinfizierung von Gondeln, Online-Ticketkauf und entzerrtem Anstellen an Liften und Seilbahnen war um Touristen geworben worden.

Kritik an der Tourismusministerin

Ein Novum im dritten Lockdown: Über den Wintersport sollen nun offenbar die Bundesländer die Entscheidung treffen. Öffnen oder doch geschlossen lassen? Der Hotelier, Gastwirt und Wirtschaftssprecher der liberalen Neos-Partei, Sepp Schellhorn, zeigte sich empört. Während Bayern, Franzosen und Italiener bereits vor Wochen klargemacht hätten, dass es vorerst keinen Skibetrieb gebe, habe Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger am Seilbahnbetrieb vom 24. Dezember an festgehalten. Die Seilbahnbetreiber hätten seit dem 17. November entsprechende Konzepte entwickelt und Mitarbeiter eingestellt. "Pisten präparieren sich nicht von allein." Sein Betrieb habe gerade einen Ski-Kiosk als Alternative zur Skihütte aufgebaut, nun müsse er bereits bestellte Waren und Vorarbeiten abschreiben. Indem die Verantwortung über die Öffnung des Skibetriebs an die Bundesländer übertragen werde, schiebe man den Landeshauptleuten den schwarzen Peter zu. "So wird das Ganze zu einem Länder-Roulette."

© SZ/nas
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