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China:Tödliches Fläschchen

Zwei Babys durch sind in China durch gepanschtes Milchpulver gestorben, 600 weitere sind erkrankt. Zwei Verantwortliche wurden festgenommen.

Ein weiterer Säugling ist in China durch gesundheitsschädliches Milchpulver ums Leben gekommen. In dem Skandal um giftige Chemikalien in gepanschter Milch sind damit schon zwei kleine Kinder ums Leben gekommen und "hunderte" an Nierensteinen erkrankt, wie amtliche Medien am Montag berichteten.

Der Milch wurde die verbotene Chemikalie Melamin beigemischt, um dem Proteingehalt zu erhöhen.

(Foto: Foto: iStockphotos)

Gegen zwei Täter sei inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Die beiden Brüder hätten eine Milchsammelstation betrieben, die den Milchpulverhersteller Sanlu täglich mit drei Tonnen gepanschter Milch beliefert habe. Der ältere der Brüder habe gestanden, seit Ende vergangenen Jahres die verbotene Chemikalie Melamin in die Milch getan zu haben, um den Proteingehalt zu erhöhen. Er habe Verluste gemacht, weil Sanlu seine Milch zuvor mehrmals wegen Qualitätsmängeln zurückgewiesen habe.

Die Brüder gehören zu 19 Verdächtigen, die festgenommen worden sind. Der führende Hersteller Sanlu hat allerdings schon länger von gesundheitsschädlichen Stoffen in seinen Produkten gewusst, ohne die Gefahr aber öffentlich zu machen oder sein Milchpulver zurückzurufen. Die Hintergründe für die Verzögerungen sind unklar.

Es gab auch Spekulationen, ob die Behörden den Skandal wegen der Olympischen Spiele und der Paralympics in Peking zunächst vertuschen wollten.

Der neuseeländische Milchkonzern Fonterra, der zu 43 Prozent an Sanlu beteiligt ist, enthüllte, seine chinesischen Partner mindestens einen Monat vor dem jetzt behördlich angeordneten Rückruf gedrängt zu haben, das Milchpulver aus dem Handel zu ziehen. Der Vorstand von Sanlu, in dem drei Fonterra-Vertreter sitzen, wusste demnach mindestens seit dem 2. August von der Gefahr.

Fonterra-Chef Andrew Ferrier berichtete im neuseeländischen Wellington, das Unternehmen habe das gesundheitsschädliche Milchpulver daraufhin nur aus dem Vertrieb genommen, aber keine umfassende Rückrufaktion angeordnet. Es habe damit allerdings Anweisungen des Gesundheitsministeriums befolgt. Es sei ein "wahrlich tragisches Vorkommnis", über das noch "eine enorme Menge Unklarheit" herrsche, sagte Ferrier.