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Kuriose Magazine:Das Impfen hat jetzt seine eigene Illustrierte

Das "pieks"-Magazin reiht sich ein in die lange Liste kurioser Special-Interest-Titel für jede nur erdenkliche Zielgruppe - vom Weihnachtsbaumhändler bis zum Hundehasser.

Von Martin Zips

Ausgabe 1
pieks - Was Sie wirklich übers Impfen wissen müssen.

Ob die Texte im neuen Impfmagazin wohl besonders spritzig sind?

(Foto: Jahr Media GmbH)

Für den Dichter Heinrich Heine waren Zeitschriften "die Pißecken der Literatur". Enerviert stellte er fest: "Alle Annoncen sind dort angeschlagen." Heine kannte die Blasen des Internets noch nicht, sonst hätte er die Zeitschriften seiner Zeit bestimmt geschätzt: Das Pfennig Magazin, Die Gartenlaube und was sonst so alles schon zu seinen Lebzeiten am Markt und voller Inserate war. Zum Beispiel für "verstellbare Kopfkissen", "photographische Apparate" oder den Aufenthalt im "Töchter-Pensionat". Das mit der Zeitschriften-Werbung läuft heute übrigens nicht mehr ganz so gut. Aber es finden sich schon noch interessante Journale, die Beef!, Landlust oder Gehirn & Geist heißen. Oft warten sie einsam in den Verkaufsständern der Supermärkte und Kioske auf ihre Leserschaft.

Nun also pieks, eine Zeitschrift allein übers Impfen. 100 Seiten, 7,90 Euro. Zum Titel erklärt der pieks-Chefredakteur (was es alles gibt!): "Die laut Duden ,falsche' Schreibweise pieks finden wir schöner, sie ist zudem vielfach im Gebrauch - deshalb bleiben wir dabei." Aha, hier geht es also nicht allzu wissenschaftlich zu. Der Chefredakteur ist übrigens auch "Chefredakteur Luftfahrt" im herausgebenden Jahr-Verlag, aber im Bereich Luftfahrt ist's ja gerade eher windstill. Was das Publikum angeht: Im Jahr 2021, keine Frage, da rockt natürlich ein Cover mit Gummihandschuh und einer Ampulle "Vaccine Covid-19", ist doch klar.

Die Autorin von fast allen Texten: eine Verena

Nach dem Editorial folgen Bilder, auf denen Menschen Mundschutz tragen oder eine Nadel im Oberarm stecken haben. Ein paar Seiten weiter dürfen der Alexander, die Manuela, die Ramona und die Kathrin erklären, warum sie sich nicht impfen lassen. Aber eigentlich müssen der Alexander, die Manuela, die Ramona und die Kathrin nur zur nächsten Seite blättern: Denn da ist ein Interview mit dem Dominic zu lesen, und der sagt, warum Impfen total sinnvoll ist. Die Impfstoffe werden erklärt, auch die Abläufe im Impfzentrum, dann geht es um die Geschichte des Impfens, um Impfausweise und die Frage: "Bringt Corona einen Babyboom?" Fast alle Texte hat die Verena geschrieben. Die Verena muss eine wirklich fleißige Frau sein.

Am meisten Hoffnung aber machen dem Leser die ganzseitigen Werbeanzeigen. Hier wird nicht nur für "Handschuhe mit wirksamen Schutz vor Viren, Bakterien, Pilzen und Keimen" geworben (kann man sofort auf einer österreichischen Webseite bestellen). Es wird auch eine besonders tolle Sonnencreme empfohlen sowie Bekleidung, die "eine hervorragende Abwehr gegen stechende und beißende Insekten" hat. Ach schön, denkt man sich da. Bald geht's also doch wieder in ferne Länder!

Nadel Journal

Auch dieses Magazin könnte "pieks" heißen: Die einzige deutsche und unabhängige Fachzeitschrift für die Weihnachtsbaum- und Schnittgrünbranche.

(Foto: Nadel Journal)

Im pieks-Verlag erscheinen übrigens auch die Angelwoche, Kutter & Küste, Mein Pferd und viele, viele andere interessante Blätter. Es gibt ja kaum ein Thema, zu dem es noch keine eigene Zeitschrift gibt. Etwa das Nadel Journal, eine "unabhängige Fachzeitschrift für die deutsche und europäische Weihnachtsbaum- und Schnittgrünbranche". Oder Muh. Für Leser, die sich "für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen" begeistern. Viel zu wenig Beachtung erfuhr zuletzt das Deguforum, ein Magazin der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufo-Forschung. Aber klar, das könnte an der relativ niedrigen Auflage gelegen haben.

Hundehasser-Zeitschrift 'Kot &Köter'

Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer verspüren angesichts dieser (mittlerweile eingestellten) Zeitschrift wohl auch so etwas wie Nadelstiche. Mindestens.

(Foto: Marcus Brandt/picture alliance / dpa)

Kot und Köter indes erregte sehr viel Aufmerksamkeit als "Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind". Wenn auch nicht ganz so viel wie die Personality-Blätter Barbara (Schöneberger), JWD (Joko Winterscheidt), Daniela (Katzenberger), Guido (Maria Kretschmer) oder Boa (Jérôme Boateng). Vielen von ihnen erging es allerdings längst so wie einst der Kinder-Hörzu ("Lieste Siehste, siehste klar"): Sie starben, still und heimlich. Aber, immerhin, das papierene Magazin WhatsApp Bibel, welches dem schon etwas in die Jahre gekommenen Leser das ebenfalls in die Jahre gekommene Phänomen "Whatsapp" erklärt, das gibt es noch! Jetzt in Ihrer Trafik. Steht gleich neben pieks. Bitte bleiben Sie gesund.

© SZ/nas
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