Chinesisches Neujahr:Party im Zeichen des Hundes

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Folk artists perform a fire dragon dance under a shower of sparks from molten iron, ahead of the Chinese Lunar New Year, in Shangqiu

Künstler tanzen ins chinesische neue Jahr.

(Foto: REUTERS)

Am 16. Februar beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das neue Jahr. Über kleine Teigtaschen, Familientraditionen und die zwölf Tiere, die zu Gott kamen.

Von Jing Wu

Schon am Vormittag hatte Yunzhe Li mit seinen Eltern die kleinen Teigtaschen geformt. Dann ruhten sie akkurat aneinandergereiht unter Alufolie auf dem Küchentisch. Gefüllt sind die chinesischen Spezialitäten mit Lamm- und Schweinefleisch, am Abend wurden sie im Wasser kurz gekocht und dann serviert. Wie viele es wohl waren? Yunzhe weiß es nicht genau. "Vielleicht 60, vielleicht 70, vielleicht auch mehr", erzählt der 21-Jährige im Chat und lacht. Eigentlich studiert er Weinbau in der Inneren Mongolei, für das Fest hat er die gut zwölfstündige Bahnfahrt auf sich genommen und ist zu seiner Familie in die Provinz Shanxi gefahren.

Das Neujahrsfest wird nicht nur in China, sondern in vielen ostasiatischen Ländern gefeiert. Das Datum richtet sich nach dem Lunisolarkalender, orientiert sich also an Sonne und Mond. 2018 fällt der zweite Neumond nach der Wintersonnenwende in China auf den 16. Februar - und läutet damit an diesem Tag das neue Jahr ein.

Das Neujahrsfest, auch Frühlingsfest genannt, ist der wichtigste Feiertag in China. Schon Wochen vorher drängen sich die Menschenmassen an Bahnhöfen und Flughäfen, auf den Autobahnen herrscht Dauerstau. Jeder, der es irgendwie einrichten kann, verbringt das Fest mit seiner Familie. Viele Chinesen sparen zu diesem Zweck ihren gesamten Jahresurlaub auf, denn Neujahr wird nicht nur an einem Tag gefeiert, vielmehr ziehen sich die Festlichkeiten über mehrere Wochen.

Auch Yunzhe ist schon seit gut zwanzig Tagen zuhause. Am Abend hat er mit seinen Eltern und seiner Oma Silvester gefeiert. Neben den Teigtaschen haben sie Fisch gegessen, Grasfisch, Degenfisch, the same procedure as every year. "Damit man im nächsten Jahr im Überfluss lebt", erklärt Yunzhe - das chinesische Wort für Fisch (yú) wird genauso ausgesprochen wie das chinesische Wort für Überfluss. Hund hingegen wird auch zum Jahr des Hundes in den meisten Haushalten nicht auf den Tisch kommen - entgegen des immer noch verbreiteten Klischees. "Sowas essen wir nicht, das ist grausam", meint Yunzhe.

Neben einem ausgedehnten Essen haben auch dieses Jahr wieder Millionen Chinesen den Fernseher eingeschaltet und sich die Silvestergala des chinesischen Staatssenders CCTV angeschaut, eine Gala bestehend aus Gesangs- und Tanzeinlagen, Zaubertricks, Comedy und - in diesem Jahr - vielen Wortspielen bezüglich der bellenden Vierbeiner.

Das neue Jahr des Hundes löst das jetzige Jahr des Hahns ab. Zwölf Tiere sind insgesamt in den chinesischen Tierkreiszeichen vertreten. Einer Legende zufolge soll Gott einst alle Tiere zu sich eingeladen haben. Diejenigen zwölf Tiere, die zuerst bei ihm angekommen sind, hat er im Tierkreis verewigt.

Hier liegt übrigens auch der Grund, warum Katzen Jagd auf Ratten machen: Der Legende nach waren die beiden einst gute Freunde und beschlossen, gemeinsam zu Gott zu gehen, um sich einen Platz im Tierkreis zu sichern. Jedoch versäumte es die Ratte, die Katze am entsprechenden Tag zu wecken. Die Katze verschlief also die Einladung und ist daher nicht im chinesischen Horoskop enthalten.

Zum Neujahrsfest sieht man auf den Straßen und in den Häusern überall rote Laternen. Diese sollen Glück bringen. Überhaupt steht rot in China für alles Positive, für Wohlstand und Frieden. Viele Leute tragen rote Unterwäsche, dekorieren das Haus mit roten Schriftzügen auf Papierbändern, Kinder erhalten Geldgeschenke in roten Tüten, die sogenannten hóngbāo.

Auch Yunzhe wird von seinen Eltern ein hóngbāo erhalten, irgendwo ist er ja immer noch Kind. Das Wichtigste für ihn sind aber nicht die Geldgeschenke. "Das Schönste ist, dass man mit der Familie zusammen ist und es so viel Leckeres zu essen gibt", sagt er und fügt dann hinzu: "Und das Feuerwerk ist auch nicht schlecht".

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