bedeckt München 29°

Berlin:Endlich wieder Publikum

The spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Germany

Perfekte Selfie-Pose: Die Elefanten im Zoologischen Garten scheinen sich zu freuen, dass endlich mal wieder jemand zum Fotografieren vorbeischaut.

(Foto: Axel Schmidt/Reuters)

Nach mehr als sechs Wochen Corona-Pause haben Zoo und Tierpark wieder geöffnet - aber nur für Leute, die sich rechtzeitig um ein Ticket gekümmert haben.

Ganz wie früher ist es noch nicht am Zoologischen Garten. Kein Gedränge auf dem Platz vor dem markanten Elefantentor, keine Schlangen an der Kasse. Und doch ist im Westen von Berlin ein Stück Normalität zurückgekehrt - der Berliner Zoo hatte am Dienstag nach mehr als sechs Wochen Corona-Zwangspause erstmals geöffnet. Man kann nun wieder am Affenfelsen stehen oder den Elefanten zugucken. Oder sich einfach nur daran freuen, dass eine Berliner Institution wieder frei zugänglich ist.

Fast jedenfalls. Wer am Dienstag bei strahlendem Frühlingswetter in den Zoo wollte, kam erst an einem Stand vorbei, an dem ein Mitarbeiter mit Gesichtsschutz die Tickets abscannte. Die musste man vorab im Internet buchen, für einen bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit. Denn es dürfen nur etwa 4000 Menschen in den Zoo, die eine Hälfte am Vormittag, die andere am Nachmittag. Etwas mehr sind es im Tierpark im Osten der Stadt, der Besuchern nun ebenfalls wieder offen steht.

Picknick verboten

Die positiven Seiten eines Zoobesuchs zu Pandemie-Zeiten: So viel Platz hatte man früher nicht vor dem Seelöwen-Becken.

(Foto: Tobias Schwarz/AFP)

Auch sonst ist der Zoo-Alltag, wie man ihn aus alten Zeiten kennt, weit entfernt. Aquarium, Streichelzoo und etliche Tierhäuser sind geschlossen, die Pfleger tragen Mundschutz, und immer wieder mahnt ein weißes Schild mit einem roten Herz darauf: "1,5 Meter Abstand". Zoodirektor Andreas Knieriem sagte dem RBB, man werde genau beobachten, ob die Leute verbotenerweise Picknicks machten oder sich vor den Gehegen drängelten. Man habe in den vergangenen Wochen allerdings in Berlin beobachten können, wie diszipliniert die Leute sich an die Regeln hielten.

Der Ansturm ist dennoch riesig, was man daran merkt, wie schnell die Tickets im Internet weggingen, für die kommenden zehn Tage wurden bereits 16 000 verkauft. Der Zoo war schließlich schon immer ein Ort, mit dem sich die Berlinerinnen und Berliner in Krisenzeiten besonders verbunden fühlten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg etwa das legendäre Flusspferd Knautschke Hunger litt, brachten die Leute Futterspenden vorbei, obwohl sie selbst kaum zu essen hatten.

Dementsprechend positiv fällt die Bilanz des Zoos aus. Der erste Tag sei "sehr harmonisch, verständnis- und rücksichtsvoll" gewesen.

Die Pandabären Pit und Paule im Berliner Zoo

Die Publikumslieblinge Pit und Paule sind derzeit nicht zu sehen - zu groß wäre die Massenansammlungsgefahr.

(Foto: Zoologischer Garten Berlin/Reuters)

Wie vertreibt man Bären die Langeweile?

Und die Tiere? In den vergangenen Wochen gab es Berichte, dass sich die Zoobewohner langweilten, so ganz ohne Menschen. So reckten im Frankfurter Zoo Giraffen und Erdmännchen wohl häufiger als sonst ihre Köpfe, wenn sie einmal einen Menschen sahen, im Tierpark Hagenbeck warteten die Elefanten am Rand des Geheges auf Zuschauer. Andere Zoos posteten Videos, wie man Bären nach ihrem Essen graben lässt, um sie bei Laune zu halten, und Affen mit Stöckchenspielen beschäftigt. Die Tiere hätten es wohl gemerkt, dass nun wieder Menschen da sind, heißt es aus dem Berliner Zoo, sich allerdings nicht auffällig darüber geäußert. "Im Laufe der Woche wird das wieder die neue Gewohnheit sein."

Nur eines ist anders als früher. Berlins Publikumslieblinge, die Panda-Zwillinge Pit und Paule, werden erst mal nicht zu sehen sein.

© SZ/nas
Not Aus Schalter an einer Maschine Deutschland emergency switch Germany BLWS462005 Copyright xbli

SZ Plus
Zeitgeist
:Diese Krise ist anders

Man habe nur den Pause-Knopf gedrückt: So wird die jetzige Situation gerne beschrieben. Doch wer glaubt, die Gesellschaft würde anschließend einfach wieder weiterlaufen, der irrt.

Von Thomas Steinfeld

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite