Süddeutsche Zeitung

Chemieunfall in den USA:300.000 Menschen ohne Leitungswasser

Notstand im US-Bundesstaat West Virginia: Hundertausende Menschen sind von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten und müssen über Hilfslieferungen versorgt werden. Ein Lösungsmittel aus einer Fabrikanlage hat ein gesamtes Leitungswassernetz verseucht. Wie giftig die ausgetretene Chemikalie ist, steht noch nicht fest.

Nach einem Chemieunfall im US-Bundesstaat West Virginia müssen 300.000 Menschen ohne Leitungswasser auskommen. Die Regierung hat aufgrund des verseuchten Trinkwassers den Notstand ausgerufen. "Wir konzentrieren uns vor allem auf die Lage in Krankenhäusern, Altersheimen und auf die Schwächsten unter uns", erklärte Gouverneur Earl Ray Tomblin am Freitag.

Aus einer Fabrikanlage sei am 9. Januar das Lösungsmittel 4-Methylcyclohexanmethanol ausgetreten und habe über den Fluss Elk das Kanalisationsnetz im Zentrum und Süden des Bundesstaats verseucht, teilte der Wasserversorger West Virginia American Water am Freitag mit. Die Regierung forderte die Bürger in der Region auf, kein Leitungswasser zu benutzen. "Trinken Sie es nicht, kochen Sie nicht damit, duschen Sie nicht und waschen Sie keine Kleidung", appellierte Tomblin an die Bevölkerung. Lediglich zur Benutzung der Toilettenspülung oder zur Brandbekämpfung dürften die Einwöhner ihr Leitungswasser noch gebrauchen.

Wasservorräte in den Supermärkten sind teils aufgebraucht

Laut New York Times wurden am Freitag Schulen, Restaurants und öffentliche Gebäude geschlossen. Die Nationalgarde und die zuständige Behörde für Katastrophenschutz verteilte an Schulen und öffentlichen Plätzen Trinkwasser. In den Supermärkten der Region waren die Wasservorräte laut CNN teilweise aufgebraucht. Besorgte Menschen strömten in Krankenhäuser, selbst wenn sie keine Beschwerden hatten, hieß es.

Die Chemikalie - eine Methanolverbindung - ist laut Toxikologen gesundheitsschädlich und sollte nicht berührt, eingeatmet oder verschluckt werden. Unter anderem reize sie Augen, Haut und Atemwege. Es sei unklar, wie viel von der Chemikalie in den Fluss gelangt sei und wann die Warnung wieder aufgehoben werden könne.

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dpa/AFP/fie/dgr
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