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China:Inhaftierter Deutscher nach vier Monaten vorläufig frei

Hat er den Wert von Kunstgegenständen bei der Einfuhr zu niedrig angegeben und damit Steuern hinterzogen? Die chinesische Justiz entlässt einen deutschen Kunstspediteur nach vier Monaten aus der Haft, ermittelt aber weiter. Dem Holsteiner droht im schlimmsten Fall lebenslänglich.

Der in China wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung seit mehr als vier Monaten inhaftierter Deutsche Nils Jennrich ist vorläufig aus dem Gefängnis entlassen worden. Die chinesische Justiz habe den 32-Jährigen gegen Auflagen vorübergehend freigelassen, bestätigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Die Ermittlungen gegen den Kunstspediteur, der umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro hinterzogen haben soll, laufen allerdings weiter.

Die chinesischen Behörden werfen dem aus Schleswig-Holstein stammende Jennrich nach Angaben seiner Anwältin vor, den Wert von nach China importierten Kunstwerken bewusst niedrig angegeben und damit Steuern gespart zu haben, was in China allerdings üblich sei. Laut der Behörde sei damit jedoch der Tatbestand der Steuernhinterziehung erfüllt. Dem Deutschen droht im äußersten Fall eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Laut der Anwältin haben die chinesischen Ermittler bis Dezember Zeit, ihre Anschuldigungen zu untermauern. Die in Peking angesiedelte Firma hatte im geringen Umfang ausländische Kunstwerke nach China importiert. Ihr Hauptgeschäftsfeld war nach den Worten ihres Geschäftsführers jedoch die Einlagerung chinesischer Werke.

Der Deutsche saß seit Ende März in Haft und war von der deutschen Botschaft in Peking von Anfang an intensiv konsularisch betreut worden, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Mitte Juli hatte die Bundesregierung Hafterleichterungen für ihn gefordert. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte die Haftbedingungen als "inakzeptabel" kritisiert und bemängelt, sie entsprächen "nicht den international gültigen Mindeststandards".