Chronologie des Falles Hussein K. Wie der Prozess gegen Hussein K. verlief

5. September 2017: Der Prozess beginnt

Am ersten Tag des Gerichtsprozesses erzählt Hussein K. erstmals von sich. Er gibt zu, falsche Angaben zu seinem Alter gemacht zu haben. Sein Leben in Freiburg soll von Alkohol und Drogen geprägt gewesen sein. Der Prozess ist öffentlich, außer als es um die Sexualität von Hussein K. geht. Der Angeklagte hatte einem Gutachter erklärt, er sei in einer Koranschule von den Taliban missbraucht worden.

11. September 2017: Überraschendes Geständnis

Hussein K. gesteht, Maria L. vergewaltigt und getötet zu haben. Er habe sie mit einem Schal gewürgt, dann habe er sich an ihr vergangen. Ein Kriminaloberkommissar belastet Hussein K. schwer: Er soll in der Tatnacht mehrere Frauen belästigt haben. Zudem soll Hussein K. einem Mitinsassen im Gefängnis erzählt haben, dass er in Iran als 14-Jähriger ein zwei Jahre jüngeres Mädchen vergewaltigt habe. Der Polizist sagt auch aus, dass Hussein K. seit seiner Verhaftung zweimal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. In der Freiburger Uniklinik war er wegen psychischer Probleme im Frühjahr 2016 viermal - auch medikamentös - behandelt worden.

Kriminalität Wie Polizisten das Handy des Tatverdächtigen auslasen
Freiburger Mordprozess

Wie Polizisten das Handy des Tatverdächtigen auslasen

Eine israelische Firma half Ermittlern, das Smartphone von Hussein K. zu knacken. Er soll die Freiburger Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet haben. Sein Geständnis erscheint nun fragwürdig.   Von Katharina Kutsche und Hakan Tanriverdi

10. Oktober 2017: Pflegefamilie von Hussein K. sagt aus

Die Pflegemutter von Hussein K. kennt die afghanische Kultur und ist im Umgang mit jungen Geflüchteten erfahren. Seit Ende 2015 war sie als ehrenamtliche Helferin tätig. Als sie Hussein K. kennenlernte, habe sie ihren Mann, einen 61-jährigen Kinderarzt, überzeugt, ihn als Pflegesohn aufzunehmen.

14. November 2017: DNA von Hussein K. am Tatort nachgewiesen

Hussein K. versucht zum dritten Mal Suizid zu begehen. An vielen Beweisstücken, die vom Tatort stammen, ist genetisches Material des Angeklagten nachgewiesen worden. Mittlerweile sind zwei Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat älter als 21 Jahre alt war.

2. März 2018: Psychiatrisches Gutachten

Das Gutachten des forensischen Psychiaters beschreibt Hussein K. als manipulative Person mit psychopatischen Zügen. Der Angeklagte habe im Prozess auf eine traumatische Kindheit verwiesen und angegeben, er sei vergewaltigt worden. In der Tatnacht sei er betrunken gewesen und habe sein Opfer nicht gezielt ausgewählt. Doch sämtliche Versuche, die Tat zu entschuldigen oder seine Schuld zu schmälern, seien nicht überzeugend, so der Gutachter. Hussein K. sei nicht traumatisiert und nicht psychisch krank, seine Suizidversuche in Haft seien nicht ernst zu nehmen. Der Gutachter spricht sich dafür aus, dass der Angeklagte nach der Haft in Sicherungsverwahrung kommt.

9. März 2018: Staatsanwalt und Nebenklage fordern Höchststrafe

Oberstaatsanwalt Eckart Berger fordert im Mordprozess gegen Hussein K. lebenslange Haft, Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Anordnung der Sicherungsverwahrung. Es ist die höchste Strafe, die das deutsche Recht vorsieht. Eine Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren wäre dann ausgeschlossen.

12. März 2018: Verteidiger fordert Therapie für Hussein K.

Pflichtverteidiger Sebastian Glathe fordert kein bestimmtes Strafmaß, legt für den Angeklagten aber eine Psychotherapie nahe. In seinem Plädoyer merkt Glathe an, dass eine Verurteilung wegen Mordes und Vergewaltigung auch nach Jugendstrafrecht rechtlich möglich sei. Für die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie die Anordnung der Sicherheitsverwahrung fehle die Grundlage.

22. März 2018: Urteil

Als das Landgericht Freiburg das Urteil verkündet, wird im vollbesetzten Saal geklatscht. Hussein K. hat die Höchststrafe bekommen. Wegen des Mordes ist er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ordneten die Sicherungsverwahrung an. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Vor Gericht Wer bist du?

Hussein K. vor Gericht

Wer bist du?

In Freiburg wird die Studentin Maria L. vergewaltigt und in einem Fluss ertränkt. Über ihren Mörder Hussein K. sagt seine Pflegemutter vor Gericht: Er war aufgeschlossen, bestens integriert, hatte alle Chancen. Eine Geschichte über die Grenzen der Willkommenskultur.   Von Josef Kelnberger