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Chile:Aktivisten zeigen Plakate mit abgetriebenen Föten

Derzeit berät einen Kommission aus Experten über das Gesetz. Zwar unterstützt eine Mehrheit der Bürger die Reform, doch das streng katholische Land ist gespalten. Die Kirche, die in Chile sehr viel Einfluss hat, versucht die Reform zu blockieren. Abtreibungsgegner fahren mit Kleinbussen übers Land und zeigen großformatige Plakate von abgetriebenen Föten.

So drastisch die Strafandrohung bisher war, sie kann Frauen in Not offenbar ohnehin nicht von einem Schwangerschaftsabbruch abhalten. Die Regierung spricht von 33 000 Fällen pro Jahr, die im Krankenhausakten erfasst werden. Schätzungen der Organisation Human Rights Watch zufolge liegt die Zahl viel höher. Bis zu 160 000 Frauen treiben demnach pro Jahr unter zum Teil gefährlichen Bedingungen illegal ab, davon sind etwa 64 000 jünger als 18 Jahre.

Wie wenig das Verbot juristisch greift, zeigt eine weitere Zahl: Eine im Jahr 2014 veröffentlichte Studie ergab, dass es zwischen Januar 2011 und September 2012 lediglich 310 Fälle gab, die strafrechtlich verfolgt wurden.

Altlast aus der Zeit der Militärdiktatur

Das hat auch die Präsidentin erkannt. "Die Daten zeigen, dass die völlige Kriminalisierung nicht dazu beigetragen hat, Abtreibungen zu verhindern", so Bachelet in einem Fernsehinterview.

Mit der Reform würde die Staatschefin eine Altlast aus der Zeit der Militärdiktatur beseitigen. Kurz bevor der Diktator Augusto Pinochet aus dem Amt gedrängt wurde, verschärfte er im Jahre 1989 noch einmal das Abtreibungsrecht und führte eine ultrarestriktive Regelung ein, die zwischen 1874 und 1931 gegolten hatte.

Die Aufarbeitung der Zwangsherrschaft unter Pinochet, der zwischen 1973 und 1990 zahlreiche Gegner verschwinden ließ und bis zu seinem Tod nie zur Verantwortung gezogen wurde, geht in Chile nur sehr langsam voran. Eine neue Verfassung hat das Land bis heute - 25 Jahre nach dem Ende der Diktatur - noch immer nicht.

Viele weitere gesellschaftliche Reformen blieben ebenfalls lange liegen. 2004 war Chile das letzte Land der westlichen Welt, das die Ehescheidung legalisierte. Erst vor wenigen Wochen, im April 2015, wurden eingetragene Partnerschaften zwischen Homosexuellen legalisiert.

Nun fehlt noch ein Gesetz, das verhindert, dass sich Frauen auf Feuerwehrhydranten fallen lassen müssen.

© Süddeutsche.de/rus
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