Chronologie im Fall Tuğçe:Tod vor dem Schnellrestaurant

Fast sieben Monate ist es jetzt her, dass die Studentin Tuğçe Albarak in Offenbach zu Tode kam. Eine Chronologie der Ereignisse in dem Fall.

Im November 2014 wurde Tuğçe Albayrak auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants im hessischen Offenbach zu Boden geschlagen - und starb einige Tage später an den Folgen der Attacke. Sieben Monate später geht vor dem Landgericht in Darmstadt der Prozess gegen den 18-jährigen Angeklagten Sanel M. zu Ende. Er hat zugegeben, die Studentin geschlagen zu haben, doch es ist strittig, ob er damit rechnen musste, dass das Opfer infolge des Sturzes zu Tode kommen konnte. Eine Chronologie der Ereignisse in dem Fall:

15. November 2014: Die 22-jährige Tuğçe Albayrak wird nach einem Streit auf dem Parkplatz eines Fastfood-Restaurants in Offenbach mit einem Schlag niedergestreckt. Sie schlägt mit dem Kopf auf dem Boden auf. Der 18 Jahre alte Sanel M. wird festgenommen. Die ersten Ermittlungen ergeben, dass Tuğçe versucht haben soll, einen Streit zu schlichten und zwei jüngeren Mädchen zu Hilfe kam.

26. November 2014: Nach tagelangem Koma im Krankenhaus stellen Ärzte den Hirntod der jungen Frau fest.

28. November 2014: Tuğçes Eltern lassen die lebenserhaltenden Apparate abschalten - am 23. Geburtstag ihrer Tochter. Vor der Klinik in Offenbach versammeln sich etwa 1500 Menschen und nehmen Abschied.

1. Dezember 2014: Die Polizei findet nach tagelanger Suche die Mädchen, denen Tuğçe vor der tödlichen Attacke geholfen haben soll.

3. Dezember 2014: Tuğçe wird beigesetzt.

3. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage. Sie wirft dem mutmaßlichen Schläger Körperverletzung mit Todesfolge vor.

24. April 2015: Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Darmstadt räumt der Angeklagte den Angriff auf Tuğçe ein. "Es tut mir unendlich leid, was ich gemacht habe. Ich kann mir gar nicht vorstellen, welches Leid ich damit der Familie angetan habe", sagt Sanel M. vor Gericht.

27. April 2015: Vier Freundinnen des Opfers sagen aus und verwickeln sich vor Gericht in Widersprüche. Am Ende räumen sie ein, bei dem Streit im Schnellrestaurant ebenfalls gepöbelt und die Gruppe um Sanel M. beleidigt zu haben.

8. Mai 2015: Im Prozess erhebt ein Zeuge Vorwürfe gegen das Opfer: Tuğçe soll Sanel M. provoziert haben.

29. Mai 2015: Die Verteidiger des mutmaßlichen Schlägers halten den Vorsitzenden Richter für befangen. Das Verfahren wird aber zunächst fortgesetzt.

3. Juni 2015: Der Befangenheitsantrag gegen den Richter wird abgelehnt, die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Nach dem Gutachten eines Rechtsmediziners starb Tuğçe an einer Hirnblutung. Sie sei Folge eines schweren Sturzes gewesen.

10. Juni 2015: Das Oberlandesgericht Frankfurt verwirft eine Beschwerde gegen die Untersuchungshaft für den Angeklagten. Weil Sanel M. in Deutschland massiv bedroht werde, sei zu befürchten, dass er sich ins Ausland absetze, heißt es unter anderem in der Begründung.

12. Juni 2015: Die Staatsanwaltschaft fordert eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Verteidigung plädiert auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Sanel M. sagt in seinem Schlusswort, die Tat tue ihm leid, sie sei "der schlimmste Fehler" seines Lebens.

16. Juni 2015: Der Angeklagte wird vom Landgericht Darmstadt zu drei Jahren Jugendhaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Bei dem 18-Jährigen sei keine "günstige Sozialprognose" zu erkennen, stattdessen aber durchaus "schädliche Neigungen", sagt der Richter. Zudem bestünden "erhebliche Erziehungsdefizite". Die Verteidigung von Sanel M. kündigt an, das Urteil anzufechten.

17. Juni 2015: Das Bundespräsidialamt erklärt, dass Tuğçe doch nicht posthum mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werde. Die Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Im Prozess hatte sich nicht zweifelsfrei feststellen lassen, ob Tuğçe vor der Tat zwei Mädchen vor dem Angreifer beschützte und Zivilcourage bewies. Nicht einmal, ob diese Mädchen überhaupt Hilfe brauchten.

© SZ.de/dpa/olkl/afis
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