Cholera in Haiti:Epidemie erreicht Port-au-Prince

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Mehr als 250 Menschen sind in Haiti bereits an der Cholera gestorben, nun droht die Seuche auf die Hauptstadt überzugreifen.

Peter Burghardt

Die Cholera-Epidemie in Haiti hat bereits mehr als 250 Menschen getötet und nun die Hauptstadt Port-au-Prince erreicht. Am Montag wurden 253 Tote und 3115 Erkrankte gemeldet. Die Vereinten Nationen bestätigten am Sonntag, dass fünf der Fälle Port-au-Prince betreffen, allerdings hätten sich die Infizierten in der Gegend von Artibonite angesteckt.

Neuneinhalb Monate nach dem verheerenden Erdbeben ist nun die Cholera in Haiti ausgebrochen. (Foto: AP)

"Sie wurden schnell isoliert", sagte UN-Sprecherin Imogen Wall. Die haitianischen Behörden riefen den Notstand aus, Jocelyne Pierre-Louis vom Gesundheitsministerium versuchte zu beruhigen: "Die Situation ist unter Kontrolle. Die Bevölkerung soll nicht in Panik ausbrechen, sondern die hygienischen Maßnahmen respektieren." Dennoch nannten die UN die Entwicklung "sehr beunruhigend."

Bekannt geworden war der Ausbruch der Seuche Ende vergangener Woche. Behörden und internationale Organisationen versuchen nun, ein weiteres Übergreifen auf Port-au-Prince zu verhindern. Neuneinhalb Monate nach dem Erdbeben mit 250.000 Toten leben dort mehr als eine Million Menschen in Zeltlagern in prekären Verhältnissen. Würde sich die Cholera in den Camps ausbreiten, dann wären die Folgen katastrophal.

Die Bakterien werden durch verunreinigtes Wasser übertragen, sie verursachen schweren Durchfall und heftiges Erbrechen. Ohne intravenöse Zufuhr von Flüssigkeit und Mineralien trocknet der Körper aus, was schnell zum Tode führen kann. Präsident René Préval reiste in das Krisengebiet und versicherte, die Krankheit sei "importiert" worden, vermutlich über einen Fluss. Man werde "die notwendigen Vorkehrungen ergreifen". Das Nachbarland Dominikanischen Republik verbietet fürs erste die Einfuhr von Lebensmitteln aus Haiti.

Zentrum der Not ist die Stadt SaintMarc, Patienten werden dort auch vor dem überfüllten Krankenhaus behandelt. Das Rote Kreuz, Unicef und andere Helfer liefern Medikamente, Seife, Zelte und Tabletten zur Desinfektion von Trinkwasser, Care bereitet eine Hygienekampagne vor. Die UN-Schutztruppe Minustah soll bei der Verteilung der Hilfsgüter helfen.

"Es wird sehr, sehr gefährlich werden", fürchtet Claude Surena, Präsident der haitianischen Medizinischen Gesellschaft. Die US-Vereinigung Food for the Poor beschuldigt Haitis Regierung und ihre Partner, zu wenig Vorkehrungen getroffen zu haben. Derweil erreichte die Halbinsel eine neue Schreckensmeldung: US-Forscher glauben, in Port-au-Prince stehe ein weiteres Beben bevor.

© SZ vom 25.10.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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