Verleumdungsklage in LondonSpielerfrau verliert gegen Spielerfrau

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Es ging im Fall "Wagatha Christie" um intime Details, um einen Maulwurf und um Verrat: Nun hat ein Gericht in London die Verleumdungsklage von Rebekah Vardy gegen Coleen Rooney abgewiesen.

Von Anna Fischhaber

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"Mit Coleen zu streiten ist, wie mit einer Taube zu streiten. Du kannst ihr sagen, dass du recht hast und dass es falsch ist, aber sie wird dir trotzdem in die Haare scheißen." Es sind auch die unglaublichen Sprüche, die von diesem unglaublichen Streit in Erinnerung bleiben. Fast drei Jahre dauert die Auseinandersetzung schon zwischen Spielerfrau Coleen Rooney, 36 Jahre alt, 924 452 Follower auf Instagram (Stand: Freitagvormittag) und Spielerfrau Rebekah Vardy, 40 Jahre, 409 757 Follower, die, natürlich, in den sozialen Medien begann und vor dem High Court in London nun ein Ende mit dem recht eindeutigen Sieg Rooneys gegen Vardy fand.

Aber schon vor dem Urteil stand der eigentliche Gewinner fest: Für den boulevardbegeisterten britischen Medienzirkus war dieser Prozess natürlich ein Fest. Die Daily Mail etwa stellte am Freitag noch einmal die "zehn schockierendsten Momente" dieses Streits zusammen (auch die Taube kommt vor).

Anlass des Verfahrens zwischen der Ehefrau von Leicester-City-Stürmer Jamie Vardy und der Gattin des britischen Rekordtorschützen Wayne Rooney war, wie könnte es anders sein, ein Social-Media-Post. Rooney warf darin ihrer einstigen Freundin vor, mit der Klatschpresse gemeinsame Sache zu machen und intime Details durchgestochen zu haben. Nun ist die Frau wahrscheinlich daran gewöhnt, in der Öffentlichkeit zu stehen, doch Geschichten wie die, dass sie nach der Geburt ihres dritten Kindes die eigene Plazenta in Pillenform schluckte, waren offenbar selbst ihr zu privat. Sie vermutete einen Maulwurf und ging bei der Suche nach diesem äußert gerissen vor. Sie postete erfundene Geschichten auf Instagram und blockte sie für alle Follower, bis auf eine: Vardy.

Von den britischen Medien wurde sie daraufhin "Wagatha Christie" getauft - ein Wortspiel aus wags, englisch für Spielerfrauen, und der Krimi-Autorin Agatha Christie. Rooneys Timing bei der Auflösung des Falls war dann nicht ganz so Miss-Marple-würdig. Als sie im Oktober 2019 via Twitter verkündete "Es war ... Rebekah Vardys Account", war die einstige Freundin gerade in anderen Umständen. Also antwortete Vardy: "Ich habe dich echt gemocht, Coleen, und ich bin sehr traurig, dass du dich entschieden hast, dies zu tun, vor allem wenn ich hochschwanger bin." Dazu gab es ein zerbrochenes Herz-Emoji - und eine Verleumdungsklage. Ihr Anwalt erklärte, ihrem Ruf sei "ernsthafter Schaden zugefügt" worden, Rooney habe "ihre Fangemeinde zur Waffe gemacht".

"Nichtsdestotrotz zeigen die Beweise meiner Meinung nach eindeutig, dass Mrs Vardy von diesem Verhalten wusste"

Das Gericht hat diese Klage nun abgewiesen. In dem Verfahren ging es, wie der Guardian schreibt, hauptsächlich um die simple Frage, ob Rooney ihre Behauptung untermauern kann, dass Vardy der Maulwurf war. Sie konnte offenbar, auch wenn sich die Beweisaufnahme recht kurios gestaltete.

Vardy beschuldigte ihre PR-Agentin, ohne ihr Wissen intime Details von Rooney ausgeplaudert zu haben. Die Mitarbeiterin sei aber so krank, dass sie vor Gericht nicht aussagen könne. Ihr Handy mit potenziell wichtigen Whatsapp-Nachrichten liege - leider, leider - auf dem Grund der Nordsee. Rooneys Anwalt wiederum warf Vardy vor, Beweismaterial vernichtet zu haben, vor Gericht zu lügen und alle Schuld auf einen Sündenbock zu schieben.

Die Gerichtszeichnung vom Mai zeigt, wie der Anwalt von Coleen Rooney (rechts) deren einstige Freundin Rebekah Vardy (links) befragt.
Die Gerichtszeichnung vom Mai zeigt, wie der Anwalt von Coleen Rooney (rechts) deren einstige Freundin Rebekah Vardy (links) befragt.
Elizabeth Cook/dpa

Auch das Gericht hielt die Geschichte mit dem Handy nicht für besonders glaubwürdig. Es sei "wahrscheinlich", dass Vardys ehemalige Agentin die Geschichten über Rooney an eine Boulevardzeitung weitergereicht habe, hieß es nun in der Urteilsbegründung von Richterin Karen Steyn. "Nichtsdestotrotz zeigen die Beweise meiner Meinung nach eindeutig, dass Mrs Vardy von diesem Verhalten wusste und es billigte." Sie habe ihrer Mitarbeiterin sogar Screenshots von Rooneys Beiträgen geschickt und auf Themen aufmerksam gemacht, die für die Klatschpresse interessant sein könnten. Nun wird es für sie teuer: Die Nachrichtenagentur PA schätzt die Gerichtskosten auf drei Millionen Pfund (3,57 Mio Euro). Den Großteil wird Vardy tragen müssen.

Womöglich gibt es bald eine Fortsetzung, mehrere Fernsehprojekte sollen in Arbeit sein

Nebenbei erfuhren die britischen Leserinnen und Leser während des Prozesses, was die Frauen vor Gericht trugen - Chanel, McQueen (Vardy), Marant, Zara (Rooney) -, wie es um Peter Andrés Potenz bestellt ist (Vardy soll vor 18 Jahren einer Boulevardzeitung erzählt haben, dass sie einen One-Night-Stand mit dem Sänger hatte) und zahlreiche andere pikante Details aus dem Leben zweier Spielerfrauen.

Fast zwei Monate lang wurde vor Gericht gestritten und geschimpft. Bisweilen bekam man den Eindruck, der High Court sei eine Art Bühne. Doch nun hatte Richterin Steyn offenbar genug von dem Drama - so mutmaßt es zumindest der Guardian. Anstatt ihr Urteil dem Gericht zu übergeben und alle Anwälte, Spielerfrauen, Fans, Journalistinnen ein letztes Mal zusammenzubringen, wurde es einfach um die Mittagszeit online gestellt.

Womöglich ist der Streit der Spielerfrauen nun beendet. Coleen Rooney, deren Ehemann Wayne mittlerweile Trainer in den USA ist, will mit dem Fall abschließen. "Obwohl ich Mrs Vardy nicht böse bin, macht das heutige Urteil deutlich, dass ich mit dem, was ich in meinen Posts vom Oktober 2019 geschrieben habe, recht hatte", teilte sie mit. Womöglich gibt es aber auch bald eine Fortsetzung. Mehrere Fernsehprojekte sollen bereits in Arbeit sein, wie der Guardian schreibt. Und auch die britische Klatschpresse wird sicher wieder berichten. Taubendreck inklusive.

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Spielerfrauen
:Ein Fall für Wagatha Christie

Mit akribischer Detektivarbeit überführte Coleen Rooney einst ihre Freundin Rebekah Vardy des angeblichen Vertrauensbruchs. Der Rosenkrieg der beiden britischen Spielerfrauen findet jetzt sein Finale vor Gericht.

Von Silke Wichert

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