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Corona-Falschmeldungen:Die 5G-Verschwörung

Nein, der neue 5G-Mobilfunkstandard löst keine Lungenentzündung aus.

(Foto: Nicolas Asfouri/AFP)

In Großbritannien werden Handymasten angezündet, weil der neue Mobilfunkstandard angeblich Covid-19 auslöst. Die Regierung kämpft verzweifelt gegen die Falschmeldungen an.

Selbst einer der wichtigsten medizinischen Berater der britischen Regierung, Stephen Powis, hatte am Wochenende genug: Diese absurde Geschichte, das 5G-Netz sei schuld an der Ausbreitung des Coronavirus, sei "absoluter Unsinn, die schlimmste Art von Fake News". Auch das Ministerium für Digitales und Medien sah sich genötigt, massiv zu intervenieren: Es gebe "absolut keinen einen einzigen glaubhaften Hinweis auf eine ursächliche Verbindung zwischen dem neuen Mobilfunkstandard und Covid-19". Kabinettsminister Michael Gove wiederholte die Botschaft, die Regierung verschickte sie per Twitter, Dutzende Webseiten, die Fake News aufspüren, schrieben dagegen an - aber die Verschwörungstheorien im Netz wabern weiter.

Ursache der aktuellen Aufregung im Königreich waren Attacken gegen Ingenieure und Bauarbeiter sowie Brandanschläge auf Funkmasten gewesen, die sich laut einem Bericht des Guardian in den vergangenen Tagen ereignet haben. Allein im Raum Birmingham habe die Feuerwehr mehrmals ausrücken müssen, um Feuer zu löschen, die an den turmhohen Masten gelegt worden waren, aber auch anderswo auf der Insel mehrten sich Berichte über tätliche Angriffe auf Menschen, die mit dem 5G-Ausbau zu tun haben.

Auch Mobile UK, eine Organisation von Netzanbietern, berichtete von Übergriffen auf Mitarbeiter. Zahlreiche Telefonfirmen gingen an die Öffentlichkeit und mahnten, gerade in Zeiten der Corona-Krise, in der Millionen Menschen besonders auf ein funktionierendes Internet und gute Kommunikationsmöglichkeiten angewiesen seien, sei es besonderer Wahnsinn, solchen Verschwörungstheorien zu verfallen und Infrastruktur zu zerstören.

Absurde Theorien

Hintergrund für die Angriffe sind verschiedenste Gerüchte darüber, dass 5G entweder dazu beitrage, das Virus zu verbreiten, indem es etwa die Zellen schädige und wehrlos mache, oder aber dass das Virus als Vertuschungsmanöver diene, um die gesundheitlichen Schäden durch 5G-Strahlen zu verschweigen. 5G sei, heißt es unter anderem, am 1. November 2019 in China gestartet worden. "Sofort fielen Menschen tot um." In Afrika gebe es keine Corona-Toten, weil es dort kein 5G-Netz gebe.

Diese Verschwörungstheorien werden unter anderem über Social-Media-Accounts von Anti-5G-Aktivisten verbreitet, aber auch Prominente wie US-Star Woody Harrelson oder der britische B-Promi Jason Gardiner haben entsprechende Posts geteilt. Das Boulevardblatt Sun titelte dazu in gewohnter Unverblümtheit: "Idioten fackeln Funkmasten ab". Die Weltgesundheitsorganisation WHO formuliert kürzer - und eleganter: Bei diesen kruden Theorien handele es sich nicht um eine Pandemie, sondern um eine "Infodemie".

© SZ/nas

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