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China:Mehr als 30 Tote bei Zugunglück

Der Auslöser war offenbar ein Blitzschlag: Bei einem schweren Zugunglück im Südosten Chinas prallten zwei Hochgeschwindigkeitszüge aufeinander. Mehr als 30 Menschen starben, über 200 wurden verletzt. Die Kollision verstärkt die Sorgen um die Sicherheit der superschnellen Züge.

Nach dem Zugunglück im Südosten von China ist die Zahl der Toten bis Sonntag auf 35 gestiegen. Etwa 210 Passagiere wurden verletzt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge mit mehr als 1400 Insassen waren am Samstag in einem Gewitter in der Provinz Zhejiang aufeinandergeprallt. Unter den Toten seien auch zwei Ausländer, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, ohne ihre Nationalität zu nennen.

Bei einem Zugunglück in China sind mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 200 wurden verletzt. Zwei Waggons stürzten von einer Brücke 20 Meter in die Tiefe.

(Foto: AP)

Bei dem einen Zug sei nach ersten Angaben der Strom nach einem Blitzeinschlag ausgefallen. Der Zug sei praktisch zum Halten gekommen, berichtete Xinhua. Der folgende Zug habe zwar noch eine Notbremsung versucht, sei aber aufgefahren. Sechs Waggons entgleisten, zwei weitere stürzten 20 bis 30 Meter von einer Brücke in die Tiefe. Ein Waggon blieb senkrecht an der Eisenbahnbrücke hängen.

600 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Rettungstrupps mussten Opfer mit Schneidegeräten aus den verunglückten Waggons holen und Kräne einsetzen. Stunden nach dem Unglück waren laut Xinhua immer noch Fahrgäste in den Trümmern eingeklemmt. Staatspräsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao riefen dazu auf, alles zu ihrer Rettung zu tun.

"Wir waren mehr als eine Stunde in dem Wagen eingeschlossen, bis fünf von uns ein Fenster aufbrechen und herausklettern konnten", sagte ein Verletzter laut Xinhua. Sie hätten auch einen alten Mann aus dem Zug gezogen, der aber eine halbe Stunde später gestorben sei. Über Handys riefen Zuginsassen in Mikroblogs um Hilfe. "Bitte helft mir! ...Hilfe! Hilfe!", schrieb ein eingeschlossenes Opfer laut Xinhua. "Ich habe solche Angst."

Wegen der hohen Zahl der Verletzten riefen Krankenhäuser im nahe gelegenen Wenzhou zu Blutspenden auf.

Das Unglück passierte nahe der Stadt Shuangyu auf der Strecke von Hangzhou nach Fuzhou. Der erste Zug kam aus der Provinzhauptstadt Hangzhou, der zweite war von Peking nach Shanghai unterwegs. Beide waren Hochgeschwindigkeitszüge der ersten Generation vom Typ D, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 150 Stundenkilometern nicht so schnell sind wie die auf der kürzlich eröffneten neuen Schnellstrecke Peking-Shanghai.

"Unser Zug stoppte mehr als 20 Minuten. Die Zugbegleiter sagten, es sei wegen eines Blitzeinschlags", berichtete eine Frau laut Xinhua. "Kurz nachdem der Zug langsam wieder angefahren war, spürte ich einen schweren Schlag und der Strom war weg." In der Dunkelheit habe sie ihre leicht verletzte Tochter unter einem Sitz gefunden.

Wie Xinhua ferner berichtete, sei in Gegenrichtung ein anderer Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke ebenfalls vom Blitz getroffen worden und habe anhalten müsse, ohne dass aber etwas passiert sei.

Das Unglück löste im chinesischen Internet eine heftige Diskussion über die Sicherheit des rasant ausgebauten Hochgeschwindigkeitsnetzes in China aus. Nach dem tödlichen Unglück äußerten viele Chinesen in Mikroblogs und anderen Internetforen ihre Sorge über die Sicherheit des Hochgeschwindigkeitsnetzes in China. Mit 8000 Kilometern ist es heute schon das größte der Welt. Es soll bis 2015 auf 16.000 Kilometer verdoppelt werden.

Erst Ende vergangenen Monats hatte Regierungschef Wen Jiabao offiziell die umgerechnet 23 Milliarden Euro teure Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Peking und Shanghai eröffnet.

Das ambitionierte Programm, das viele Milliarden verschlingt, war schon vorher in die Kritik geraten. Besonders die im Juni eröffnete, 1300 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai machte wegen technischer Probleme und auch Stromausfällen nach Blitzschlägen von sich reden. Reisende mussten erhebliche Verspätungen in Kauf nehmen oder Züge wechseln.

Vor gut einer Woche musste sich ein Sprecher des Eisenbahnministeriums für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Hintergrund der Debatte ist auch der Korruptionsskandal um Eisenbahnminister Liu Zhijun, der im Februar abgesetzt worden war. Bei der Auftragsvergabe für das Bahnnetz sollen der Minister und leitende Beamte mitkassiert haben. Allein in diesem Jahr sind Investitionen für die Bahn in Höhe von 700 Milliarden Yuan (75 Milliarden Euro) geplant.

Nach der Ablösung des Ministers wurde entschieden, aus Sicherheitsgründen die Geschwindigkeit für die Strecke nach Shanghai von den geplanten 350 Stundenkilometern im ersten Jahr zunächst auf 300 zu drosseln. Die Fahrt von Peking dauert damit fünfeinhalb Stunden. Wegen der Anlaufprobleme und der hohen Fahrpreise sind viele enttäuschte Passagiere wieder auf Flugverbindungen umgestiegen. Weil die Auslastung zurückgeht, sollen von Montag an zunächst zwei Züge aus dem Fahrplan gestrichen werden.