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Großbritannien:Sind Eier im Wurstmantel eine richtige Mahlzeit?

Ein hartgekochtes Ei wird in Wurstbrät gehüllt, in Semmelbröseln gerollt und frittiert - fertig ist das Scotch Egg.

(Foto: Matthew Mead/AP)

Die Briten verheddern sich in ihren Corona-Ausnahmeregelungen - und müssen jetzt erst mal klären, ob "Scotch Eggs" mehr sind als ein Snack.

Von Alexander Menden

In der vergangenen Woche feierte die britische Regierung ihre Entscheidung, den Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus als erstes Land der Welt zuzulassen, als hätte sie ihn selbst erfunden. Der Druck, irgendeine gute Nachricht im Zusammenhang mit der Pandemie zu verkünden, war hoch. Denn der Umgang des Premierministers Boris Johnson mit der Corona-Herausforderung ist bisher vor allem von einem verwirrenden Schlingerkurs geprägt, mit wechselnden Infektions-Klassifizierungen sowie schwer nachvollziehbaren Ausnahmeregelungen für Lockdown-Maßnahmen (Beispiel gefällig? "Hochklassige Business-Reisende" werden künftig bei der Rückkehr aus Risikogebieten von den Quarantänevorgaben ausgenommen, damit sie rasch wieder "zur Wirtschaft beitragen" können.)

Dazu passt nun auch die Kehrtwende, die Vizepremier Michael Gove jüngst im Zusammenhang mit einer britischen Snack-Spezialität vollzog.

Nachdem alle Restaurants und Gaststätten ohne Abhol- oder Lieferservice im zweiten landesweiten Lockdown hatten schließen müssen, ist jetzt für bestimmte Gegenden mit geringeren Infektionszahlen, den sogenannten "Stufe 1"- und "Stufe 2"-Regionen, der Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt. Allerdings, und damit beginnt der ganze Schlamassel, besagt eine zentrale Auflage, dass Alkohol nur zusammen mit einer "gehaltvollen Mahlzeit" ausgeschenkt werden darf.

Scotch Eggs? Eher eine Vorspeise, sagt Gove

Eine solche Mahlzeit ist laut der Richtlinie "ein umfassendes Frühstück, Mittagessen mit Hauptgang oder warmes Abendessen". Sie müsse als "Tischmahlzeit" serviert werden, die wiederum - volle Konzentration, bitte - folgendermaßen definiert ist: "Eine Person, die an einem Tisch, an einer Theke oder einer anderen Struktur sitzt, die den Zweck eines Tisches erfüllt und nicht zum Servieren von Erfrischungen für Personen verwendet wird, die nicht an einem Tisch oder einer Struktur sitzen, die den Zweck eines Tisches erfüllt."

So weit, so verwirrend.

Michael Gove antwortete jedenfalls auf die Frage eines Radiomoderators, ob es sich bei einem Scotch Egg auch um eine "gehaltvolle Mahlzeit" handele: "Soweit es mich betrifft, sind zwei Scotch Eggs eher eine Vorspeise."

Dazu sollte man wissen, dass das Scotch Egg trotz seines Namens nicht aus Schottland stammt, sondern wohl im Hafenstädtchen Whitby in Yorkshire erfunden wurde. Ob der Name vom ersten Metzger stammt, der diese Köstlichkeit verkaufte - einem Mr. Scott - oder weil das Herstellen von Fleischpaste auch "scotching" heißt, ist umstritten. Das Rezept aber ist denkbar einfach: Ein hartgekochtes Ei wird in Wurstbrät gehüllt, in Semmelbröseln gerollt und frittiert - fertig. Neben dem Supermarkt-Sandwich und den Chips mit Essiggeschmack ist das Scotch Egg der britische Zwischendurch-Snack, gilt aber bei Empfängen auch als akzeptables Fingerfood. Die meisten Pubs halten - neben im Metallkorb servierten Pommes - als Begleitung zum Pint am ehesten Scotch Eggs bereit.

Pubs und Imbisse kooperieren

Hinter den Kulissen der Regierung muss es dann Verwerfungen gegeben haben, denn Michael Gove ruderte nicht einmal eine Stunde nach seinem Radiointerview zurück. Im Fernsehsender ITV erklärte er: "Ich selbst würde zwar immer mindestens zwei Scotch Eggs essen, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte, aber ein Scotch Egg ist auf jeden Fall eine gehaltvolle Mahlzeit."

Kurzum: Bierkonsum ist nun also in Begleitung eines Scotch Egg statthaft. Ohnehin kooperieren zahlreiche englische Pubs mittlerweile mit Imbissen, die ihre Mahlzeiten anliefern. Dadurch werden sowohl die Regeln für gehaltvolle Tischmahlzeiten eingehalten, als auch zwei Betriebe am Laufen gehalten.

Was es in nächster Zeit allerdings eher nicht geben wird, sind Menüs wie jenes, das eine legendäre Tafel vor dem Black Lion Pub in West Hampstead bewarb. Auf ihr stand Woche für Woche dieselbe Ankündigung: "Tagessuppe: Bier".

© SZ/moge
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